Apply hard! Auswandern nach Neuseeland, Teil 1: „Wer bin ich und wenn ja, wie viele?“

Gepostet am Aktualisiert am

Dann starten wir mal das Projekt ‚Auswandererblog‘. Wir haben uns überlegt, mit einer kleinen Serie zu beginnen, die besonders Leute ansprechen soll, die ebenfalls mit dem Gedanken spielen, nach Neuseeland auszuwandern. Der gesamte Prozess erfordert eine Menge Vorbereitung und sollte sorgfältig geplant werden. Und ist zudem noch höchst individuell. Vielleicht könnt ihr dennoch von unseren ganz persönlichen Erfahrungen profitieren.

Ach Neuseeland! Du wunderschönes, kleines, ruhiges, isoliertes Land am anderen Ende der Welt. Ja, du hast es uns schon lange angetan. Drei Mal waren wir bereits da, einmal ohne und zweimal mit Kind. Nach jeder Heimkehr haben wir versucht, das „Sweet as„-Gefühl zu bewahren, etwas Kiwi-Mentalität zu speichern, mit mehr Lockerheit den Alltag zu bewältigen. Wie schön wäre es doch, richtig in diesem kleinen Paradies mit all seinen freundlichen Bewohnern zu leben… Gesagt, entschieden, getan? Ooooh nein, so einfach ist das nicht. Wer wirklich dauerhaft nach Neuseeland immigrieren möchte, wird schnell mit der harten Realität konfrontiert, die weniger mit „Sweet as“ als vielmehr mit knallharten Leistungskriterien zu tun hat.

Als wir auf der Suche nach einem Namen für diese kleine Blogger-Serie waren, haben wir uns gefragt, auf welchen Nenner wir unsere Erfahrungen herunterbrechen können. „Apply hard“ heißt hier die Devise. Und ja, es war ein sehr langer und sehr aufwändiger Bewerbungsprozess, den wir durchlaufen mussten. Und wenn ihr nicht gerade Kim Dotcom heißt und viele Millionen auf dem Konto habt, wird es euch wahrscheinlich genauso gehen (obwohl sie den, glaube ich, mittlerweile wieder rausgeschmissen haben). Es sei denn natürlich, ihr werdet von eurem Arbeitgeber gesponsert. Dann sieht das Ganze noch mal anders aus.

Gehört ihr aber auch zu diesen Verrückten, die sich tatsächlich entscheiden, alle Sicherheiten in Deutschland hinter sich lassen zu wollen, müsst ihr euch folgende Frage stellen: Wer bin ich? Nein, das hat nichts mit persönlicher Selbstfindung und Sinnsuche zu tun. Da reicht auch eine Reise nach Bali. Vielmehr solltet ihr einen Blick auf euren Lebenslauf werfen. Denn mit diesem steigen oder sinken die Chancen, ob sich euer Traum verwirklichen lässt oder nicht. Hier geht es um klare Fakten: Welche Staatsbürgerschaft habt ihr (innerhalb des Commonwealth geboren zu sein macht es sicherlich leichter)? Wie alt seid ihr (überschreitet ihr 55 Lebensjahre geht nichts mehr, aber eigentlich wird es ab 40 schon kritisch)? Welche Qualifikation habt ihr (Berufsausbildung bzw. Studium ist Pflicht)? Und wird eure Qualifikation in Neuseeland überhaupt gebraucht? Des Weiteren versteht es sich natürlich von selbst, dass ihr weder vorbestraft sein noch in einen aktuellen Strafprozess verwickelt sein dürft. Und schön rund und gesund müsst ihr sein, und das sogar ärztlich bescheinigt, aber dazu schreiben wir noch einen eigenen Teil.

Als nächstes hilft ein Besuch auf der offiziellen Homepage New Zealand Immigration, um zu überprüfen, ob ihr euch mit den Angaben aus eurem Lebenslauf für eines der möglichen Visa bewerben könnt. Passt es? Dann stehen die Chancen schon mal gut! Doch genau hier beginnt auch der schier endlos scheinende Bewerbungsmarathon für eine Immigration nach Neuseeland. Was auf den ersten Blick nach ein paar lockeren Klicks aussieht, entpuppt sich schnell als ein bürokratisches Labyrinth, bei dem man eine ganze Menge übersehen und damit auch falsch machen kann. An dieser Stelle solltet ihr euch überlegen, in einen Immigrationsberater zu investieren, der euch im weiteren Bewerbungsprozess unterstützt. Dieser Weg kostet zwar Geld, aber definitiv wird es euch Zeit, Nerven und viel Organisation sparen. Wer einen Fehler bei der Bewerbung um ein Visum macht bzw. ein wichtiges Detail übersieht, der steht ganz schnell vor verschlossenen Immigrationstüren. Kurz: „If you screw this up, you’re dead!“ Wir haben zwar auf einen Immigrationsberater verzichtet, doch nur, weil wir retrospektiv einfach zu naiv an die ganze Sache herangegangen sind. Dass alles doch zu unseren Gunsten geklappt hat, ist ein Zusammenspiel aus glücklichen Zufällen und viiiel Zeit, die wir uns für die Vorbereitung genommen haben.

Apropos Zeit: Wir können euch nur raten, ausreichend Zeit für die gesamte Organisation einzuplanen. Wir haben uns insgesamt ca. ein Jahr Zeit genommen, welches in jederlei Hinsicht sinnvoll war. Abgesehen von dem bürokratischen Prozess hat man ja auch noch ein Leben, in dem man ebenfalls funktionieren muss. Es ist manchmal einfach mühsam, sich nach zehn Stunden Arbeit abends noch mal an den Schreibtisch zu setzen, um Unterlagen zu wälzen. Dazu kommen Fragen wie: Was mache ich mit meiner Wohnung oder meinem Haus? Soll ich einen Container bestellen? Wo muss ich mich und meine Kinder überall abmelden? Wann muss ich meinen Job kündigen? – Alles Dinge, die zwangsläufig erledigt werden müssen und bei denen oft auch Fristen einzuhalten sind. Und natürlich: Geld ansparen. Ebenso wie bei einer Reise kann man nicht einfach von jetzt auf gleich los bzw. können wir das nicht. Für unsere Weltreise haben wir damals 1,5 Jahre Sparzeit gebraucht, um ein ausreichendes Polster anzulegen. Insbesondere für Neuseeland braucht man Geld, viiiel Geld. Das weiß jeder, der mal seinen Fuß auf das Land der langen weißen Wolke gesetzt hat. Je mehr ihr seid, desto mehr Geld solltet ihr beiseite legen.
Zu guter letzt kommt noch die mentale Vorbereitung. Das solltet ihr wirklich nicht unterschätzen, auch wenn ihr am liebsten schon morgen mit Sack und Pack im Flieger sitzen würdet. Auswandern nach Neuseeland bedeutet auch, sich für eine sehr lange Zeit oder sogar für immer von Familie und Freunden zu verabschieden bzw. die Beziehung via Skype und WhatsApp weiterzuführen. Oder in eurem Beruf auf Englisch zu arbeiten. Da schlackern einem schon die Knie, wenn man nur drüber nachdenkt.

Außerdem stellt sich eine weitere, sehr essenzielle Frage: Wie viele seid ihr? Das macht die ganze Sache nämlich noch mal ein Stück aufwändiger. Ein junger, gut ausgebildeter Single, dessen Qualifikation in Neuseeland gesucht wird, kommt wahrscheinlich schneller an sein Ziel als jemand, der noch Kind und Kegel einpacken muss. Warum? Weil auch Partner und Kind(er) Visa brauchen, die sich alle voneinander unterscheiden, aber auch alle aneinander hängen können. Nehmt unseren speziellen Fall als Beispiel: Julian hat sich als Arzt in Neuseeland auf ein Work-Visum beworben. Ich bin Soziologin, durch die Geburt von Milan im Dezember 2016 aber gerade in Elternzeit und komme erst einmal als „Anhängsel“ mit, also mit einem Partner-Visum, das aber auch gleichzeitig ein Work-Visum ist, damit ich auch die Möglichkeit habe, zu arbeiten, wenn Milan in die Day Care geht. Für Milan, der momentan nur mit futtern und pupsen beschäftigt ist, reicht hingegen ein Visitor-Visum. Alejandra, die jetzt in die Schule kommt, braucht jedoch ein Student-Visum. Puh! Die Visa von Alejandra, Milan und mir konnten erst bearbeitet werden, als Julian sein Work-Visum schwarz auf weiß in den Händen hielt. Ab diesem Zeitpunkt konnten wir unsere Pässe nach London an die neuseeländische Immigrationsbehörde schicken, die 1,5 Monate für die Bearbeitung benötigte. Konkret bedeutete dies, dass wir erst eine Woche vor Abflug unsere ordnungsgemäß bearbeiteten Pässe in den Händen hielten. Das war die reinste Zitterpartie! In diesem Zusammenhang müssen wir aber hinzufügen, dass Julian bereits in Deutschland ein Jobangebot aus Neuseeland vorlag. Sonst hätten wir keines dieser Visa vor unserem Abflug beantragen können. Wir kennen einige dieser mutigen Fälle, die tatsächlich ohne Job mit einem Touristen-Visum (ab Ausstellung 3 Monate gültig, verlängerbar) eingereist sind – in der Hoffnung, alles Notwendige vor Ort zu organisieren. Das kann natürlich funktionieren. Wir sind allerdings sehr dankbar und froh, nicht auf diese Option angewiesen sein zu müssen. Wenn es nicht klappt mit dem Auswandern, hat man in Deutschland unter Umständen schon sein ganzes Leben aufgegeben. Gerade mit Kind(ern) ist das ein sehr unsicheres Wagnis, das man sich schon sehr genau überlegen muss.

Soviel zum Start. Wie schon zu Anfang beschrieben ist so ein Bewerbungsprozess eine ziemlich individuelle Angelegenheit, dessen Erfolg davon abhängt, wie gut euer Lebenslauf zu neuseeländischen Bedürfnissen passt. Im nächsten Teil werden wir euch also darüber berichten, wie es ist, sich als Arzt in Neuseeland zu bewerben, da wir mit dieser Qualifikation erst einmal „reingekommen“ sind. Da haben wir echt so viele Informationen gesammelt, die wir euch auf keinen Fall vorenthalten wollen – und auf die wir selbst gern zurückgegriffen hätten 😉

Bis dahin eine gute Nacht aus Neuseeland!

2 Kommentare zu „Apply hard! Auswandern nach Neuseeland, Teil 1: „Wer bin ich und wenn ja, wie viele?“

    Gerlinde Schneider sagte:
    April 9, 2017 um 9:53 am

    Liebe Sarah. Das klingt alles sehr spannend aber auch mühsam. Dennoch bewundere ich eurer Durchhaltevermögen und kann nur den imaginären Hut. Bin schon sehr gespannt wie es weitergeht und welche Erfahrungen ihr so im Land der weißen Wolken macht. Herzlichen Gruß aus Oppenheim

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