Auswandererblog?

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Wir haben es wirklich getan. Vor ziemlich genau zwei Wochen sind wir losgezogen und haben uns ans andere Ende der Welt gewagt. Nicht zum reisen, sondern weil wir dauerhaft in Neuseeland leben wollen. Lange haben wir überlegt: Wollen wir diesen Blog überhaupt weiterschreiben? 

Erst einmal vielen lieben Dank an die LeserInnen unseres kleinen Blogs. Wir kennen viele nur aus E-Mails oder durch die Kommentar-Funktion. Nichtsdestotrotz haben wir in letzter Zeit einige Anfragen bekommen, warum wir hier nur noch sporadisch aktiv sind. Zum einen könnt ihr euch vorstellen, dass die vergangenen Wochen, oder besser gesagt Monate, ziemlich turbulent für uns waren. Auswandern ist ein komplizierter Prozess, der einen, in Kombination mit einem Neugeborenen, manchmal an den Rand der Belastbarkeit bringt. Viel Zeit, uns den schönen Künsten wie dem Schreiben zu widmen, blieb also nicht. Zum anderen waren wir uns nicht sicher, ob wir überhaupt noch weiter von unseren Abenteuern berichten sollen – denn streng genommen ist das hier ja ein Familienreiseblog. Und zum Reisen werden wir wohl in nächster Zeit nicht kommen, da wir uns auf das down-setteln in Neuseeland konzentrieren wollen. Viele von euch haben uns deshalb vorgeschlagen, einen Auswandererblog zu gestalten. An und für sich ist das eine richtig schöne Idee. Und vielleicht auch sinnvoll für Familien, die ähnliches vorhaben. Wer wirklich mit dem Gedanken spielt, dauerhaft nach Neuseeland zu gehen, braucht eine geballte Ladung Know-How und eine menge Geduld, um sich von kleinen Rückschlägen nicht unterkriegen zu lassen. Wenn wir euch dabei unterstützen können, machen wir das gerne. Zumindest können wir euch von unseren Erfahrungen OHNE Immigrationsberater berichten.

Wir sind mittlerweile im Land der langen weißen Wolke angekommen und können langsam aber sicher durchatmen. Der Abschied aus Deutschland war – salopp gesagt – sau hart! Am Frankfurter Flughafen haben uns engste Freunde und Familienmitglieder in einem Meer aus Tränen verabschiedet. Dabei haben nicht nur die Zurückgebliebenen Rotz und Wasser geflennt, sondern auch wir. Auswandern ist immer cool, wenn man nur darüber redet. Es aber wirklich zu tun heißt, seine Liebsten dauerhaft und manchmal sehr weit zurückzulassen. Das wurde uns eigentlich erst an der Passport-Kontrolle richtig bewusst. Ganz ehrlich!

Unser erster Stop führte uns nach Singapur, wo wir 5 Tage Aufenthalt eingeplant hatten. Warum wir nicht in einem Rutsch nach Neuseeland geflogen sind? Ganz einfach, weil wir gerne reisen. Und Umsteigeflüge echt nicht unser Ding sind. Auch ohne Kinder haben wir nach 12 Stunden in der Economy keine Lust mehr auf Flugzeug und nutzen diese Möglichkeiten gerne für Stopover. Gerade Singapur eignet sich für uns perfekt. Wir kennen das kleine Fleckchen Erde sehr gut und fühlen uns immer wohl dort. Außerdem hatten wir eine liebe Einladung von unseren Couchsurfern, bei denen Alejandra und ich bereits vor 2,5 Jahren untergekommen sind. Schade nur, dass He Xu, der Sohn unserer Couchsurfer-Hosts, nach 2 Tagen Windpocken-Symptome zeigte. In Windeseile haben wir uns dann über Booking ein Hotel organisiert, in das wir flüchten konnten. Die Kids sind zwar geimpft, aber Julian ist noch Windpocken-unversehrt. Und auf Windpocken konnten wir gerne verzichten. Die Hotel-Alternative war dann sogar auch ganz schön, weil sie einen Pool zu bieten hatte. Und was macht Kinder glücklicher als ein Pool zum springen und toben? Alejandra war nach anfänglicher Traurigkeit über unseren Abschied bei He Xu jedenfalls wieder guter Dinge. Und auch sonst haben wir versucht, die restliche Zeit in Singapur entspannt zu nutzen. Mal waren wir im Nachtzoo, der für Kinder in Alejandras Alter ein echtes Highlight ist, mal haben wir uns auf Sentosa Island rumgebtrieben – die Vergnügungsinsel schlechthin. Hier haben wir uns übrigens mit Anna getroffen, die vor kurzem mit zwei Kindern und Mann von Deutschland nach Singapur gezogen ist. Auch Anna kennen wir – irgendwie – durch unseren Blog. Und es war einfach total spannend zu hören, wie es ist, sich mit Kind und Kegel für eine Weile in Singapur niederzulassen.

Als nächstes – oder besser gesagt, gleich im Anschluss zu unserem Treffen mit Anna und ihren Kids – haben wir uns in den Flieger nach Sydney gesetzt, der uns 8 Stunden später ins nicht mehr ganz so tropisch heiße Australien entließ. Dort blieben wir weitere 5 Tage, richtig schön, in Manly. Die Northern Beaches sind unserer Meinung nach die schönste Gegend, um im Raum Sydney unterzukommen. Es ist etwas ruhiger als im Central und auch nicht ganz so teuer. Außerdem sind die riesigen, langen, weiten Sandstrände gut geeignet, um Kinder viele Stunden zu beschäftigen. Wenn man doch mal an den Knotenpunkt am Circular Quay möchte, bringt einen die Fähre alle halbe Stunde von Hafen und Hafen. Übrigens ist die Fähre auch ein Ort der Begegnungen. Wie es der Zufall will, haben wir dort eine weitere weltreisende Familie kennengelernt, die auch noch im selben Hostel wie wir untergekommen ist. Die „Weckerlosen“ sind seit 13 Monaten mit ihrer Tochter Emia auf großer Weltreise. Emia und Alejandra haben sich gleich prächtig verstanden, woraufhin wir die weitere Tagesplanung zum Austausch genutzt haben. Es ist einfach immer wieder schön, andere reisebegeisterte Familien kennenzulernen und dabei zu merken, wie unterschiedlich sich Bedürfnisse durch Reiseerfahrungen entwickeln können. Wo uns unsere Weltreise zum auswandern geführt hat, führt sie ihre Reise bald zurück nach Hause in die Schweiz. Was ursprünglich als Open-End-Weltreise geplant war, endet in einigen Monaten mit der Rückkehr in die Heimat. Manchmal muss man eben erst eine Weltreise machen um zu merken, wo sein zuhause ist 🙂

Das spüren auch wir, als wir ein paar Tage später im Flieger nach Neuseeland sitzen. Der kurze Hüpfer rüber nach Auckland ist zugleich auch der anstrengendste Flug auf unserer Reise. Die Kontrollen am Flughafen in Sydney sind aufwendig, Air New Zealand will unsere Buchung über Singapore Airlines erst nicht akzeptieren (die transportieren in der Economy weniger Gewicht pro Gepäckstück) und uns für unsere schweren Koffer ordentlich draufzahlen lassen. Milan ist zu allem Übel noch richtig schlecht gelaunt. Aber wir überstehen die harschen Kontrollen, überzeugen Air New Zealand, dass die Buchungsbedingungen von Singapore Airlines und nicht ihre Bestimmungen gelten, auch wenn sie der operierende Carrier sind, und können den schreienden Milan irgendwann in den Schlaf wiegen. Als wir endlich neuseeländischen Boden betreten, wissen wir ganz genau, warum uns auch die größten Anstrengungen nicht umhauen können: Weil wir einfach verliebt in dieses Land sind und richtig Bock haben, hier zu leben. Am Ende des Tages stehen wir mit einem leckeren Glas Weißwein auf dem Balkon unseres Appartements, das uns freundlicherweise Julians Arbeitgeber gestellt hat, schauen auf die Skyline von Auckland und wissen: Das war die absolut beste, richtigste, tollste Entscheidung ever. So schnell wollen wir hier nicht mehr weg. Und, wenn ihr immer noch wollt, schreiben wir weiter gerne all unsere Erfahrungen auf. In einem nicht mehr Reise- aber dafür Auswandererblog!

 

7 Kommentare zu „Auswandererblog?

    Marianne und Hans Kaminsky sagte:
    April 2, 2017 um 12:46 pm

    Schade, daß Ihr sooooo weit weg seid ! Wunderbar, daß Ihr in Neuseeland glücklich seid ! Möge Euer Leben dort in der erhofften Weise verlaufen und Euch richtig schön zufrieden machen. Bleibt vor allem gesund und munter, fröhlich und gelassen. Übrigens: Ob Milan wohl auch noch „deutsch“ lernt? :-)))
    Herzlichst
    Marianne und Hans

    Benjamin sagte:
    April 2, 2017 um 5:04 pm

    Wow – hammer. Wir sind beeindruckt. Wir wünschen euch von Herzen alles alles Gute. Mögen all eure Träume in Erfüllung gehen und ihr den besten Start eures Lebens haben! Da war unser Umzug nach Frankreich eher ne kleine Nummer. 🙂
    Wir folgen euch auf jeden Fall interessiert weiter!!!! LG von den 6 Wendts + Wuff

    Becky sagte:
    April 2, 2017 um 8:46 pm

    Also ich möchte sehr gerne mehr von euch lesen!
    Liebe grüße und einen guten Start wünsche ich euch!

    Maomi sagte:
    April 17, 2017 um 9:33 am

    Da ist sie, die MaOmi….Hab Euch lieb,

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