Mit blindem Passagier auf La Palma

Gepostet am Aktualisiert am

Alejandra und Johan, Playa Echentive, La Palma, Kanaren 2016

Reisen mit Kind ist in vielen Formationen möglich. Bisher haben wir sowohl die Familien-Variante als auch die Kind-allein-mit-Papa bzw. Kind-allein-mit Mama-Variante ausprobiert. Alle hatten ihren Charme. Aber zwei Mamas mit ihren Kids, inkl. blindem Passagier? Let’s do it!

Es passiert eines Abends im Fitnessstudio, als Alina und ich beschließen, dass wir urlaubsreif sind. Ans Meer soll es gehen, so viel steht fest. Und die Männer müssen zuhause bleiben, so viel auch. Ach ja, warm und sonnig soll es natürlich sein. Und die Kinder? Alina hat zwei Söhne. Den wilden Lutz (1) und den nicht ganz so wilden, aber irgendwie auch wilden Johan (4). Ihr fällt die Entscheidung zunächst schwer. Klar, so einen kleinen Wurm daheim zu lassen kostet Überwindung. Doch andererseits ist es auch eine schöne Vorstellung, sein Erstes noch mal ganz für sich allein zu haben. „Den Lutz, den hab ich lieb. Aber eine Woche mal nur mit dem Johan, das fänd ich toll!“ Und da Johan und Alejandra sich aus dem Kindergarten gut kennen, schummeln wir die kleine Hexe gleich auch noch mit ins Gepäck.

Alejandra und Johan auf dem Flug nach Santa Cruz, La Palma, 2016 IMG_1874

2 Mamis und 2 Kinder, irgendwo in die Sonne. Wann? Am besten so schnell wie möglich. Es ist Anfang März und der Winter, der keiner war, kotzt uns nur noch an. Wir durchforsten wie wild die Angebote und bleiben bei der kanarischen Insel La Palma hängen. Ganz im Westen gelegen, und im Vergleich zu den anderen Kanaren-Inseln noch relativ untouristisch, steht schnell fest: Da wollen wir hin!

Wir entscheiden uns, mit zwei quirligen 4-Jährigen für ein Apartment (Hotel del Sol) mit Frühstück in Puerto Naos. Die Angebote sind trotz der drohenden Ferienpreis-Explosion erträglich – für eine Woche mit Flug (DE ab FRA) und Unterkunft zahlen wir pro Erwachsene und Kind knapp 1000€. Dazu mieten wir einen kuscheligen Renault, der uns vom Flughafen Santa Cruz bequem ins 1,5-Stunden entfernte Puerto Naos bringt.

Puerto Naos liegt direkt am Meer und soll der wärmste Ort der Insel sein. Es hat eine schöne, große Promenade und viele, kleine Restaurants mit leckerem Wein für müde Mamis zu bieten 😉 Free Wifi gibt es auch, so dass die Papas daheim mit vielen Neidisch-Mach-Bildern und wir mit süßen Lutz-Fotos versorgt werden können. Das Hotel entpuppt sich zwar insgesamt als ordentlicher Bunker, aber so what? Es ist sauber und die Kinder haben genug Platz zum toben. Aus Johan und Alejandra wird rasch „Cccchhuuaaan und Aleeechaaandra“, das niedliche blonde Kinderpärchen, welches sich darum zankt, wer was auf spanisch sagen darf. Oder die Tür zum Apartment aufschließt. Oder zuerst ein Eis bekommt. Manchmal geht uns das ganz schön auf die Nerven und wir sind heilfroh, wenn wir nach Einbruch der Dunkelheit die Weinkorken knallen lassen können. Dann folgen stundenlange Gespräche über Gott und die Welt. An Themen mangelt es uns sicher nicht.

Zwischendurch, wenn die Giftzwerge sich daran erinnern, wie lieb sie sich haben, erkunden wir mit dem Auto die Umgebung. Von Puerto Naos kann man allerhand feine Ausflugsziele erreichen. Insbesondere im März, wenn die Wetterlage im Atlantik noch nicht ganz so stabil ist, muss man der Sonne manchmal ein bisschen hinterherfahren. Die Nordseite der Insel vermeiden wir gänzlich – zu kühl und grau. Dafür bietet der Westen eine ganze Bandbreite an Sehens- und Wohlfühlwürdigkeiten.

Alina und Sarah, Puerto Naos, La Palma, Kanaren 2016 Am Strand von Puerto Naos, La Palma, Kanaren 2016

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hier fanden wir’s zum Beispiel richtig schön:

  • Whale Watching mit Fancy II in Tazacorte
    Nur 10 min Autofahrt von Puerto Naos entfernt liegt das sehr idylische Tazacorte. Beim Anblick des kleinen Städtchens sind wir fast ein bisschen traurig, nicht hier untergekommen zu sein. Verwinkelte Gassen, bunte Häuschen und leckere Restaurants lassen uns fast täglich hierher kommen. An einem Nachmittag geht es – selbstverständlich – auch mal raus zum Wale beobachten. Dafür wählen wir die Company „Fancy II„, die u.a. auch ein Unterwasser-Glaswand-Fassade anbietet. Für Kinder ist ausreichend Platz an Board, zudem ist für Snacks und Getränke gesorgt. Und spätestens, wenn die ersten Fleckendelfine, Tümmler oder Pottwale über die Unterwasser-Glaswand zu sehen sind, drücken sich alle fasziniert die Nasen platt. Besonders schön: Die Crew der Fancy II steht passioniert hinter ihrem Job. Hier werden Meerestiere nicht gejagt, sondern beobachtet. Absolut empfehlenswert!
  • Sandstrand in Tazacorte
    Ein kleiner Nachteil an Puerto Naos ist der kieslige Strand und das sehr wilde Meer. Zum baden und sonnen, buddeln und Sandburgen-bauen eignet sich die Hafenbucht von Tazacorte besser. Zudem bietet die kleine, anliegende Promenade enorm viel Eis für Kinderhände und saubere Toiletten. Hier kann man also getrost mehrere Stunden verbringen, bis die Sonne hinter den erfürchtigen Klippen verschwindet, die Tazacorte umzäunen. Nur vorsicht: Braungebrannte Endsechziger-Hippies tauchen auch hin und wieder mal auf und präsentieren ihre Prachtkörper in voller Blüte 😉 Nix gegen zeigefreudige – NICHT-Exhibitionisten – Männer, die junge Touristinnen beeindrucken wollen, aber der Anblick bleibt auch von schaulustigen Kids nicht unkommentiert 😉 😉 😉
  • Der Vulkan San Antonio bei Fuencaliente
    Alejandra und ich entdecken an einem wunderschönen Sonnentag den Vulkan San Antonio. Für 5€ Eintritt (Kinder sind frei) wird einem neben dem Vulkankrater (für Kids mega beeindruckend) auch eine Erdbebensimulation und viele Informationen rund um den Vukanismus in La Palma geboten. Ein kleiner Wanderweg entlang des Kraters (30 min hin und zurück) ist ebenfalls kinderfreundlich und richtig spannend. Von dort aus hat man auch einen grandiosen Ausblick auf die Salinenwerke und bei schönem Wetter bis ins weit entfernte Tazacorte. Am Folgetag sind wir mit Johan und Alina noch einmal hin und können sogar unser Ticket re-verwenden. Sehr, sehr schön!
  • Restaurant „El Hidalgo“ in Los Llanos de Aridane 
    An unserem letzten Abend in La Palma landen wir durch die Hilfe von google im Restaurant „El Hidalgo“ in Los Llanos de Aridane. Das kleine Städtchen, ohnehin sehr schön an den Hängen La Palmas gelegen, liegt ca. 20 Autominuten von Puerto Naos entfernt. In einer unscheinbaren Gasse abseits der innenstädtischen Pfade versteckt sich das „El Hidalgo“. Neben der bemerkenswerten Kinderfreundlichkeit ist vor allem die Austattung zu erwähnen. Innen ist es „kanarisch“ gemütlich, im Hinterhof fühlt man sich dagegen wie in einem tropischen Kleingarten. Dazu schmeckt der Weißwein fantastisch und Vegetarier kommen mehr als auf ihre Kosten. Hier kann man definitiv ein paar entspannte Abendstunden verbringen, während die Kinder mit Spielsachen verwöhnt werden.
  • Roque de los Muchachos (Hochebene)
    Hehe… ja, auf diese Hochebene sind wir nicht ganz freiwillig geraten. An unserem letzten Tag in La Palma wollen wir statt der Küstenroute die Inlandsroute nach Santa Cruz zum Flughafen nehmen – und landen hier. Die Sternenwarte über den Wolken erreicht man über die LP-4. Eigentlich eine schöne Sache…müssten wir nicht unser Flugzeug kriegen!!! Wir verzetteln uns so dermaßen, dass wir unseren Flug nach Frankfurt beinahe verpassen. Kurios: Dieser atemberaubende Anblick, als sei man zwischen Himmel und Erde und gleichzeitig auf dem Mars unterwegs, und doch vor lauter Hetze nicht in der Lage, dieses Bild zu genießen. Unser Tipp: Ein verdammtes, dämliches Navi. Auf La Palma ist man durch die Schönheit der Landschaft oftmals so abgelenkt, dass der Blick in die Karte nur stört. Die Beschilderungen sind dazu dürftig.
    Wir kriegen unseren Flug übrigens doch noch. 10 Minuten vor Take-Off erbarmt sich die Condor und lässt uns doch noch in den Flieger. Glück gehabt, sonst hätten wir eine Woche auf La Palma auf die nächste Condor warten müssen…

Wer weiß, vielleicht hätte ich dann noch immer nicht gewusst, dass wir die ganze Zeit zu fünft unterwegs gewesen sind. Nach der Ankunft in Deutschland erschleicht mich gegen Mitternacht noch mal so ein Gefühl, einen Schwangerschaftstest machen zu müssen, der ¡WUMS! auf die Sekunde ‚positiv‘ anzeigt. Mehr als gewünscht und super glücklich kann ich mich zusammen mit Julian über diese Nachricht freuen.

Also Baby, erste Reise erfolgreich gemeistert 😉 Es werden noch viiiele folgen.

Alina mit Johan, Puerto Naos, La Palma, Kanaren 2016

4 Kommentare zu „Mit blindem Passagier auf La Palma

    Simone sagte:
    Juli 18, 2016 um 10:10 am

    Herzlichen Glückwunsch! Reisen zu viert ist auch toll! Wir hatten auch vor 3 Jahren eine Weltreise mit unseren Mädels gemacht (damals 6 und gerade 1 Jahr alt) War ein unvergessliches Abenteuer!!! Wünsch dir alles Gute für die Schwangerschaft und eine tolle weitere Zeit auf Reisen!

      Familie Bauer auf Weltreise geantwortet:
      Juli 20, 2016 um 6:40 am

      Danke Dir, Simone 🙂 Wo wart ihr überall unterwegs mit euren Mädels? Wir planen ja auch schon wieder allerlei Verrückheiten… mit zwei Kids kann es einfach nur doppelt so gut werden!!! Liebe Grüße

    Simone sagte:
    August 14, 2016 um 9:25 am

    Wir waren 2 Monate in den USA (Westküste, Nationalparks, Seattle) dann Hawaii, Australien, Singapur und Thailand. Hatte anfangs auch einen Blog geführt (www.traveloca.com/happyfamilyaroundtheworld) Leider nie zu Ende geschrieben… 😦
    Ich freu mich auf eure weiteren Berichte 🙂
    Liebe Grüße
    Simone

      Familie Bauer auf Weltreise geantwortet:
      August 15, 2016 um 6:39 am

      Ja, ist echt schwer, dranzubleiben. Kennen wir… 😉 Aber nur vom Blog-Schreiben wird der Kühlschrank eben auch nicht voll 🙂

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