Unfreiwillige Urlaubsverlängerung mit Lufthansa

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Nach einer sehr intensiven Familienzeit auf der Halbinsel Valdés fahren wir im Eiltempo 1500km zurück nach Buenos Aires. Pragmatisch nehmen wir einen giftigen Skorpion im Zimmer und kleine, öde Städtchen in Kauf, um pünktlich den Rückflug nach Frankfurt anzutreten. Doch dann kommt alles anders!

Wir sind traurig! Argentinien hat bisher nicht zu viel versprochen. Dieses Land ist an Vielfältigkeit kaum zu überbieten und macht uns Lust auf mehr. Die Anden, Feuerland, all das haben wir bisher nicht gesehen. Aber das ist auch nicht möglich, wenn man nur drei Wochen zur Verfügung hat und die Erfahrungen lieber intensiv erleben möchte, als schnell alles abzuklappern. Schweren Herzens verlassen wir also die Halbinsel Valdés und bereiten uns darauf vor, in drei Tagen wieder in Buenos Aires zu sein.

Über Facebook und SPON kriegen wir bereits mit, dass die Flugbegleiter der Lufthansa umfassende Streikmaßnahmen angekündigt haben. Ob das auch uns betreffen wird? Regelmäßig checke ich unsere Lufthansa-App nach dem Stand unseres Rückfluges. Bis nach Rio Colorado, etwa 900km vor Buenos Aires, stehen noch alle Zeichen auf grün. Wir nehmen uns einen kleinen Bungalow mit Pool und freuen uns, dass es in den letzten Tagen richtig heiß geworden ist. Knapp 30°C zeigt das Thermometer an, währenddessen es in Deutschland bereits graupelt und kalt wird. Im Pool macht Alejandra sogar ihre ersten eigenen Schwimmversuche und wir sind stolz wie Oskar!

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In der Nacht bekommen wir allerdings ungebetenen Besuch. Ich werde wach von einem penetranten Rascheln. Erst einmal denke ich an Kakerlaken oder Eidechsen. Das ist nichts ungewöhnliches in Argentinien, wenn man nicht gerade eine kostspielige Unterkunft bucht. Aber eben auch nicht schlimm. Doch was ich dann sehe, lässt mich schlagartig erstarren. In unserer Autokarte, die breit ausgelegt auf dem Boden liegt, kruschelt sich ein winzig kleiner Skorpion. Damit habe ich wirklich überhaupt nicht gerechnet, auch wenn wir natürlich in einer Wüstengegend übernachten, wo das zu erwarten wäre. Ich wecke Julian, der ebenfalls total perplex ist. Er fängt den kleinen Kerl ein und setzt ihn ein paar Meter weiter in den Büschen aus. In diesem Moment denken wir noch, es handelt sich eben um einen Skorpion – nicht toll, aber gefährlich wird er ja wohl nicht sein… Am nächsten Morgen zeigen wir dem Besitzer der Bungalow-Anlage ein Bild von unserem nächtlichen Besucher. Der wird etwas bleich und schwört uns, dass das hier noch nie vorgekommen sei. Hektisch gibt er uns direkt 50% Preisnachlass auf unser Zimmer. Das nehmen wir dankend an, auch wenn wir das gar nicht bezwecken wollten. Er erklärt uns, dass diese Art sehr giftig ist und sehr selten eben auch mal in den Häusern auftaucht. Da müssen auch wir noch mal kurz schlucken.

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Auf dem Weg zu unserer nächsten und letzten Übernachtung vor Buenos Aires, Trenque Lauquen, checke ich noch mal die Lufthansa-App. Und siehe da…was wird mir angezeigt? Eine fette rote Nachricht: Ihr Flug wurde gecancelt. Uff! Was das bedeutet, kann uns auch keiner sagen. Im Lufthansa-Service-Büro kann man uns ebenso wenig Auskunft geben wie auf der Homepage. Wir warten also ab und verbringen die kommende Nacht in der wirklich sehr trostlosen Stadt Trenque Lauquen. Eine nettere Alternative ziehen wir erst einmal nicht in Betracht, da wir ja immer noch damit rechnen müssen, dass wir möglicherweise doch pünktlich in Buenos Aires sein müssen. Die Strecke ist also ganz pragmatisch bestimmt.

Die Lufthansa, der lustige Verein, schlägt uns dann auch wirklich eine Option vor, mit der wir püntklich bzw. überpünktlich wären. Als wir am Morgen aufwachen, sagt uns meine App, dass wir schon heute – und nicht wie geplant am nächsten Tag – zurück nach Frankfurt zurückfliegen können. Im Gegensatz zu unserer geplanten Maschine, die gecancelt wurde, geht die Maschine heute noch raus (Lufthansa fliegt täglich einmal von Frankfurt nach Buenos Aires und zurück). Also HEUTE fliegen? Konkreter in 6,5 Stunden? Und das mit immer noch 500km von Buenos Aires entfernt? Eine wirklich lustige, aber unrealistische Idee.

Wir rufen also wieder bei der Lufthansa an, da eine Umbuchung übers Internet nicht möglich ist (alles auf eigene Kosten, die hunderte Euro Gebühr haben wir bis heute nicht zurückerstattet bekommen, ebenso wie die entstandenen Mehrkosten). Mit viel Ach und Krach erklären wir, dass wir die Maschine heute unmöglich erreichen können. Dann will man uns eine Ersatzroute anbieten: Mit einer argentinischen Airline nach Sao Paulo und von dort mit Lufthansa weiter. Da argumentieren wir wiederum, dass wir aus gutem Grund einen Direktflug mit Kind für teuer Geld bei der Lufthansa bezahlt haben und eben auch genau das wollen. Sonst hätten wir direkt für sehr viel weniger Geld einen Flug mit Zwischenstop gebucht. Außerdem streikt die Lufthansa nicht nur in Argentinien, sondern auch in Brasilien, wo wir dann ebenso festsitzen würden. Man vertröstet uns also, wir sollen abwarten. Vielleicht geht ja übermorgen wieder eine Lufthansa-Maschine nach Frankfurt (nur wie, wenn die einzig verfügbare 747-8 heute nach Frankfurt abfliegt und dann erst mal wieder eine aus Frankfurt herkommen muss, die uns nach Hause transportiert…). Klingt kompliziert? Ist es auch.

Wir bleiben noch weitere vier Tage unfreiwillig in Argentinien. Nun gut, unfreiwillig klingt so negativ, wir haben das Beste aus der Situation gemacht. Täglich bekommen wir die Nachricht, dass unser Flug wieder neu eingebucht und direkt danach wieder gecancelt wird. Statt wie geplant am Mittwoch fliegen wir also erst Sonntag zurück nach Deutschland. In dieser Zeit finden wir ein halbwegs günstiges Hotel in Palermo, einem sehr grünen und sehr vegetarischen Stadtteil 🙂 von Buenos Aires. Wir haben traumhaftes Sommerwetter und besuchen unzählige Orte, die wir zu Beginn in unserer Zeit in Buenos Aires nicht gesehen haben. Der etwas profane Satz „Es ist alles für etwas gut“ trifft allemal auf diese etwas kuriose Urlaubsverlängerung zu.

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