Save the whales? Save the planet!

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Setzen wir uns alle genug für die gute Sache ein? Was ist die gute Sache und für wen? Für was macht Ihr Euch stark?

Patenschaft firmm

Während ich hier jetzt seelenruhig mit meinem frisch gebrühtem Kaffee im gut geheizten Büro sitze, versinken verzweifelte Menschen in Idomeni im Schlamm und hoffen auf Grenzöffnung. Sie haben keine Perspektive. Alles, worüber sie sich in ihrem Leben jeweils definiert haben, gibt es nicht mehr. Und nicht nur die Menschen in Idomeni haben ihre Perspektive verloren. Letztens habe ich mit einem Syrer unterhalten, der gemeinsam mit seiner Familie nach Deutschland geflohen ist. Er hatte das große Glück, dass er und seine Familie von einer sehr herzlichen Familie hier in Deutschland aufgenommen wurden, nachdem sie in mehreren Flüchtlingsunterkünften nicht besser wie Vieh gelebt haben. Ein zynischer AFD-Wähler glaubt vielleicht, dass diese Menschen doch nicht mehr erwarten dürfen. Immerhin sind sie nun in Deutschland. Sie glauben, dass sie dankbar sein müssen, hier in entsprechende Aufnahmelager gebracht zu werden. Sie vergessen, dass auch Flüchtlinge Menschen sind, die ebenfalls ein Recht auf ein gutes Leben haben. Und die Situation in den Aufnahmelagern ist nicht auf die Bedürfnisse von Menschen ausgerichtet, sondern auf Schadensbegrenzung und Massenabfertigung. Wenn sie Glück haben, werden sie von freiwilligen Helfen als Individuum betrachtet und vielleicht auf einen Kaffee eingeladen. In diesem Kontext interessieren mich keine Debatten um Obergrenzen und Handelsabkommen, sondern ich stelle mir die Frage, was man JETZT für diese Menschen tun kann? Wo können wir als Einzelpersonen ein Zeichen setzen, dass wir nicht wegschauen?

Dabei geht es ja nicht nur um Flüchtlinge. So viele Dinge auf der Welt laufen einfach fürchterlich schief. Gut, Vieles kann man nicht einfach ändern. Die Menschenrechtslage in vielen Ländern ist zum heulen, El Niño und seine Folgen kann man nicht wegzaubern und das Plastik lässt sich auch nicht von heute auf morgen aus dem Meer fischen. Wo soll man da nur anfangen? Ich glaube, dass man sehr viel im Kleinen tun kann, um Veränderungen zu bewirken. Das fängt erst einmal mit dem Bewusstsein dafür an, dass es diese Missstände gibt, auch wenn wir glauben, dass sie uns nicht direkt betreffen. Wir in Deutschland profitieren sehr davon, in einem Land des scheinbar unerschöpflichen Luxus zu leben, beinahe grenzenlose Freiheit genießen zu dürfen und gleichzeitig alle Vorteile nutzen zu können, wie sie uns gerade passen. Das sind verdammt gute Voraussetzungen für ein gutes Leben. Von daher ist es einfach keine Option, mit Gleichgültigkeit zu reagieren.

Wir als Familie versuchen, sensibel dafür zu bleiben, wo andere von unseren Vorteilen profitieren können. Das kann jeder im Rahmen seiner Möglichkeiten tun. Haben wir die Wahl zwischen Plastik- und Papiertüte? Ja, die haben wir, uns zwar unabhängig vom Einkommen. Können wir eine humane Einstellung gegenüber Menschen haben, die alles verloren haben und unter gefährlichsten Bedingungen vor den Zuständen in ihrem Land flüchten? Ja, das können wir, dazu benötigt man kein Geld, sondern Empathie. Jeder würde es doch genauso machen, wenn er in dieser Situation wäre. Auch die, die jetzt vor lauter Angst vor dem Unbekannten lieber PEGIDA- oder AFD-Anhänger werden, anstatt daran zu denken, was wir für diese Menschen tun können. Aber vielleicht habe ich da auch leicht reden. Ich wünsche mir weder „die gute alte Zeit“ zurück, in der das Leben irgendwie noch kalkulierbar wirkte, noch habe ich Angst vor gesellschaftlichen Veränderungen. Sozialer Wandel hat auch dazu geführt, dass wir eine offene Gesellschaft sind und unser Leben frei gestalten können. Das kann für den einen Privileg, für den anderen Strafe sein. Strafe in dem Sinne, dass diese Offenheit als Assimilationszwang empfunden wird, da man sonst nicht mithalten kann. Oder Strafe, weil der Profit dieser Offenheit auch mit anderen geteilt werden muss und so nie wirklich sicher erscheint. Vielleicht haben viele deswegen so viel Angst vor Flüchtlingen, ich weiß es nicht.

Was ist für uns also „die gute Sache“? Wo fangen wir an? Wo hat „die gute Sache“ auch für uns Grenzen? Die Flüchtlingskrise lässt uns, wie gesagt, nicht kalt. Dabei machen wir uns weniger Sorgen um unser reiches Deutschland sondern viel mehr darum, dass Flüchtlinge stigmatisiert und wie Menschen zweiter Klasse behandelt werden. Hier kann man viel tun, indem man seinen Mund nicht hält, selbst wenn die Stimmung bereits in der Familie oder im eigenen Freundeskreis kippt. Zusätzlich gibt es in fast jedem Ort Organisationen, die sich für Flüchtlinge einsetzen und auf Hilfe angewiesen sind. Dabei ist egal, ob man sich mit Sach-, Geld- oder Zeitspenden engagiert, es gibt immer etwas zu tun. Auch wir machen mit so gut wir können.

Ein weiteres tolles Projekt, über das ich vor Jahren über eine Fernseh-Doku aufmerksam geworden bin, ist die Kinderhilfe Siebenbürgen e.V., welches Kinder aus sozial benachteiligten Familien in Rumänien unterstützt. Diese Kinder leben buchstäblich im Elend, mitten in Europa. Bei der Kinderhilfe Siebenbürgen geht es 24 Stunden am Tag ums Anpacken. Besonders beeindruckt hat mich Jenny Rasche, die die Kinderhilfe vor über zehn Jahren aus eigener Kraft ins Leben gerufen hat. Sie hat diesen Willen aufgebracht, weil sie die Slums in Rumänien selbst gesehen hat. Anstatt die Augen zu verschließen, ist sie von Deutschland nach Rumänien gezogen und arbeitet seither direkt an der Basis. Das erfordert nicht nur enormen Willen, sondern auch Verzichtbereitschaft und eine Menge Nächstenliebe. Ein beeindruckendes Beispiel dafür, wie man bei sich selbst anfängt, um die Welt ein Stückchen besser zu machen.

Was ist mit Umweltthemen? Geht unser Bewusstsein über die Nutzung von Papiertüten hinaus? Zumindest versuchen wir es. Beispielsweise hat unser Auto einfach den praktischen Nutzen, dass Julian damit zur Arbeit und zurück fahren kann. Den Rest erledigen wir mit dem Fahrrad. Auf der anderen Seite sind wir jedoch begeisterte „Reiseflieger“. Somit ist unsere Öko-Bilanz ziemlich mies. Auf das Flugzeug verzichten fällt uns jedoch richtig, richtig schwer. Zumal Alejandra im Moment nur einen Berufswunsch hat: Pilotin werden. Aus genderspezifischen Gründen finde ich das noch mehr unterstützenswert. Wir versuchen, es an anderen Stellen besser zu machen. Beispielsweise gibt es in unserem Haushalt kein Fleisch. Auch auf tierische Produkte verzichten wir weitestgehend. Das ist im Alltag nicht immer leicht, da das Leben außerhalb unserer 4-Wände kaum darauf ausgerichtet ist. Aber auch hier denke ich, Fang einfach bei Dir selbst an.

Auch unser Aufenthalt in Tarifa im Sommer 2015 hat uns noch mehr für die Bedrohung der Wale und Delfine durch Umweltverschmutzung und Überfischung sensibilisiert. Seither unterstützen wir die Organisation „firmm„, indem wir eine Walpatenschaft übernommen haben. „Firmm“ redet nicht nur darüber, etwas für die Meeressäuger zu tun, sondern sie TUN es auch tatsächlich 365 Tage im Jahr. Ähnlich wie Jenny Rasche in Rumänien hat die Firmengründerin Katharina Heyer ihr Leben den Walen und Delfinen in der Straße von Gibraltar gewidmet. Wir finden so ein Engagement einfach wahnsinnig beeindruckend.

Es gibt noch so viel, was man selbst tun kann. Irgendwo kann man immer beginnen! Was sind Eure Themen, die Euch wichtig sind?

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