Ein halber Mama-Tochter-Trip nach Riga

Gepostet am Aktualisiert am

Alejandra auf dem Weg nach RigaAlejandra ist mittlerweile ein routinierter Traveller. Rucksack packen, zum Flughafen fahren, Baggage-Drop-Off, Check-In, Ready for take off und das Ganze wieder rückwärts kann ich locker mit ihr gemeinsam organisieren. Vor dem Abflug chattet sie dann noch mal gemütlich mit ihrem Papa:“ Wir gehen gleich zum Gate“ und freut sich wie eine Schneekönigin aufs Fliegen. Alleine mit ihr zu Reisen ist für mich also kein Stress, sondern ein Mama-Tochter-Abenteuer. Alejandra und ich verreisen nicht das erste Mal als Duo. Unsere erste gemeinsame Reise unternahmen wir im Sommer 2014 nach Singapur und Australien. Das hat mir so gut gefallen, dass ich das unbedingt wieder machen wollte. Als ich hörte, dass eine Freundin von mir zum Medizinstudium nach Lettland gegangen ist, war die Entscheidung schnell gefallen.

Dabei ist das Baltikum für mich kein Ort, nach dem ich mich bisher gesehnt habe. Wenn ich nach Reisezielen recherchiere, dann muss mindestens irgendwo ein Wal rumschwimmen. Es ist also kein Zufall, dass wir uns meistens am Meer aufhalten. Und oft geht das ja auch in Kombination mit einer tollen Stadt wie beispielsweise Sydney oder Auckland. Und auch in Europa kann man Walbeobachtung mit einem Sightseeing verbinden, so wie wir es auch schon auf Island oder in Italien gemacht haben. Doch um Lettland findet man leider keine Wale. Zeit, seinen Horizont etwas zu erweitern.

Meine Freundin Katharina wohnt und studiert – so wie die meisten Letten – in der Hauptstadt Riga. Wir suchen uns ein Hostel ganz in der Nähe ihrer Studenten-WG, mitten im Herzen der Stadt. Es ist spartanisch, aber doch irgendwie gemütlich – so wie alle und alles in Lettland. Der Besitzer ist Australier und herrlich unkompliziert. Man merkt, dass er das Hostel-Life aus Australien kennt. Stil und Struktur erinnern mich an unzählige Hostel-Aufenthalte in Down Under. Mit dem kleinen Unterschied, dass sich dieses Hostel im Dachgeschoss eines Hauses mit Geschichte befindet. Was in Riga generell auffällt: Alles ist alt! Die Straßen sind mit Kopfsteinpflastern übersät, die Gebäude sind noch Architektur (keines sieht wirklich gleich aus), Die Wohnungen sind schief, schepp und riesig und haben Decken bis zum Himmel und die Konstruktionen der Treppenhäuser sind sowieso reif für ein gesellschaftshistorisches Museum. Für den verwöhnten Mitteleuropäer wirkt es erst einmal wie eine vergessene Welt. Auf den zweiten Blick ist es jedoch unglaublich modern. Das Neue ist hier nicht auf Alt gemacht, sondern das Alte wirkt fast schon liebevoll restauriert. Plötzlich bemerkt man, dass die Stadt voller junger, kreativer Menschen ist. Oder dass an jeder Ecke ein individueller Café-Laden wartet. Oder ein veganes-vegetarisches-alternatives-Happi-Happi-Restaurant, indem zusätzlich noch Fairtrade-Produkte verkauft werden.

Mit Katharina tauchen wir direkt in den Riga-Lifestyle ein. Der Grund, warum Riga immer beliebter wird, liegt sicherlich auch an den vielen ausländischen Studenten. Nicht wenige sind deutsche „Bildungsflüchtlinge“, die hier das gewünschte Medizinstudium aufnehmen können. Ebenso wie Ungarn bietet Lettland dafür eine Alternative, denn in Deutschland ist vielen Abiturienten ein Medizinstudium aufgrund des hohen NC’s nicht möglich. Wer das nötige Kleingeld zusammenkratzen kann, der schreibt sich an der Stradiņš-Universität Riga ein. Auch hier führt uns Katharina herum. Besonders beeindruckend ist die bewachte Garderobe (ich fühle mich fast wie am Eingang eines Staatstheaters), ein riesiges Spielzimmer für Kinder und der Steinbrunnen im Foyer. Ich denke, man kann unter schlechteren Bedingungen studieren.

Alejandra in der Stradiņš-Universität Riga, Lettland 2015

Nach ein paar Tagen in Riga reizt uns jedoch auch das lettische Umland. Katharina fährt mit uns im Zug nach Jurmala. Die Fahrt dauert ca. eine Stunde und führt an Kiefernwäldern und vielen halb verfallenen Häusern vorbei. Riga, so scheint es, ist das pulsierende Herz eines weitem und großen NICHTS. Erst in Jurmala entdeckt man wieder etwas Leben. Es ist wegen der Nebensaison zwar nicht viel los, aber man spürt förmlich, dass es hier im Hochsommer von Menschenmassen nur so wimmeln muss. Überall gibt es Strandartikellädchen, kleine Cafés und Hotels. Wir wollen jedoch einfach nur ans Meer und finden nach ein paar Gehminuten einen herrlichen, einsamen Strand vor. Es ist so schön hier, dass wir uns am liebsten in den Sand vergraben und einfach nur dösen wollen. Leider ist es zu kalt und zu windig, um lange auf einem Fleck zu stehen.

Wir bleiben nur eine knappe Woche in Lettland. Doch schon nach drei Tagen Aufenthalt scheint uns Julian so zu vermissen, dass er spontan nach Riga reist und wir die restliche Zeit gemeinsam dort verbringen. Wir nutzen das und unternehmen einen richtig schönen Familienausflug in den Rīgas Zooloģiskais Dārzs. Doch Julians Anwesenheit verführt mich auch zu einem fatalen Gedanken: YEAH! BABYSITTER! Und so kommt es, dass Katharina mich zum Abschluss mit ins lettische Nachtleben nimmt. Und ich sage euch…das war einer der übelsten Abstürze meines Lebens. Für den Letten ist der Shot ein normales 200ml-Trinklgas, in das er erbarmungslos Gin reinfüllt. Und plötzlich liegt man nicht wie geplant um spätestens 2 Uhr morgens im Bett, weil am nächsten Tag der Flieger nach Hause geht…sondern kann gleich mit dem Kind „aufstehen“.

Also liebe interessiere Familien: Reist nach Riga! Es ist eine tolle Stadt! Genießt den Kaffee und die vegane Gemüselasagne. Doch geht in den Altbau, sobald es dunkel wird. Lasst Mama oder Papa nicht raus. Dann lohnt sich so ein Trip WIRKLICH!

 

2 Kommentare zu „Ein halber Mama-Tochter-Trip nach Riga

    Hartmut sagte:
    Februar 4, 2016 um 8:44 pm

    Na, aber hallo! Ihr seid wieder online! Hätte ich ja fast verpasst! Freut mich natürlich sehr!
    Sehr schöner Bericht über RIGA und tolle Bilder… scheint sich mächtig was verändert zu haben, als ich Anfang der 90er Jahre da war, damals zeitgleich mit Papst (ok, war nicht geplant)!

    Freue mich schon auf weitere Berichte der Bauers!
    LG
    Hartmut

Hinterlasse uns ein Kommentar!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s