Ein Geschwister-Trip durch Australien

Gepostet am Aktualisiert am

DSC_0170Nachdem Anna, Alejandra und ich mittlerweile im tropischen Norden Australiens angekommen sind, holen wir unseren Bruder Jan in Cairns vom Flughafen ab. Von nun an werden wir zu viert reisen.
Ich weiß, ich weiß…der letzte Eintrag ist verdammt lang her. Nun  habe ich die Möglichkeit, unseren Geschwister-Trip mit Alejandra zu Ende zu erzählen – oder es einfach zu lassen. Ich entscheide mich lieber für erstere Variante. Zumal ich Lust habe, den Blog weiterzuführen. Abgesehen von unserer Reise nach Australien sind 2015 noch einige weitere Reisen dazu gekommen, die für Familien mit kleinen Kids sicher interessant sein werden.

Doch zurück zu unserem Geschwister-Trip: Nie im Leben hätte ich gedacht, dass Anna, Jan und ich mal gemeinsam durch Australien reisen würden. Nicht, weil wir uns das grundsätzlich nicht hätten vorstellen konnten. Doch je älter man wird, desto schwieriger ist es, mehrere Lebensstile und -rhythmen unter einen Hut zu bringen. Ganz zu schweigen von der Tatsache, dass wir diesen Trip nicht alleine unternehmen, sondern mit einem 3-Jährigen Kind.

Wir planen einen Road-Trip von Cairns nach Sydney in 2,5 Wochen. Das sind knapp 2500km. Dazwischen markieren wir uns allerlei Highlights. Dazu gehören natürlich der Daintree Rainforest südlich von Cairns und ein Besuch am Great Barrier Reef. Natürlich wollen wir auch an den Whitsundays schnorcheln, Buckelwale in Hervey Bay beobachten und die Goldküste besuchen. Kann das funktionieren? Und alles mit Kleindkind? Eine kleine Zusammenfassung:

  1. Etappe: Cairns und Daintree Rainforest 

Cairns ist für unseren Geschwister-Trip der perfekte Start: Weder Jan noch Anna sind bisher hier gewesen. Außerdem ist es Juni und der australische Winter ist selbst hier im Norden zu spüren. Dennoch ist mit 23°C wärmer als in Sydney oder Melbourne. Und zu guter Letzt sind wir ja nun mit einem Mietwagen unterwegs und die Strecke zwischen Cainrs und Sydney ist für einen Anfänger-Roadtrip durch Australien nahezu ideal: Abgesehen von ein paar Schlaglöchern durch die Regenzeit in Queensland fährt es sich schnurgerade hoch oder runter.

Was tun wir also zuerst? Ausgehend von meinem letzten Besuch, als Alejandra zarte 8 Monate alt war, erinnere ich mich besonders gern an die kostenlose „Lagoon“ an der Cairns Esplanade. Dort gibt es neben einem sauberen, kindgerechten Pool auch noch Eiscreme (wichtig, immer!) und Umkleidekabinen. Hier verbringen wir den ersten Tag mit Jan, um ihm Erholung vom Jetlag zu gewährleisten. Denn im Gegensatz zu uns ist er die Strecke Frankfurt-Singapur-Sydney-Cairns in einem Rutsch durchgeflogen. Travel hard! Wer zu Beginn also nicht viel Action will, für den ist die Lagoon also genau das Richtige. Nur Vorsicht: Wer hungrig wird, sollte sich entweder selbst etwas zubereiten (überall gibt es Grillmöglichkeiten) oder mit dem Essen warten. Die Restaurants rund um die Esplanade sind teuer – und keinen Cent davon wert.

Am Folgetag zeigen Alejandra und ich meinen Geschwistern den Daintree Rainforest. Mit unserem Mietwagen fahren wir den Captain Cook Highway Richtung Norden ans Cape Tribulation. Pro Strecke muss man 140km sowie eine kostenpflichtige Fährfahrt einkalkulieren. Ratsam ist es, in Port Douglas oder Mossman noch mal zu tanken, bevor man den tiefen Regenwald erreicht. Und natürlich sollte man genügend Wasservorräte einpacken – man weiß ja nie. Für diese atemberaubend schöne Strecke ist ein ganzer Tag eigentlich zu wenig Zeit. Wer etwas mehr rausschlagen kann, sollte die einsamen YHA’s in der Umgebung testen (und Huntsman Spiders mit einkalkulieren). Und natürlich die Wettervorhersage beachten. Postkartenbilder kriegt man hier nur mit blauem Himmel und Sonnenschein. Für Kinder sind eher die Tiere interessant. Neben verschiedenen bunten Schmetterlingsarten können Koalas, Wallabees, Cassowarys (die einem in der Abenddämmerung gern mal vors Auto laufen), Krokodile und groooße Spinnen (checkt beim Toilettengang die Umgebung…egal wo ihr euer Geschäft verrichtet) beobachtet werden.

2. Etappe Great Barrier Reef mal anders

Ganz ehrlich: Das Great Barrier Reef muss man gesehen haben, das ist klar. Doch ein Besuch an diesem magischen Ort hat letztendlich nicht mehr viel mit Mystik zu tun, sondern mit ausgedehntem Massentourismus. Und wenn man diesem entgehen will, muss man tief in die Tasche greifen. Nun will ich nicht sagen, dass es uns finanziell schlecht geht, aber einen Dukatenesel hat trotzdem keiner von uns im Keller. Und so bleibt uns eigentlich nur die Variante, ab Port Douglas mit einem dicken Kahn zu einem Schnorchelpunkt ans äußere Riff zu fahren und zwischen Trubel und Gewusel Great-Barrier-Feeling zu erzeugen. Oder… in Kindheitserinnerungen zu kramen, um eine Alternative zu finden.

Meine Lieblingsserie aus Kindertagen heißt „Ocean Girl“. Der ein oder andere wird sie in den Neunziger Jahren selbst im Kinderkanal oder auf ZDF gesehen haben. „Ocean Girl“ wurde genau hier gedreht, in Port Douglas, in Mossman, am Cape Tribulation und natürlich auch am Great Barrier Reef. Schon als ich das erste Mal vor zwei Jahren mit Julian und Alejandra hier war, habe ich alle Drehorte der Serie abgeklappert. Na ja, alle, die ich bis dahin kannte…Die Insel des Ocean Girls‘ Neri (wer kennt sie noch) habe ich damals nicht gefunden. Mit etwas Unterstützung von „Google“ recherchiere ich dieses Mal genauer. Ich finde raus, dass die Insel Teil der Frankland Island-Group ist und „High Island“ heißt. Die Frankland Islands liegen südlich von Cairns am äußersten Rand des Great Barrier Reefs. Und es gibt tatsächlich ein kleines Unternehmen, das eine kleine Gruppe von 40-50 Touristen (das ist vergleichsweise echt wenig) zu einem erschwinglichen Preis von 159AUS für einen Tagestrip dorthin bringt. Wir buchen und werden nicht enttäuscht. Robins Crusoe-Gefühl garantiert. In den Wintermonaten kann man auf der Fahrt zur Insel sogar Buckelwale beobachten – natürlich im Preis inklusive 😉

3. Etappe: Schnorcheln in den Whitsundays

Auf dem Weg zwischen Cairns und Sydney darf man natürlich auch einen Segeltrip zu den Whitsunday Islands nicht auslassen. Hier trifft man zwar selten Familien (oder Geschwister) mit Kleinkind, da Backpacker das Hauptklientel darstellen. Trotzdem sollte man sich nicht davon abhalten lassen. Wir haben einen Tagestrip mit Camira Sailing Adventures gebucht. Diese Tour hat genau unseren Bedürfnissen entsprochen: Ein mittelgroßer Katamaran mit Innenkabine (zum ausruhen für Alejandra, umziehen und aufwärmen), einem Schnorchelstop zwischen den Inseln, einem Besuch des Whitehaven Beach und einfach segeln, segeln, segeln. Kleiner Tipp für Australien-Winterreisende (so wie wir): Warme Sachen mitnehmen. Wenn die Sonne sich hinter queensländischen Wolken versteckt, kann es auf See ganz schön kalt werden.

4. Etappe: Buckelwale beobachten in Hervey Bay

Für passionierte Wal- und Delfinbeobachter gibt es einige heiße Spotterpoints, verteilt auf der ganzen Welt. Einer davon ist Hervey Bay. Wenn hier in den Wintermonaten die Buckelwale vorbeiziehen, dann muss man das gesehen haben. Obwohl es bereits der fünfte Besuch in Australien für mich ist, war ich doch immer in der falschen Saison hier. Ich hätte eigentlich wissen sollen, dass es obligatorisch ist, einen Walbeobachtungstrip zur Hauptsaison vorzubuchen. Nur mit etwas Glück ergattern wir kurzfristig 3,5 Plätze auf einem mittelgroßen Boot der Company „Whale Song Cruises„. Erst bin ich etwas enttäuscht, dass wir aufgrund der Kurzfristigkeit keine Tour mehr mit einem kleinen Boot buchen konnten. Doch gerade mit einem Kleinkind erweist sich die Entscheidung als richtig. Es gibt einen kleinen Innenbereich mit Toilette (ich unterschätze das mit Alejandra immer wieder), eine liebevolle und persönliche Crew, die sogar ein paar Snacks verteilt und 360°C-Platz zum herumlaufen.

Whale Song Cruises fährt wie die meisten in Hervey Bay in die Umgebung von Fraser Island und bleibt ca. 4 Stunden auf See. In der Walsaison zwischen Juni-August ist es überhaupt kein Problem, die Riesen in ihrer vollen Schönheit zu finden und zu beobachten. Ich erlebe sogar ein Extra-Highlight, wofür mich mein Bruder heute noch beneidet: Während einem verträumten Blick auf den Ozean, bei herrlichem Wetter und Sonnenschein, sehe ich während der Fahrt plötzlich einen Tigerhai unter der Wasseroberfläche. Ich habe noch nie einen zuvor gesehen, aber ich weiß sofort, dass es ein Tigerhai ist. Mein Bruder, ein großer Hai-Fan, ärgert sich rabenschwarz. Da können die atemberaubenden Buckelwale, die wir später sehen, fast nicht drüber hinwegtrösten. Doch seht selbst:

5. Etappe: Auf den Spuren des Crocodile Hunter

Ein Besuch des „Australia Zoo„, ein Projekt des verstorbenen Crocodile Hunter Steve Irwin, ist mit Kleinkindern auf der Strecke zwischen Sydney und Cairns ein Muss. Auf den ersten Blick scheint der Eintritt von ca. 60AUS ziemlich überteuert. Anna ist nicht bereit, diesen Preis von ihrem bescheidenen Backpacker-Gehalt zu bezahlen. Alejandra, Jan und ich machen uns jedoch einen schönen Tag auf dem riesigen, wirklich riiiiiesigen Gelände. Natürlich spürt man hier einen Hauch von Vergnügungspark, aber man muss sagen, dass die Tiere hier gut gehalten werden. Um einen Zoo dieser Größe zu erhalten, ist ein Preis von 60AUS fast schon lächerlich. Es gibt eine große Show-Arena, die für die Interaktion mit Krokodilen, Alligatoren und Vögeln genutzt werden. Ich muss sagen, dass mir schon der Atem gestockt ist, als die mutige Tierpflegerin mit dem Alligator ins Wasser geht. Des Weiteren gibt es neben vielen Tierarten die Möglichkeit, in Berührung mit Schlangen, Koalas und Kamelen zu kommen. Insbesondere für Kinder ist das ein fantastisches Erlebnis. Als Alejandra beispielsweise einen Koala auf den Arm nehmen darf, habe ich danach das überwältigste Kind ever!

7. Etappe: Koala-Krankenhaus in Port Macquarie

Wir bewegen uns immer weiter auf Sydney zu. Zur Verschnaufpause verbringen wir 2 Nächte in Port Macquarie. Der kleine verschlafene Ort ist vor allem landschaftlich sehr schön – und bekannt für sein Koala-Krankenhaus. Die Einrichtung ist sehr schön gemacht. Man erfährt viel über die Tiere und deren Verletzungsumstände. Allerdings ist das Gelände sehr klein. Für einen Besuch muss man nicht mehr als 20 min. einplanen. Was man dann noch in Port Macquarie tun kann? Ans Meer fahren. Am Strand sieht man mit hoher Wahrscheinlichkeit Delfine im Wasser spielen.

8. Etappe: Hai-Tauchen in Sydney 

Auf unserer letzten Etappe in Sydney passiert uns ein riesen Mist. Unsere Buchung eines günstigen 4-Bett-Zimmers in einem Hostel ist so richtig schief gelaufen. Außerdem ist Wochenende und eine große Sportveranstaltung in der Stadt. Wo also so schnell ein halbwegs bezahlbares Zimmer herbekommen? Wir klopfen an jeder Tür, doch alle gucken uns nur bemitleidend an. In einem Hotel ist eine besonders liebe Rezeptionistin. Sie will uns unbedingt helfen und telefoniert mit den Parnter-Hotels. Irgendwie kommt sie mir bekannt vor…und ja, genau DIESE FRAU war 2010 als Rezeptionistin im Hotel „Leisure Inn“, als Julian und ich, damals noch kinderlos, Australien besucht haben. Wie klein die Welt doch ist! Ich sage ihr das direkt und sie freut sich, dass ich sie wiedererkannt habe. Glücklicherweise hat sie auch noch eine gute Nachricht für uns. In einem der Parnter-Hotels ist tatsächlich noch ein Zimmer für uns frei und wir können dort hin. Billig wird es nicht, aber das ist uns in diesem Moment egal. Wir haben 2500km Fahrt hinter uns und sind müde…

…außer Jan! Der hat noch eine Mission. Wer in Australien ist, der muss auch mit Haien tauchen. Nun eignet sich die Ostküste nicht optimal für dieses Vorhaben, es sei denn, man ist ein mutiger Surfer. Spezielles Hai-Tauchen wird nur im Süden angeboten. Da wir da so schnell nicht hinkommen, bleibt nur noch eine Möglichkeit: Das Manly Sea Life Sanctuary. Dort kann man (für aaaaarsch viel Kohle) mit Sandtigerhaien im Aquarium tauchen. Und was macht unser verrückter Bruder einen Tag vor unserem Abflug? Ausgerüstet mit Taucheranzug und Sauerstoffflasche den Kopf unter Wasser stecken…ich sag nur, crazy!!!

…und dann geht es final nach Hause. Nun kann ich es mir auch nicht mehr vormachen. Unsere Weltreise 2013/14 ist definitiv vorbei:'(

The End
The End

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