Up-Great!

Gepostet am Aktualisiert am

Mango Lagoon Resort, Palm Cove, Australien 2014

Wer gerne und viel durch die Welt tingelt, die Familiengründung jedoch mit dem Argument aufschiebt, dass sich es mit Kind und Kegel nicht mehr spontan und flexibel reisen lässt, den haben wir hier hoffentlich schon vom Gegenteil überzeugt. Noch besser: Mit Kind im Reise-Team kommt man sehr oft in den Genuss von Sonderbehandlungen, die einem sonst vergönnt gewesen wären. Ich sag nur Upgrades…

Unsere Reise geht weiter nach Cairns. Genauer gesagt nach Palm Cove, einem ziemlich schicken Ferienort, knapp 30 km von Cairns entfernt. Das wir hier gelandet sind, ist dem Zufall geschuldet. Wir wollten nicht direkt nach Cairns, sondern in einen der vielen kleinen Orte weiter nördlich. Favorisiert hatten wir die YHA in Port Douglas oder die YHA am Cape Tribulation. Doch in beiden Hostels war so kurzfristig nicht möglich, mit einem kleinen Kind (Familien- oder Doppelzimmer ausgebucht) unterzukommen. Bei unserer weiteren Recherche ist uns aufgefallen, dass die Preise für eine Unterkunft rund um Cairns im Moment lächerlich niedrig sind. Durch die Nebensaison sind die Übernachtungspreise stark reduziert. So finden wir das Mango Lagoon Resort in Palm Cove, indem wir für ein paar Tage ein richtig schönes Doppelzimmer buchen. Ein bisschen Erholung und Feriengefühl brauchen wir jetzt, da wir uns alle in Sydney eine dicke Grippe eingefangen haben. Fieber, Heiserkeit, Schnupfen, das ganze Paket.

Bei unserer Ankunft staunen wir nicht schlecht! Eine ganz schön noble Anlage hier. Eine Eingangshalle aus Marmor, weißen Säulen und allem drum und dran. Hier soll dem Gast suggeriert werden: Fühl Dich besonders, fühl Dich luxuriös, hier darfst Du KönigIn sein! Der Kontrast zwischen der Zielgruppe und uns könnte nicht größer sein. Verschwitzt und kränkelnd spuckt uns der Bus, den wir kurz zuvor am Airport bestiegen haben, vor dem Hotel aus. Wir müffeln nach einem turbulenten Flug mit ordentlich Verspätung und sind etwas käsig um die Nase. Alejandra fiebert noch leicht, Anna schnieft alle paar Minuten und hat mit dem Kreislauf zu kämpfen, ich kriege kaum einen anständigen Ton heraus. Dazu transportieren wir unser Gepäck auch nicht in Samsonite-Taschen, sondern in vergleichsweise schmuddeligen Backpacks. Die obligatorische Kühltasche (jeder Rucksackreisende kennt das…) macht den Gesamteindruck wohl auch nicht besser. Ich bin mir jedenfalls sicher, dass die uns hier gar nicht erst reinlassen werden.

Doch die Erfahrung hätte mich optimistisch stimmen sollen. Schließlich haben wir ein kleines Kind in unserer Reisegruppe, welches mit einem Lächeln und einem charmanten „Helloooo…“ noch fast jedes Herz zum schmelzen gebracht hat. Das läuft dann meistens so ab: „Oh, who are you, sweetie? What’s your name? What? Ahhhh, Alejandra. What a beautiful name for such a little girl!“ Smile, smile, smile. „And you are from Germany? That’s a long journey! How is travelling with a child? Really, you’ve been around the world with her? That’s awesome!“ Noch mehr smile. Und dann die Frage alle Fragen: „Are you interested in a free upgrade? It’s low season and we have a lot of space…“. Natürlich sagen wir da nicht nein.

Upgrades bedeuten in der Regel ein Zimmer mit eigenem Bad und Kühlschrank, und oft viel mehr Stauraum und manchmal sogar noch ein extra Bett. Mit einem kleinen Kind darf man schon mal darauf spekulieren. Man ist eben nicht mehr nur der gesichtslose Gast mit der Kreditkarte, sondern auch Mutter, Vater oder eben, wie bei uns, Mutter und Tante. Gerade die kinderfreundlichen Australier sind da sehr großzügig, wie schon bei unserer letzten Unterkunft in der YHA in Collaroy, in der wir das Familienzimmer statt des Doppelzimmers für denselben Preis bekommen haben. Da das Langzeit-Reisen ohnehin schon von schmalem Budget bestimmt wird, freuen wir uns immer wie die Schneekönige, wenn uns ab und an dieser Luxus zu Teil wird.

Kennt ihr die Formel aus der Glücksforschung: „Glück = Realität – Erwartung“? Wenn etwas besser passiert als erwartet, empfindet man ein außerordentliches Glücksgefühl. Wenn etwas unter den Erwartungen liegt, ist man enttäuscht. Okay, so ein bisschen haben wir insgeheim schon auf ein Upgrade gehofft. Doch da wir uns mit dem Mango Lagoon Resort ohnehin schon eine, für unsere Verhältnisse, edle Unterkunft ausgesucht haben, lag die Erwartungshaltung auch nicht höher. Wir wussten schließlich, dass wir ein sehr gemütliches Zimmer bekommen werden. Doch was uns die freundliche Rezeptionistin dann anbietet, haut uns – milde gesagt – aus den Flip Flops.

Sie führt uns nicht zu einem größeren Zimmer mit einem extra Bett und Kühlschrank. Nein, sie zeigt uns ein riesiges 2-Zimmer-Appartement. Mit eigener Küche und einem Kühlschrank, der fast so groß ist wie Anna und ich – und wir sind ziemlich groß. Kein Essen, das wir aus Platzgründen rationieren und beschriften müssen. Genug Pfannen und Töpfe, um einfach mal richtig ausgiebig zu kochen. Ein sauberer Spülschwamm und einen Toaster. Ein Bad mit Badewanne, einer Waschmaschine und sogar einem Trockner! Jeder weiß, dass saubere Wäsche auf Reisen absolute Mangelware ist. Und wenn man doch mal für 4-5$ pro Waschladung waschen kann, robbt einem garantiert irgendein Backpacker die saubere Wäsche aus der Maschine, noch bevor man es schafft, sie selbst rechtzeitig rauszuholen, und schmeißt sie einfach in irgendeine Ecke. Haha, das kann uns hier nicht passieren. Das sind eben die kleinen bzw. großen Freuden auf Reisen, die man zu schätzen lernt. Und was wir noch begriffen haben: Zwischen Upgrade und Up-Great gibt es noch mal einen riesigen Unterschied. Ihr könnt Euch wahrscheinlich vorstellen, wie verdammt gemütlich wir es uns in diesem kleinen Universum gemacht haben 🙂

Ein Kommentar zu „Up-Great!

    Nina sagte:
    Februar 5, 2015 um 7:26 am

    Glückwunsch zum Glücksgriff. Ihr habt ganz recht…
    Wir waren 2006 auch in der Ecke, allerdings tatsächlich in Cape Tribulation und haben spontan um 2 Nächte verlängert, weil es so herrlich relaxt war. Der Megastrand für uns alleine, täglich wechselnde Aussteiger in der Hostel-Küche und der coolste Schnorchel-Ausflug ever. Let’s go to the reef, man…

Hinterlasse uns ein Kommentar!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s