Couchsurfen, oder: Eine große Portion Herz!

Gepostet am Aktualisiert am

Couchsurfing in Singapur Unsere Tage in Singapur neigen sich dem Ende zu. Höchste Zeit, ein Resümee zu ziehen. Nicht über die Stadt oder was wir erlebt haben, sondern was es heißt, bei einer Familie dort zu couchsurfen!

Bevor ich mit Alejandra das Abenteuer „Mama-und-Tochter-allein-um-die-halbe-Welt“ gestartet habe, hörte ich immer wieder die Frage:“ Und wo werdet ihr übernachten? Waaas? Bei irgendwelchen Menschen, die ihr kaum kennt?“ Wenn ich dann vom Couchsurfing-Netzwerk erzählt habe, kam spätestens nach einem halben Tag eine WhatsApp-Nachricht mit angehängtem Link, der zu irgendeinem Bericht über die Gefahren des Couchsurfens führte. Was soll ich dazu sagen? Die Entscheidung, bei Yeng Leng und ihrer Familie in Singapur zu wohnen, hätten wir nicht besser treffen können.

Stellt Euch vor, Ihr kommt auf einem fremden Kontinent, in einer fremden Stadt an, seid müde nach einem langen Flug, habt ein noch müderes Kleinkind an der Hand, gerade eine ellenlange Passkontrolle hinter Euch und seid dazu noch überladen mit allen möglichen Gepäckstücken. Ihr kennt niemanden, außer den netten Sitznachbar aus dem Flugzeug, der Euch erst mal aus reiner Nächstenliebe mit dem Taxi zu Eurer Bleibe bringt. Auch diese kennt Ihr nicht, denn Ihr habt keine Unterkunft über booking.com gebucht, in der User Sauberkeit und Service bewerten können. Ihr habt auch nie irgendwelche Fotos gesehen. Alles, was Ihr habt ist eine E-Mail mit den Kontaktdaten Eurer Gastfamilie, die Ihr über das Couchsurfing-Netzwerk kennengelernt habt. Besser gesagt über Facebook, wo es eine eigene Gruppe für Familien gibt, die Couchsurfing anbieten oder couchsurfen wollen. Was Ihr noch habt: Vertrauen, dass man hier keine bösen Überraschungen erleben wird, wie in dem WhatsApp-Link behauptet. Und: Keine Lust, in einer anonymen Stadt auch noch in einem anonymen Hotel schlafen zu müssen.

Wer auf all die Hotel-Annehmlichkeiten verzichten kann, bekommt dafür eine große Portion Herz. Sprachbarrieren, beispielsweise mit Oma Leng, die kaum Englisch spricht, sind dabei leicht zu überwinden. Ein Lächeln suggeriert mir, dass wir willkommen sind. Die ordentlich ausgebreiteten Futons zeigen mir, dass wir schon erwartet wurden. Sogar wir alle drei. „Where is your husband?“ fragt mich Yeng Leng, als sie uns begrüßt. Sie kann sich nicht vorstellen, dass wir nur zu zweit reisen. Auch wenn ich dies deutlich in meiner E-Mail geschrieben habe. Tja ja, Sprachbarrieren. Doch das sorgt nur im ersten Moment für Verwirrung. Im nächsten Moment steht schon das Essen auf dem Tisch, das Oma Leng für uns zubereitet hat. Klassisch malaysische Gerichte. Yummy!

He Xu, der achtjährige Sohn von Yeng Leng, und Alejandra sind direkt das, was man umgangssprachlich als „ein Kopp und ein Arsch“ bezeichnen könnte. Sprachbarriere auch hier kein Problem. Alejandra ist schnell wieder im Englischsprechen drin und lernt von He Xu viele neue Wörter. „She’s insane!“ ruft er, als Alejandra einen ihrer hyperaktiven Renn-Sing-overexcited-Schübe bekommt und fröhlich durch die Wohnung hopst. „Mama, was ist ‚insane‚?“ – „Es bedeutet, dass Du verrückten Quatsch machst!“ Das findet sie lustig. „Noooo, He Xu is insane!“ Und hopst weiter.

Hopsende Kinder gibt es hier viele. Gegen Abend, wenn es kühler wird, treffen wir uns mit ihnen auf dem Spielplatz. Wir wohnen in einem Hochhaus in einer eher kargen Trabantenstadt. Große Familien leben hier in mehreren Generationen in kleinen Wohnungen zusammen. Privatsphäre ist hier nicht mit der deutschen Definition von Privatsphäre zu vergleichen. Kinder haben kein eigenes Zimmer, Familien schlafen gemeinsam in einem Raum auf Futons. Das Leben spielt sich in Gemeinschaftsräumen ab. Tagsüber hat hier jeder seine Tür offen und je nach kultureller Herkunft (man kann das Zusammenleben wirklich als multikulturell bezeichnen) ist alles unterschiedlich eingerichtet. Zwischendurch klopfen auch immer wieder Nachbarn an und bieten indische, marokkanische, malaysische Speisen an. Oder laden uns ein, ihre Haustiere zu bestaunen. Schildkröten sind hier keine Seltenheit.
Abends treffen sich die Muslime in einem Muezzin zum Fasten-brechen, welches genau unter unserem Fenster liegt und singen uns mit ihren Gebeten in den Schlaf (falls die hohen Temperaturen es zulassen).

Wir haben in unserer Zeit in Singapur nicht die Chance, uns wirklich fremd zu fühlen. Im Gegenteil: Bald schon habe ich den Eindruck, schon immer hier gewesen zu sein. Yeng Lengs Familie integriert uns sehr schnell in ihren Alltag. Wann wollt ihr frühstücken? Seid ihr gegen sieben Uhr zuhause, da gibt es Abendessen! Wollt ihr heute Nacht Fußball gucken (WM…), der Fernseher gehört Euch!
Und spätestens ab dem Zeitpunkt, als He Xu mit Alejandra und mir das erste Mal ohne seine Eltern loszieht, weiß ich: Das hier ist mehr als couchsurfen. Wir sind Freunde geworden.

Der Abschied aus Singapur fällt uns dementsprechend schwer! Gerne hätten wir noch mehr Zeit mit Yeng Leng und ihrer Familie verbracht. Ein Grund mehr, beim nächsten Mal wieder bei Ihnen vorbeizuschauen. Oder sie nach Deutschland einzuladen.

Doch nun – once again – wartet Australien auf uns! Und stellt Euch vor, was am Abend unseres Abflugs passiert ist? Es hat, nach einer langen Hitzewelle, angefangen zu regnen!!!

2 Kommentare zu „Couchsurfen, oder: Eine große Portion Herz!

    Katharina sagte:
    November 12, 2014 um 9:53 am

    Wie finde ich denn die Facebook-Gruppe für’s FAMILIEN-Couchsurfing? Viele Grüße

      Familie Bauer auf Weltreise geantwortet:
      November 12, 2014 um 11:19 am

      Hi Katharina,

      gib in Deinem FB-Account in Deiner Leiste „CouchSurfing Family Welcome Group“ ein. Ist eine geschlossene Gruppe, Du musst Dich also vom Admin freischalten lassen. Das geht jedoch problemlos 😉 Viel Spaß und liebe Grüße, Sarah

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