Kreislaufkollaps meets Soccer Fever

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IMG_0663Unser Aufenthalt in Singapur überschneidet sich mit dem Endspiel der Fußball Weltmeisterschaft 2014. Ein bisschen wehmütig ist mir schon zumute: Da spielt Deutschland nach langer Zeit mal wieder in einem Finale und wir sind nicht in der Heimat, um die Stimmung mitzuerleben, die an diesem Tag sicherlich bombastisch gewesen sein muss. Nichts desto trotz verfolgt uns das (Fußball-)Fieber bis hierher.

Der Tag beginnt heiß in Singapur. Sehr heiß! Yeng, unsere Gastgeberin und Temperaturen dieser Breitengrade durchaus gewöhnt, bleibt zuhause, da ihr Kreislauf verrückt spielt. Im Moment sei es heißer und stickiger als sonst, sagt sie. Sie gibt uns den Rat, sehr viel zu trinken und 2-3 mal am Tag kurz du duschen, um die Hitze erträglicher zu machen. Duschen muss allerdings gut geplant sein. Der Wasservorrat ist teuer und deswegen wird er im Haus heute für einige Stunden abgestellt werden. Die Dusche darf man sich hier übrigens nicht klassisch vorstellen. Sie besteht lediglich aus einer Art Gartenschlauch, der über einen Boiler versorgt wird. Einen abgetrennten Duschbereich gibt es auch nicht, man steht quasi mitten im Bad zwischen Toilette und Waschbecken. Warum sollte man daraus auch ein Spa-Erlebnis machen, wenn Wasser knapp und kostbar ist?

Obwohl ich Yengs Tipps ernst nehme, bemerke ich im Laufe des Vormittags, dass Alejandra physisch immer mehr abbaut. Dabei hatten wir uns für den Tag so viel vorgenommen! Der Singapore Zoo stand auf dem Programm. Den Weg dorthin wollte ich zu Fuß bestreiten, so wie ich es auch immer zuhause mache. Schließlich haben wir dank Raymond nun auch einen Buggy, in dem laufmüde Kinder zwischendurch mal eine Pause einlegen können. Bei diesem Wetter, in dieser Schwüle – Wie naiv! Bereits nach wenigen Metern wird Alejandra kreidebleich und erbricht sich schwallartig über den blitzsauberen Betonboden unseres Wohnviertels. Jetzt heißt es: Cool bleiben! Schnell zurück in die Wohnung von Yeng und Alejandra stabilisieren, deren Kreislauf ebenfalls im Keller ist.

Glücklicherweise wohnen wir bei den liebevollsten Gasteltern, die man sich nur vorstellen kann. Nachdem ich Alejandra mit Wasser versorgt und sie ins Bett gelegt habe, hilft mir Oma Leng, den Buggy komplett zu reinigen und eine Ladung vollgekötzter Wäsche zu waschen. Gott sei dank läuft das Wasser noch. Im Anschluss bereitet sie für Alejandra Nudelsuppe mit Ei auf malaysische Art zu. Damit sie wieder etwas Energie bekommt, sagt Oma Leng. Wie dankbar ich in diesem Moment bin, die ganze Situation nicht allein oder in einem anonymen Hotel bewältigen zu müssen, könnt ihr Euch gar nicht vorstellen.

Alejandra geht es nach so viel liebevoller Betreuung auch ganz schnell wieder besser. Gegen Nachmittag ist sie sogar so fit, dass wir uns nochmals vor die Tür wagen können. Wie ausgewechselt hopst sie nun ganz in alter Manier durch die Straßen. Und auch wenn es heute nicht mehr der Singapore Zoo wird, so entdecken wir doch noch ein bisschen unser Wohnviertel und sogar einen McDonalds, indem Alejandra mit einem Bärenhunger ein Portion Pommes verdrückt. Was soll ich sagen? Die Nudelsuppe von Oma Leng ist meiner Meinung zwar köstlich, doch für eine dreijährige sind Pommes mit Ketchup wohl einfach das größere kulinarische Highlight.

Als am Abend He Xu, Yengs Sohn, nach Hause kommt, ist Alejandra wieder ganz die Alte. Von Kreislaufproblemen und Müdigkeitserscheinung keine Spur mehr. Gemeinsam toben sie auf dem Spielplatz unserer Wohnhauses.

Ob sie nun das Fußballfieber gepackt hat? In ein paar Stunden seht das Endspiel an, in Singapur wird es dann mitten in der Nacht sein. Trotzdem ist es auf dem Spielplatz Thema Nummer 1. Alejandra und ich fallen außerdem sehr auf in diesem bunten Multikultimix aus Frauen, Männern und Kindern, von denen jedoch keiner europäischer Herkunft ist. „Ihr kommt aus Deutschland? Deutschland wird Weltmeister, das weiß ich! Ihr seid so stringent!“, prophezeit mir ein Inder. Und auch He Xu’s Papa glaubt, dass die Deutschen in ein paar Stunden den Titel holen werden. Damit wir auch ja Zeuge davon werden können, will er in der Nacht das Spiel auf seinem Fernseher einstellen und mit uns gemeinsam anschauen.

Zum Glück sinken die Temperaturen in dieser Nacht auf 28 Grad. Fußballfieber reicht uns vollkommen 😉 Und bei so viel Grund zum jubeln ist an Kreislaufkollaps auch gar nicht mehr zu denken!

2 Kommentare zu „Kreislaufkollaps meets Soccer Fever

    Daniel F. sagte:
    November 8, 2014 um 7:30 pm

    Erstmals, vielen Dank für ihre tollen Updates von Ihrer Weltreise! Ich verfolge Ihren Blog schon seit längerem und lese wirklich interessiert mit. Gleichzeitig tut es mir Leid zu hören, dass Alejandra einen Kreislaufkollaps auf der Weltreise hatte 😦 Ich hoffe, dass es mittlerweile wieder besser geht 😉

      Familie Bauer auf Weltreise geantwortet:
      November 9, 2014 um 6:34 pm

      Hallo Daniel, alles wieder in Ordnung 🙂 Doch die ein oder andere Blessur gehört zum Reisen schließlich dazu, oder?

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