Ein letztes Mal nach Amerika

Gepostet am Aktualisiert am

Canada-USA-Border

An unserem letzten Tag auf Weltreise haben wir noch mal Lust auf Länder-Hopping. Besser ausgedrückt: Border-Hopping. Habt ihr Euch mal die Grenze zwischen den USA und Kanada genauer angesehen? Abgesehen davon, dass sie kerzengerade und damit auf eine bedrückende Weise unorganisch wirkt, ist sie auch logistisch…interessant.

Das gilt zumindest für die Grenze zwischen Tsawwassen und Port Roberts. Südlich des 49. Breitengrades, also der Grenze zwischen Kanada und Amerika, ragt, umrangt von viel, viel Wasser, ein kleiner Zipfel hervor. Geografisch liegt er zwar nur einen Katzensprung von Vancouver entfernt, gehört politisch jedoch voll und ganz zu den Vereinigten Staaten. Das weckt unser Interesse. Und wir wollen die Grenze der USA unbedingt mal zu Fuß überqueren.

Sie liegt nur ein paar Kilometer von unserer Bleibe entfernt. Glücklicherweise sind wir nicht mobil – unser kleines Wohnmobil ist zurück bei seinen Besitzern – und müssen uns deswegen auch nicht in eine endlos lange Autoschlange einreihen, die sich vor der Grenze ballt. Wir fragen uns: Was wollen diese Menschen alle hier? Nach Hause einreisen, nach einem Arbeitstag in Kanada? Oder sind es Touristen, die sich dieses merkwürdige Grenzphänomen ebenso wie wir mal genauer ansehen wollen? Man muss sich vorstellen: Dieses kleine Stück Land lässt sich bequem in 2 Stunden Fußmarsch umrunden und es gibt außer dem Seeweg keine Möglichkeit, einen weiteren Winkel der USA zu erreichen. Wer also wohnt hier? Was kann man hier tun? Hat dieser Ort einen Sinn außer, dass irgendwer irgendwann mal einen Bleistift und ein Lineal zur Verfügung hatte?

Es ist sehr unkompliziert, nach Port Roberts, welches offiziell zum Bundesstaat Washington gehört, einzureisen. Mit einem Visum (ESTA) und einem freundlichen Lächeln ist man innerhalb von ein paar Minuten auf der anderen Seite. Ziemlich untypisch für amerikanische Verhältnisse.

Unser erster Eindruck vom neuen Land? Hier gibt es erst mal sehr lange NICHTS! Keine Häuser, keine Schilder, nicht mal einen Fußgängerweg. Nur ziemlich kanadisch aussehende Wälder. Es wird uns schnell klar, warum sich an der Grenze so lange Autoschlangen gebildet haben. Bewegung scheint nicht gerade zu den Vorlieben der Menschen vor Ort zu gehören. Fußgänger sehen wir nämlich auch keine.

Irgendwann erreichen wir den „Lighthouse Marine Park“, das Ende von Point Roberts. Von hier aus hat man einen herrlichen Blick aufs Meer, viel Platz zum toben und endlich sind auch ein paar Menschen in Sicht. Sie lassen Drachen steigen, grillen oder sitzen am steinigen Strand mit einem Fernglas zur Hand. Ein Fernglas? Unser Blick schweift noch mal intensiv auf die Wasseroberfläche. Und da sehen wir sie springen, eine Horde junger Delfine, die sich in den Wellen ganz nahe am Strand vergnügen. Wir versuchen vergeblich, sie auf die Linse unserer Kamera zu kriegen, doch sie sind einfach zu schnell und zu geschickt.

Die Menschen mit dem Fernglas erzählen uns, dass dies einer der besten Plätze ist, um Orcas während der Saison von Land aus zu beobachten. Es sei zwar noch etwas früh im Jahr, doch man könne durchaus Glück haben, sie zu sehen. Und so verbringen wir Stunden um Stunden im Lighthouse Marine Park mit dem Starren aufs Wasser in der Hoffnung, an unserem letzten Tag doch noch welche dieser wunderschönen Tiere zu sehen. Dies blieb uns nämlich auf sämtlichen Walbeobachtungstouren in Kanada vergönnt. Was wäre das also für ein spektakulärer Abgang, jetzt noch Orcas zu sehen…

Doch manchmal ist das Ende einer Reise einfach nicht sonderlich spektakulär. Es gibt nicht diesen WOW-Effekt oder einen dramaturgischen Höhepunkt wie im Film. Davon hat man viele, sehr viele während der Reise, von denen wir noch mal die schönsten Revue passieren lassen, als wir unsere Blicke über das Wasser schweifen lassen. Es müssen ja nicht immer Orcas sein.

Der Besuch in Port Roberts gehört zwar nicht zu unseren Reise-Highlights, doch für einen ruhigen Tagesausflug lohnt er sich allemal. Obwohl wir immer noch nicht verstehen, was diese Grenze für einen Sinn hat, begreifen wir jedoch nach der Rückreise in kanadisches Gebiet: Das war das letzte Mal, dass wir während unserer Weltreise irgendwo eingereist sind. Sie ist ganz tatsächlich und wahrhaftig fast.zu.Ende!

2 Kommentare zu „Ein letztes Mal nach Amerika

    Kerstin sagte:
    September 19, 2014 um 6:55 pm

    Oh Mann! Ich wünsche euch eine gute Heimreise! Und danke, dass ihr eure vielen Erlebnisse mit uns allen hier geteilt habt.

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