Lage aussichtslos?

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Äquatorialebene, Pazifik 2014Wir kommen das erste Mal auf unserer Reise an unsere Grenzen. Und das hat nichts mit der Überquerung des nahenden Äquators zu tun, sondern mit einem ziemlich fiesen Gegner: Krankheit.

Die letzten drei Tage auf See hat es mich (Sarah) ziemlich erwischt. Fieber, Husten und Triefnase haben mich lahmgelegt und die Stimme hat auch irgendwann ihren Geist aufgegeben. Da tut es auch nichts zur Sache, dass man sich klimatisch in einer der wärmsten Gegenden der Erde, den Tropen, befindet. Hier werden Klimaanlagen besonders gerne aufgedreht, die Hygienestandards sind niedriger und man fängt sich schnell mal ein paar Bazillen ein, gegen die man als Bewohner gemäßigter Breitengraden nicht unbedingt gewappnet ist.
Während ich den Schlumpes aber ganz gut wegsteckte, hat es über kurz oder lang auch Alejandra erwischt. Zwei Tage, bevor wir unser nächstes Ziel Amerikanisch-Samoa erreichen, fiebert sie mitten in der Nacht plötzlich auf und erbricht sich heftig. Mit einer zuverlässigen Reiseapotheke bekommen wir die Temperatur zwar schnell in den Griff, doch auch für sie ist die nächsten 48 Stunden Bettruhe angesagt. Schließlich wollen wir doch alle gemeinsam gesund und munter Pago Pago erkunden, die Hauptstadt Amerikanisch-Samoas.

Als wir an einem feuchtheißen, sehr verregnetem Morgen unseren Zielhafen erreichen, geht es uns halbwegs besser. Wahrscheinlich wäre es vernünftiger, den Tag auf Amerikanisch-Samoa auszulassen, damit Alejandra und ich uns voll auskurieren können. Doch die Neugier ist zu groß…

Wir würden Euch jetzt gerne erzählen, dass wir trotz allem einen wunderschönen Tag in Pago Pago hatten. Doch schon nach einer kurzen Zeit merken wir, dass Alejandra wieder auffiebert. Es werden also alle Pläne gecancelt und wir gehen zurück zum Schiff. Einzig Julian macht sich noch mal auf den Weg in eine Apotheke. Gar nicht so einfach! Amerikanisch-Samoa ist im Vergleich zum unabhängigen Samoa zwar sehr westlich angehaucht, die Befriedigung verschiedenster Bedürfnisse muss in Pago Pago jedoch gut organisiert werden. Es gibt nur einen sehr kleinen und übersichtlichen Supermarkt an der Hauptstraße, das WiFi ist überdimensional teuer (10$ pro Stunde) und sehr langsam und die nächste Apotheke ist nur durch eine einstündige Busfahrt zu erreichen. Julian schlägt sich dennoch tapfer und kann ein paar Vorräte für unsere Reiseapotheke besorgen.

 

Die nächsten Tage auf See werden wir für uns leider zur echten Nervenprobe. Dachten wir doch schon, den Infekt größtenteils überstanden zu haben, bekommt Alejandra wiederholt heftige Fieberschübe bis 40°C, die wir kaum kontrollieren können. Zu allem Überfluss macht auch noch unser Fieberthermometer schlapp und wir besorgen uns aus der Schiffsklinik Messstäbchen, die man dem Kind mit viel Geduld auf die Zunge legen muss. Nicht gerade die leichteste Aufgabe, dies Alejandra im Fieberwahn verständlich zu machen und dann auch noch in Celsius umrechnen zu müssen – hier misst man nämlich in Fahrenheit!

Wir sind während der ganzen Zeit ziemlich auf uns allein gestellt. Die dortigen Ärzte beschweren sich lieber darüber, dass wir sie abends um elf aus dem Bett jagen, als wir um Hilfe bitten. Auch wenn der jüngste Passagier an Bord so hoch Fieber hat, wollen die erstmal Cash sehen, bevor sie sich Alejandra ansehen. Wir entscheiden uns, das Geld besser zu investieren und rufen über Satellitentelefon nach Deutschland an. Wir brauchen Rat von Julians Schwester Karo und ihrem Mann Olli, die selbst Ärzte sind und drei kleine Kinder zu Hause haben. Sie beruhigen uns und geben uns Tipps, wie wir weiter vorgehen sollen. Und tatsächlich: Schon bald bekommen wir das Fieber unter Kontrolle und Alejandra geht es besser. PUUUUUUUUUUUUUUH!!!

Krankheit auf Reisen ist manchmal nicht einfach zu händeln, vor allem, wenn ein Kind betroffen ist. In diesen Regionen der Erde ist es besonders schwer, eine gute medizinische Behandlung zu bekommen – selbst wenn man sich auf einem riesigen Kreuzfahrtschiff befindet. Im Notfall muss man warten, bis man den nächsten Hafen ansteuert und von Bord gehen. Glücklicherweise haben wir mit Alejandra gerade noch die Kurve gekriegt. Eine ordentliche Reiseapotheke sei Dank! Diese sollte man im Übrigen schon vor der Abreise entsprechend präparieren. Viele Länder, so auch Neuseeland und Australien, verkaufen keine Zäpfchen mit den Wirkstoffen Ibuprofen oder Paracetamol für Kleinkinder. Und wie wir besonders auf dieser Reise gelernt haben: Fieber klopft regelmäßig an die Tür, unvorangemeldet und immer in den unpassensten Situationen!

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