Cash oder Kekse?

Gepostet am Aktualisiert am

Typisches Stadtbild Suvas: Eng, bunt, wackelig. Suva, Viti Levu, Fidschi 2014Nach Lautoka und Nadi schauen wir uns heute Suva an, die Hauptstadt Fidschis. Sie liegt ebenfalls auf der Insel Viti Levu und steht ihren wuseligen „Nachbarstädten“ (die nächste Stadt Nadi liegt knapp 200 km entfernt)  in nichts nach. Suva ist voller Menschen, die versuchen sich ihren Weg durch die Konstruktion einer engbebauten, ziemlich hügeligen Stadt zu bahnen.

Der Hafen Suvas liegt direkt am Stadtzentrum. Folglich sind wir von einem Schritt zum anderen mittendrin im Trubel. Eine Horde von Taxifahrern, Tourveranstaltern und unseriösen Trittbrettfahrern möchte uns mit aller Macht dazu bewegen, mit ihnen „zu den schönsten Stellen Suvas, außerhalb der Touristenhorden“ zu fahren. Selbstverständlich gegen eine ordentliche Summe Cash. Abgesehen davon, dass unser Tagesbudget heute für das Versenden von Päckchen nach Deutschland verplant ist, wollen wir auch überhaupt nicht den ganzen Tag in einem Auto oder Bus sitzen. Wir brauchen eine Weile, bis wir das wiederholt noch dem letzten Touranbieter auf unserem Weg verständlich gemacht haben.

Wer jedoch glaubt, ein Spaziergang durch Suva auf eigene Faust wäre einfacher, der kommt wohl vom Land Naivia. Ohne Stadtkarte und ohne Ortskenntnisse sehen wir wie 2,5 verlorene Hasen im Tigerkäfig aus. Das bemerken auch andere. Freundlich kommt man auf uns zu und fragt uns, wo wir hinwollen und ob man uns helfen könne. Aus Neuseeland und Australien sind wir das gewohnt und freuen uns über so viel Hilfsbereitschaft. „Internet-Café?“, fragen wir. Unsere erste Amtshandlung, wie so oft auf unseren Landgängen, ist die Suche nach einem funktionierenden Internet-Hotspot. In der Südsee ist das oftmals mit der Suche nach dem Heiligen Gral zu vergleichen. „Ah ja, Wireless. I show you the way. 5 Dollars!“ Oooookay, wir verstehen – eine solche Information scheint hier besonders wertvoll zu sein.

Auch ohne die bezahlte Hilfe von Passanten finden wir schließlich ein Café mit einem halbwegs funtkionierendem Internet-Access. Doch wie sieht es mit dem Wunsch von Alejandra nach einem Spielplatz aus? Vorsichtig frage ich eine sympathisch wirkende, etwas ältere Frau, ob es hier eine ‚Play area‘ gibt und wie ich sie finden könne. „Yes, there is a playground. I can show you around. Follow me. 10 Dollars per person!“ Ich beiße mir auf die Zunge. Nicht mal die Bedürfnisse der Kleinsten sind umsonst. Mit ein bißchen Augen-offen-halten erspähen wir auf der Straßenseite gegenüber dem Internet-Café glücklicherweise selbst einen Spielplatz.

Inzwischen sind Julian und ich uns einig, dass wir hier niemandem mehr vertrauen dürfen und keine Gespräche mehr beginnen sollten. Es geht immer nur um Kohle, Kohle, Kohle und wir sind ziemlich abgenervt. Doch Kinder werfen bekanntlich gerne mal Planungen über den Haufen. Alejandra ist gut drauf und kommt rasch mit den Kindern auf dem Spielplatz und dadurch auch mit deren Eltern in Kontakt. Sie zieht ihre eigene Währung aus der Kinderwagentasche, die sie ziemlich beliebt macht: eine Packung Schokoladenkekse.
Und plötzlich sind wir mittendrin, mit Eltern und Kindern im Gespräch, und vergessen unsere Bitterkeit schnell wieder. Herzlich spielt Alejandra mit einem kleinen Jungen, der ihr schließlich seinen Teddybär schenkt. Ein Gruß des Himmels! Seit einigen Tagen vermissen wir nämlich ‚Teddy‘, Alejandras Teddybär, den sie zur Geburt von Ama bekommen hat. Da wir glauben, dass Teddy mittlerweile auf einer anderen Insel sesshaft geworden ist, nimmt der neue Teddybär einen willkommenen Platz ein. Nicht ganz perfekt, mit einem angesenkten Ohr, passt er wunderbar in unsere kleine Reisetruppe.

Gegen späten Nachmittag wollen wir uns auf den Rückweg zum Hafen machen. Es fängt an zu regnen und eine Frau vom Spielplatz bietet uns ihre Begleitung unter ihrem Schirm an. „I need to go in the same direction. I have to catch the bus. No problem!“ Doch konditioniert wie wir sind gehen bei uns sofort wieder die Alarmglocken an. Das macht sie doch niemals umsonst! Wir lehnen dankend ab und versuchen, unser Misstrauen mit einem halbherzigen „No, thank you“ zu verbergen. Doch die Frau ist tough und lässt sich nicht von unserer Haltung beeindrucken. „Come in, it’s raining!“, sagt sie freundlich. Und irgendwie bleibt uns nichts anderes übrig, als gemeinsam mit ihr zu laufen. Und irgendwie ist das gut. Was sie einfach nur möchte, ist quatschen! Kein Geld, keine Schokoladenkekse, einfach nur plaudern. „I have to wait a long time for the bus, sometimes it’s very boring!“, erklärt sie uns.

Und unsere Lektion für heute? Nicht jede Information kostet Geld, nicht jeder schaut Dich mit einem Dollarzeichen in den Augen an. Auch wenn es manchmal einfacherer ist, dies zu glauben und Menschen in Schubladen zu stecken. Und in der Kinderwelt kostet es höchstens ein paar Schokoladenkekse.

 

2 Kommentare zu „Cash oder Kekse?

    weltwunderer sagte:
    Juni 12, 2014 um 7:52 am

    So gut ich euch auch verstehen kann – in Vietnam waren wir ähnlich genervt -, ich möchte doch eine Lanze für die „geldgeilen Einheimischen“ brechen: Sie verdienen wahrscheinlich einen Bruchteil davon, was ein durchschnittlicher Tourist verdient, haben sicherlich keine sozialen Sicherungssysteme als Hängematte, falls etwas schief geht im Leben. Wer will es ihnen verdenken, wenn sie versuchen, mit den „Reichen“ ein paar Dollar zu verdienen, die immer nur für ein paar Stunden von den glitzernden Kreuzfahrtschiffen ausgekippt werden?
    Immerhin wurdet ihr nicht betrogen oder beklaut – diese Strategien sind in anderen Ländern mit einem großen Arm-Reich-Abstand schließlich auch ganz normal…

    Insgesamt muss ich sagen: Danke für diese Berichte, sie haben mein Romantik-Kitsch-Stereotyp von der Südsee nachhaltig korrigiert und ich werde wohl nicht dahin fahren 😉

      Familie Bauer auf Weltreise sagte:
      Juni 12, 2014 um 8:24 am

      Obwohl von „geldgeilen Einheimischen“ nie die Rede war freuen wir uns, dass wir helfen konnten 🙂

Hinterlasse uns ein Kommentar!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s