Die verschiedenen Gesichter Vanuatus

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Port Vila, Insel Efate, Vanuatu 2014Wir verbringen insgesamt drei Tage auf drei verschiedenen Inseln der Republik Vanuatu. Die Erfahrungen gestalten sich vollkommen unterschiedlich und danach können wir ziemlich sicher sagen, welche Orte uns neugierig gemacht haben – und welche wir wahrscheinlich nicht wieder aufsuchen werden.

Tag 1: Auf einer einsamen Insel

Wir erreichen „Mystery Island“, ein winziges Atoll, welches man binnen einer Stunde im lockeren Barfussmarsch umrunden kann. „Mystery Island“ ist ein Touristenname und heißt eigentlich „Inyeug“. Es ist ein wahr gewordener Traum für jeden Südsee-Fetischisten. Hier leben weder Mensch noch nennenswertes Getier. Die wenigen Einheimischen vor Ort, die sich mit den Gesängen einer Schulklasse ein paar Dollar verdienen wollen, sind eigens für die Besucher des Kreuzfahrtschiffes von der Nachbarinsel Tanna gekommen. Außerdem sind überall Verkaufsstände für Souvenir- und Tourangebote aufgebaut worden, und – der Gipfel der Geschmacklosigkeit – ein Fotokulissenbereich, an dem man sich als Tourist mit „Wilden“ im typischen Südsee-Krieger-Style ablichten lassen kann. Der Andrang ist riesig! Die Einheimischen tanzen in Bastrock-Trachten und Blumenketten um die Besucher mit ihren riesigen Kameras herum und lassen sich des Motivs willens erwürgen, erschießen oder abschlachten. Ganz dem Südsee-Klischee entsprechend. Für jedes Foto 10$.
Fast schon fassungslos schauen wir uns das Treiben an und beschließen ganz schnell, von diesem Zirkus zu verschwinden. Wir suchen uns einen möglichst einsamen Platz am Strand und lassen die Eindrücke erstmal auf uns wirken. Wir verstehen natürlich, dass die Passagiere eines Kreuzfahrtschiffes eine wahre Goldgrube sind, die man möglichst ausschöpfen sollte. Aber mal andersrum gefragt: Wie pietätlos muss man als Besucher Vanuatus sein, solche Erinnerungsfotos mit nach Hause nehmen zu wollen? Kaum jemand nimmt sich die Zeit, sich die Menschen dort genauer anzusehen oder gar ins Gespräch mit ihnen zu kommen. Aber geht es nicht genau darum beim reisen?
Wir sind auf jeden Fall sehr froh, in dieser Hinsicht einen rund ein Meter hohen Barrierebrecher dabei zu haben, der uns nicht das Etikett „Geldmaschine“ verpasst. Alejandra rennt einfach auf jeden zu, der ihr sympathisch erscheint, spielt mit den einheimischen Kindern fangen und teilt Süßigkeiten mit ihnen. Dadurch kommen wir mit deren Eltern in Kontakt und so ergeben sich herzliche Elterngespräche, die wir genauso in Deutschland führen würden – abgesehen davon, dass die Frauen hier einen weniger übertrieben Perfektionismus in die Erziehung ihrer Kinder stecken.

Wir bleiben bis zur letzten Minute auf Inyeug und sind wieder einmal die letzten am Tender-Bootssteg. Da wir die Landgänge immer vollends auskosten, haben wir beim Bord-Personal mittlerweile einen ziemlichen Ruf weg. Doch gerade in den letzten beiden Stunden zum Sonnenuntergang ist die Insel WIRKLICH verlassen. Da bis auf eine handvoll Verbliebene alle schon wieder auf dem Schiff sind, haben wir Inyeug für uns allein. Und wer will sich schon das Gefühl nehmen lassen, einmal allein auf einer einsamen Südsee-Insel gewesen zu sein?

Tag 2: Mehr Coca Cola Werbung, weniger Herzlichkeit

Den heutigen Tag verbringen wir auf der Insel Efate, genauer gesagt in Port Vila, der Hauptstadt Vanuatus. Schon die Ankunft ist eine Wucht und das hat nichts mit den Regenmassen, die auf uns einprasseln, oder dem Stadtbild zu tun. Direkt vor dem Schiffsausgang haben sich massenweise Vanuatunesen aufgestellt, die uns Taxifahrten und Touren aufquatschen wollen. Es sind so viele und kaum einer hält Distanz, so dass wir Mühe haben, den Weg aus dem Hafen zu finden. Wir können ja verstehen, dass hier jeder sein Glück versuchen und Geld verdienen möchte. Aber wenn selbst ein höfliches „Nein“ nicht akzeptiert wird, verlieren auch wir sämtliche Empathie. Selbst auf dem Weg in die Stadt, weit vom Schiff weg, werden wir alle paar Meter angehupt. Wir sind einfach offensichtlich Touristen. Und Touristen haben Geld.

Unser großes Pech an diesem Tag ist das miserable Wetter. Kurz vor Port Vila kommen wir in einen monsunartigen Regenschauer, der einfach nicht mehr aufhören will. Zerknirscht nehmen wir das nächste Taxi, das nicht lange auf sich warten lässt. Der Fahrer, George, präsentiert sich gleich als super Kumpel, der Dich an den schönsten Ort der Stadt bringen will. Wir sind zu durchnässt und zu planungslos, um zu fragen, wo dieser Ort ist und – das ist zentral – einen Preis auszuhandeln. Auf Vanuatu kann jeder mit einem Auto ein Taxi gründen und muss keinen Tachometer im Auto haben. Zehn Minuten später befinden wir uns wirklich an einem schönen Strand mit einem netten Café – und sind um 50$ ärmer. George will erst 80$, weil dies angeblich eine Stadtrundfahrt war und überhaupt, die Benzinpreis in Port Vila sooo hoch sind. Völlig vor den Kopf gestoßen über die teuerste Taxifahrt unseres Lebens (in Relation zur Distanz), geben wir ihm schließlich 50$ und ärgern uns über unsere eigene Dummheit, Naivität und mangelnde Hinterlistigkeit mitten im Nirgendwo. Wo sind wir hier, verdammt noch mal? Und es regnet immer noch aus Eimern. Ein anderer, genauso korrupter Taxifahrer (sie sind einfach überall) erkennt unsere Not, gibt den Samariter und fährt uns für 20$ wieder nach Port Vila zurück. Ein immer noch viel zu hoher Preis für diese Distanz. Über den 2$-Stadtbus informiert er uns auch nicht, obwohl wir nachfragen. „Hier gibt’s keine Busse!“
Unsere Stimmung ist danach im Keller, trotzdem schauen wir uns noch Port Vila an. Die Stadt ist nicht unbedingt ein Charmebolzen. Ziemlich dreckig, sehr anonym und selbst auf dem Spielplatz finden wir einfach keinen Zugang zu den Menschen. Überall hängen halb verblichene Plakate, die auf den extrem westlichen Einfluss hindeuten, an jeder Ecke gibt es Billig-Shops, die ge-fakte Markenware in Massen anbieten. Irgendwie wirkt das alles hier, als ob jeder das schnelle Geld mit miesen Angeboten machen will. Selbst im Restaurant werden wir durch die falsche Ausgabe von Wechselgeld übers Ohr gehauen.
Wir haben wirklich noch viel zu lernen! Und bekanntlich zahlt man ja Lehrgeld für schlechte Erfahrung. Trotzdem werden wir in Zukunft wohl eher nicht nach Port Vila zurückkommen.

 

Tag 3: Weniger Coca Cola Werbung, mehr Herzlichkeit

Wachsam wie die Luchse machen wir uns heute auf den Weg nach Espiritu Santo, der letzten Insel unserer Vanuatu-Reise. Nach der gestrigen Erfahrung in Port Vila schwören wir uns eins: Keine Taxi-Fahrten mehr und überhaupt nichts tun, was uns Geld kosten könnte. Der Wettergott meint es schon mal gut mit uns. Es ist so brütend heiß, sonnig und schattenlos, dass wir das Taxi-Trauma schnell vergessen können, da wir sicher keins brauchen werden.

Wir machen uns geradewegs auf den Weg zum Unity Park in Luganville. Der Park ist wunderschön, mit einer satten grünen Wiese, einer kleinen Bühne, zwei Spielplätzen unter schattigen Bäumen direkt am Wasser. Hier lernen wir Justin und seine Familie kennen, die einen kleinen Shop an der Mainstreet betreiben. Alejandra und Justin sprechen beide nur ein paar Brocken Englisch, doch verstehen sich auf Anhieb prächtig. Sie spielen den ganzen Vormittag miteinander, bis wir beschließen, uns noch ein wenig mehr von der Umgebung ansehen zu wollen.

Im Gegensatz zu Port Vila ist Luganville ruhig. Es fahren kaum Autos und Einheimische auf der Straße grüßen Dich mit einem freundlichen Blick und einem hochziehen der Augenbrauen – ein übliches Grußsignal in der Südsee. Die Straßen sind breit und es gibt viel Platz zum laufen. Uns so laufen wir, 1,2,3,4,5 km, immer weiter aus Luganville heraus, in der brütenden Mittagshitze. Schöne Bescherung, wir sind mal wieder mitten im Nirgendwo gelandet, dafür scheinen wir wohl ein Talent zu haben. Bevor jedoch leichte Verzweiflung einsetzen kann, biegen wir blindlings vertrauend in eine kleine Straße ein und finden das „Beachfront Resort & Restaurant“. Ein traumhafter Platz, um eine Rast zu machen! Und um seine Kein-Geld-ausgeben-Politik über den Haufen zu werfen! Hier bekommt man erfrischende Getränke, leckeres Essen zum kleinen Preis, free Wifi und einen Pool, in den wir uns wie die nassen Säcke reinfallen lassen. Und wen sehen wir da? Justin, der mit seiner Familie zum Lunch gekommen ist. Als er Alejandra sieht, ist das Essen jedoch schnell vergessen und die beiden toben sich im Pool aus. Außer uns ist kaum ein Gast da und wir nehmen den ganzen Raum ein. So lässt es sich doch aushalten!

Als wir am späten Nachmittag zum Schiff zurücklaufen, und noch mal eine Rast im Unity Park machen, haben sich inzwischen viele einheimische Familien hier versammelt. Die Sonne ist nicht mehr so stark und die Temperaturen sind angenehm. Wir kommen mit vielen ins Gespräch und bekommen den Eindruck, dass die Bewohner hier um einiges herzlicher und irgendwie zufriedener erscheinen als auf Efate – zumindest das, was wir von Efate gesehen haben.
Espiritu Santo hat uns Hunger auf mehr gemacht. Sollten wir jemals nach Vanuatu zurückkehren, wollen wir definitiv mehr von dieser Insel und seinen Bewohnern erleben. Einfach ein schönes Fleckchen Erde 🙂

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