Zu Gast auf Lifou

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Julién & Alejandra, Lifou, Neukaledonien 2014Obwohl nur knappe 100 km entfernt von der großen Schwester Grand Terre, erlebt man auf der Insel Lifou eine andere Welt. Wer die Südsee ein wenig ursprünglicher erleben möchte, der ist hier genau richtig. Wahrscheinlich ist Lifou deswegen so ein beliebter Anlaufpunkt von Kreuzfahrtschiffen.

Lifou gehört zu den Loyalitätsinseln und ist ebenso wie Grand Terre Teil der Inselgruppe Neukaledonies. Ob die Inselbewohner Lifous wirklich so loyal sind, sei mal dahingestellt. Vielmehr sind britische Seefahrer dafür verantwortlich, dass Lifou sowie seine anliegenden Atolle unter dieser Bezeichnung zusammengefasst werden. Doch wie willkürlich Inseln, Kaps etc. im pazifischen Raum benannt wurden, ist ohnehin noch mal ein ganz eigenes Thema. Oder wusstet ihr, dass Captain James Cook (wer sonst?) Neukaledonien seinen Namen gegeben hat, weil ihn die Inselklippen an Schottland erinnert haben?

Auf Lifou werden wir freundlich von den Inselbewohnern empfangen, die bei Ankunft der Tender-Boote (unser Schiff muss aufgrund der umliegenden Korallenriffe vor der Insel ankern) Tänze und Gesänge vorführen. Nebenbei versuchen die Lifouanerinnen, ihr anbetungswürdiges Flechtgeschick den weiblichen Touristen zu verkaufen. Sie haben jedoch wenig Erfolg, da der Altersdurchschnitt der Schiffspassagiere bei ca. 60 liegt und diese wohl eher dem Figaro des schiffseigenen Haarsalons vertrauen. Als auch Alejandra ein Umstyling angeboten wird, selbstverständlich gegen Cash, flüchten wir ganz schnell. Nichts gegen die Künste der Lifouanerinnen und deren Vergütungserwartung, doch neben Hairstyling, Tänzen und Gesängen ist auch noch ein großer Jahrmarkt an Touristen-Nippes aufgebaut. Und eins wollten wir hier lieber nicht sein: Eine wandelende Geldmaschine. Sondern laufen. Die Insel erkunden. Einfach laufen.

Und wir laufen viel an diesem Tag. Es ist wahnsinnig heiß, begünstigt durch die gnadenlos senkrecht über uns stehende Sonne, der keine einzige Wolke im Wege steht. Trotzdem ist die Luft so feucht, dass man auch ohne Bewegung ins schwitzen gerät. Die Nähe zum Äquator macht sich endlich bemerkbar. Alejandra verliert ihre Flip Flops direkt im Nirgendwo, da sie der Meinung ist, dass man bei solchen Temperaturen keine Schuhe braucht.
Die Kinder, die man hier sieht, tragen schließlich auch keine. Diese führen ohnehin ein ganz anderes Leben als das, was Alejandra gewöhnt ist. Einmal verirren wir uns auf eine kleine Farm mit dem Namen „Vanilla Bean“. Die Besitzerin und ihre kleine Tochter Sonia leben in einer der traditionellen Rundhütten Lifous. Die beiden Mädchen fangen an zu spielen und Alejandra schenkt ihr eine ihrer Memory-Karten, die sie in einem kleinen Umhängesäckchen dabei hat. Schnell wird klar, dass Sonia so etwas noch nie gesehen hat. Viele Spielsachen scheint sie nicht zu haben. Mit dem Blick in die Rundhütte wissen wir auch, warum. Die Hütte ist dunkel, mit ein paar alten Matratzen auf dem Boden ausgelegt und einem Holztisch, auf dem Essen in einer Weise angerichtet ist, in der Hygienefanatiker unseres Landes wahrscheinlich das Jugendamt rufen würden. Ein halb zerfledderte Barbie liegt auf dem Boden, die ihre besten Tage hinter sich hat. Trotzdem wirkt die Umgebung liebevoll und Sonia keineswegs unglücklich. Sie bietet Alejandra als Zeichen der Gastfreundschaft sogar eine ihrer Pommes an, die sie in der Hand hält. Gerne würden wir ein Bild von den beiden machen, aber das kommt uns in dieser Situation irgendwie nicht angemessen vor und wir fragen Sonias Mama nicht.

Ganz anders ergibt sich die Situation am Strand. Später am Tag, nach über 10 km in Flip Flops, machen wir noch einen Stopp an der Sandalwood Bay, eine der schönsten Plätze zum schwimmen und Schnorcheln auf der gesamten Insel. Hier treffen wir den kleinen Julién, der sein Herz an Julian verliert, weil er im kristallklaren Wasser so beneidenswert mit Alejandra spielt. Ein Papa, der herumschleudert, den Pack-Esel mimt oder mit alten Joghurt-Bechern Wasserfall spielt, kann man sich auch wirklich nur wünschen. Und so ist Julién bald ein Teil der Wasserratten und ich kann einfach nicht anders, als die Linse draufhalten.

Warum sich das jetzt richtiger anfühlt als mit der kleinen Sonia? Nun ja, der Wasserspielplatz ist neutral, die Farm von Sonia und ihrer Mama war es nicht. Wir wollen niemandem das Gefühl geben, ein Foto haben zu wollen, weil alles so exotisch und aus westlicher Perspektive „wild“ ist. Auch wenn es manchmal zu verlockend ist, die Unterschiede festhalten zu wollen – die Menschen, die wir treffen, kramen ja auch nicht sofort die Kamera aus, nur weil wir lieber Müsli zum Frühstück als gekochten Schinken essen. Oder blond sind, oder, oder. Die Situation sollte sich einfach ergeben, aus einem wechselseitigen Einverständnis, weil es Spaß macht.
Dass dieser Balanceakt ein schwieriger ist, werden wir noch oft genug auf unserer Reise durch den Pazifik erfahren. Doch heute können wir sicher sagen, dass Spaß die größte Rolle auf unserer Tagesreise durch Lifou gespielt hat.

2 Kommentare zu „Zu Gast auf Lifou

    mareen sagte:
    Mai 24, 2014 um 4:22 pm

    Wow, toller Bericht über einen sicher beeindruckenden Tag! Danke!

    MaOmi sagte:
    Mai 26, 2014 um 6:32 am

    Sari Sari mit Blume!!! Das ist sooooooo ein schönes Bild!!! Ansonsten ist alles irgendwie märchenhaft:
    MaOmi

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