Last Exit: Point Break Backpackers

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Anna, Sarah und Alejandra, Point Break Backpackers, New Brighton, Christchurch, Neuseeland 2014Nun ist es soweit: In wenigen Tagen heißt es Abschied nehmen aus Neuseeland. Es fällt uns nicht leicht, das zu glauben – immerhin haben wir sechs Monate hier verbracht. Es kommt uns vor, als wären wir erst gestern am Auckland International Airport angekommen.

Ich weiß noch ganz genau, wie ich mich im Landeanflug gefühlt habe. Mit Blick auf die aufwachende Stadt am frühen Morgen waren zwar nur die Umrisse der Berge und viele Lichter erkennbar. Aber ich wusste, das ist „unser“ Neuseeland! Und sofort kamen wieder diese Gedanken auf: Das ist wie Heimkommen! Endlich, endlich, endlich, na 18 Monaten Abstinenz. Niemals zuvor waren wir so privilegiert gewesen, um uns so viel Zeit für Neuseeland nehmen zu können. Und meiner Vorstellung nach sollte das hier ewig dauern, sechs Monate sind immerhin ein halbes Jahr.

Doch das war nicht ewig, das ist gerade richtig angekommen sein und schon wieder wegmüssen. Zwar bin ich froh, dass wir überhaupt so lange hierbleiben konnten. Doch das Herz ist schwer, wenn ich an den Abschied denke. Ein kleiner „Trost“ ist unsere völlig schäbige Unterkunft, in die wir uns für die letzten Nächte in Christchurch einquartiert haben. Da es in Christchurch und Umgebung nicht immer leicht ist, günstig und spontan ein Hostel zu finden, konnten Anna, Julian, Alejandra und ich nur noch im Stadtteil New Brighton, im „Point Break Backpackers“, unterkommen. Und das ist mit Abstand die gruseligste und schäbigste Absteige, in der wir je geschlafen haben. Obwohl sich das herzliche Personal alle Mühe gibt, eine familiäre und positive Stimmung zu verbreiten – ein 360°C-Blick lässt einen mit leichtem Ekel im Kreis drehen.

Schon der Stadtteil New Brighton wirkt nicht gerade einladend, wenn man seine Grenzen überschreitet. Viel ist immer noch durch die beiden großen Erdbeben im September 2010 und Februar 2011 zerstört. Es scheint, als hätte man – obwohl der Wiederaufbau überall schleppend vorangeht – diesen Stadtteil einfach vergessen. Hier sieht man viele zerfallene oder leerstehende Häuser, halbfertige Baustellen, unzählige Pylonen und viel Dreck. Vor kurzem erst haben hier ein paar deutsche Backpacker Häuser-besetzen geprobt. Es liegt zwar direkt am wunderschönen südpazifischen Ozean, doch man fühlt sich weder beim Strandspaziergang noch an der anliegenden Promenade besonders sicher. Es gehört zu den ärmeren Stadtteilen Neuseelands, man sieht überall Alkoholismus und es riecht stellenweise nach einer fiesen Mischung aus Abwasser, Nikotin und Kräuterzigaretten…
Das „Point Break Backpackers“ liegt im Herzen von New Brighton, ist vergleichsweise eines der günstigeren Hostels und erinnert uns an eines von diesen verruchten Motels, die man immer in den Filmen sieht – auf den ersten Blick sauber, auf den zweiten Blick ziemlich siffig. Aber was solls?! Was anderes konnten wir auf die schnelle nicht bekommen und es sind ja nur ein paar Tage, die wir hier verweilen wollen. Das sagen wir uns selbst dann noch mit leicht schlotternden Knien, als eine stark alkoholisierte Frau, die Alejandra besonders lieb gewonnen hat und mit ihr rumalbert, sie mit enthusiastischem Eifer durch die Luft wirbelt, das Gleichgewicht verliert und Alejandra mit dem Kopf gegen einen Stuhl knallen lässt. Zurückbehalten hat sie zwar nur eine Prellung, wir halten uns jedoch von nun an lieber fern von den rauen Gestalten im „Point Break Backpackers“.

Warum schlafen wir eigentlich nicht wie üblich in unserer Moana Klümmel? Die haben wir mit viel Glück für einen guten Preis an einen Kiwi in Dunedin verkaufen können. Zu Saisonende ist das nicht die leichteste Aufgabe, denn jeder möchte sein Auto vor Abflug unter den Hammer bringen, um mit viel Geld in der Tasche die Weiter- bzw. Heimreise antreten zu können Wir vermissen die alte Dame zwar schon sehr, aber wir wissen, dass sie jetzt in guten Händen ist. Und wer weiß, vielleicht fährt sie uns in Zukunft mal wieder auf den Hügeln Neuseelands über den Weg 😉

Ein Kommentar zu „Last Exit: Point Break Backpackers

    little kingstown sagte:
    März 23, 2014 um 8:38 am

    Das Ende ist immer ein Anfang, von was auch immer….. Liebe Grüße von der Ama

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