Gemeinsam einsam am Farewell Spit

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Auf dem Weg nach oben: Puponga Hilltop Walk, Farewell Spit, Neuseeland 2014Von Takaka aus entscheiden wir uns, noch weiter nördlich ans windumtoste Farewell Spit zu fahren. Diese ca. 30 km lange Landzunge erinnert an den Schnabel von einem Kiwi und weit und breit gibt es nichts weiter als Sanddünen, grüne Hügel und viele, viele Schafe. Wer hier Zeit verbringen will, muss Einsamkeit mögen. Wir wollen ein paar Tage mitten im Farmland, im Wharariki Beach Holiday Park, campen.

Der Campingplatz liegt am Ende einer Schotterpiste und ist erst ein paar Jahre in Betrieb. Er ist sauber, logistisch gut aufgeteilt und hat einen netten Gemeinschaftsraum. Nur der Preis von 20€ pro Nase ist im Vergleich zu anderen Campingplätzen etwas höher. Er punktet jedoch auf jeden Fall mit seiner fantastischen Lage direkt am Wharariki Carpark, von wo aus man einige Wanderungen ins malerische Umland unternehmen kann. Am schönsten und kürzesten (3km) ist wohl ein Spaziergang zum Wharariki Beach. Dieser wilde und unberührte Strand sieht mit seinen monumentalen Felsformationen aus wie aus einem Fantasy-Film entsprungen. Alejandra, Julian und ich sind ganz allein, als wir in der Abendsonne im zischenden Wind am Strand ankommen. Wir sind so beeindruckt von dem, was sich uns bietet, dass wir über eine Stunde über den Sand pesen, dabei lauthals schreien und dabei wild mit den Armen rudern. Wer ein Gefühl von Freiheit und Horizont sucht, der ist hier genau richtig aufgehoben. Der Wharariki Beach ist der schönste Strand, den wir bisher in Neuseeland gesehen haben.

Über den „Puponga Hilltop Walk” kann vom Strand aus sogar noch weiter über steile Hügel und unmittelbar an den Klippen entlanglaufen. Ziel ist das ca. 10 km entfernte Puponga Visitor Centre an der Grenze zum Farewell Spit. Der Track ist kostenlos und kann von jedem bewandert werden, der ordentlich Muckis in den Beinen hat. Die Hügel sind sehr steil, teilweise muss man klettern und die pralle Neuseelandsonne knallt über die gesamte Zeit schonungslos auf den europäischen Blondkopf. Hier sollte man definitiv kein Kind dabei haben, auch wenn wir da sonst sehr locker eingestellt sind. Und so entscheide ich mich, den Track an einem Tag allein zu laufen, was mit MP3-Player auf dem Ohr auch mal seeehr schön sein kann. Aus diesem Grund wird „All your zombies“ von den Hooters mich jetzt wohl immer an die grandiosen Bilder dieses sehr zu empfehlenden Tracks erinnern 🙂

Der Farewell Spit selbst darf übrigens nicht ohne eine spezielle Erlaubnis oder die Begleitung von Tourveranstaltern betreten werden. Es ist Naturschutzgebiet, die unberührte Umwelt möchte hier erhalten werden. Da man jedoch pro Tour mit 160$ pro Person rechnen muss, entscheiden wir uns dagegen. Die Tour ist zwar sehr spannend und man wird mit atemberaubenden Bildern verwöhnt, aber wir haben bereits bei unserem ersten Neuseeland-Trip einen Ausflug mit „Farewell Spit Eco Tours“ gemacht und kennen die Gegend schon.

Während unserer Zeit am Farewell Spit stranden dort übrigens mehr als 60 Pilotwale an der Küste. Dies ist hier oben leider ein häufig beobachtetes Phänomen. Wir kriegen nichts von dem Geschehen mit, da wir auf dem Campingplatz sehr isoliert ohne nahe Zivilisation oder Telefonverbindung leben. Es gibt keinen Supermarkt in der Nähe, nicht mal einen kleinen Camper-Shop, geschweige denn eine Internetverbindung. Nur das kleine „Archway Café“ am Carpark (mit frei laufenden Pfauen!) erinnert an ein bißchen Konsum. Es ist jedoch der perfekte Platz, um einfach mal wieder die Seele baumeln zu lassen, ein Buch in die Hand zu nehmen und um sich Zeit zu nehmen, einen ungestörten Sternenhimmel in der Nacht zu beobachten. Hier gibt es keine künstlichen Lichter, nur viel, viel Wind, der manchmal Wolken bringt. Aber auch die sind willkommen, da es bei klarem Nachthimmel auch mal richtig schweinekalt werden kann.

Gerne hätten wir noch ein paar Tage länger in der Einsamkeit verbracht, zumal wir eine deutsche Familie kennenlernen, die mit ihrem 2-jährigen Emil gleich neben uns in einer Moana Klümmel-Doppelgängerin schläft. Alejandra und Emil verstehen sich prächtig. Zusammen haben sie genug Autos für einen ganzen Motorclub, rasen jedoch meistens selbst wie die jungen wilden Hunde durch den Gemeinschaftsraum. Es kullern ein paar Tränchen, als wir die Schotterpiste Richtung Zivilisation verlassen. Doch es gibt auch einen Grund zur Freude: Unser nächstes Ziel heißt Christchurch, wo wir unsere Freundin Kathrin aus Deutschland vom Flughafen abholen wollen.

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