The Terrible Twos! Oder: Der normale Reisealltag mit einer Zweijährigen

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TERRIBLE-TWOSWenn es nach dem Lehrbuch geht, werden Kinder rund um das Alter von zwei Jahren zu kleinen Tyrannen. Im Englischen nennt man das „The Terrible Twos“: Eine Phase, in der Stimmungsschwankungen an der Tagesordnungen sind, Trotzen ein neues Niveau der kindlichen Grausamkeit annimmt und man als Elternteil manchmal einfach nur den Wunsch hat, sein Kind bei ebay zu verkaufen.

Was sollen wir sagen? Alejandra ist so ein klassisches Beispiel für die Terrible Twos, dass auch wir zu der Sorte Eltern gehören, die ziemlich kontinuierlich in den Wahnsinn getrieben werden. So lieb wir sie haben und so viel Freude sie uns auch macht – die Terrible Twos erleben wir auf Reisen nicht weniger nervtötend als zu Hause. Von einem Moment auf den anderen mutiert Alejandra vom Vorzeigekind zum kleinen Teufel und umgekehrt. Das schöne am Reisen ist, dass wir die meiste Zeit gemeinsam unterwegs sind und wir uns gegenseitig die Verantwortung abgeben können, wenn uns Alejandras vorpubertäres Verhalten zu viel wird.

So sind wir die letzten Tage beispielsweise in Takaka unterwegs. In dem kleinen Hippie-Dorf am Rande des Abel Tasman National Parks in der Golden Bay fühlen wir uns direkt wohl. Wir schlafen im „Kiwiana“-Hostel, eine sehr kleine und überaus schöne Unterkunft mit nur 4 Zimmern, die alle nach einem Kiwi-typischen Thema eingerichtet sind: Flip Flop, Tiki, Boots und Buzzy Bee. Mit der „Buzzy Bee“ hat Alejandra eine ganz besondere Beziehung. Die kleine Holzbiene, die jedes neuseeländische Kind in seiner Spielkiste liegen hat, ist seit unserem Besuch bei Patricia und Andrew in Rotorua zu ihrem Lieblingsspielzeug avanciert. Obwohl sie keine eigene Buzzy Bee besitzt, wird diese sehr oft in ihren Erzählungen thematisiert und überall direkt auf Bildern, Plakaten oder bei anderen Kindern erspäht.

Buzzy_BeeBuzzy_Bee

Als Alejandra während unseres Rundgangs durch das „Kiwiana“-Hostel das große Buzzy Bee-Symbol an der dazugehörigen Zimmertür entdeckt, versucht sie mit aller Macht, die angeklebte Biene herunterzureißen. Als das nicht funktioniert, brüllt sie lautstark durch das gesamte Hostel, dass sie sofort diese Buzzy Bee haben will. Alle Versuche ihr zu erklären, dass das nicht geht, scheitern in einer dramatischen Mischung aus auf den Boden werfen und kläglich weinen und zwischendurch aufschauen, ob wir ihre missliche Situation auch ernst nehmen. Unglücklicherweise steht genau zu dieser Zeit das Abendessen an, welches wir nicht verpassen wollen. Täglich um sechs Uhr serviert das „Kiwiana“-Hostel nämlich eine kostenlose frische, vegetarische Suppe, von der jeder Gast etwas abhaben darf. Mit der motzenden Alejandra am Esstisch versuchen wir also, einen Teller Suppe zu essen. „Nein, ich will keine Suppe essen!“ schnattert sie und verzieht dabei die Mundwinkel besonders weit nach unten, damit wir bloß nicht vergessen, dass sie immer noch sauer wegen der Buzzy Bee ist. Der Löffel landet nicht im Mund, sondern mit einem riesen PLATSCH in der Suppenschüssel. Ihr anschließender Versuch, aus dem Stuhl aufzustehen, endet damit, dass der Stuhl nach hinten umkippt und Alejandra lauthals losbrüllt.

So ist auch für uns ein gemütliches Abendessen nicht mehr möglich und wir entscheiden uns rasch für Schadensbegrenzung: Wer putzt Alejandra die Zähne und bringt sie ins Bett? Wer räumt das Chaos vom Abendbrottisch weg? Jede Variante hat ihre Vorzüge. Ist Alejandra nur noch mit einem von uns zusammen, ändert sich ihre Stimmung schnell von einer Drama-Queen zum Engelchen und derjenige, der sie ins Bett bringt und noch etwas vorliest, hat noch ein paar schöne Momente mit ihr. Der andere kann während der Saubermachzeit in der Küche mal Abstand vom Erziehen und Ermahnen und Erklären nehmen und im Anschluss noch ein bisschen die kinderfreie Zeit genießen.
Am Folgetag ist Alejandra dann wieder so herzlich und charmant, dass wir uns fragen, warum wir eigentlich so genervt von ihr waren?! Sie rennt durch das Hostel, grüßt jeden mit einem lauten „Goooood Morniiiiing“ und bringt mit ihrem Lächeln die Hostel-Besitzerin zum schmelzen. Und wie es der Zufall will, wird der „Buzzy Bee“-Room heute frei. Mit erhobenem Haupt transportiert sie, voll beladen, ihre Spielsachen hinein und markiert demonstrativ ihr Revier.

Reisen mit einer Zweijährigen ist ein Drahtseilakt. Wir bewegen uns ständig zwischen Situationen wie diesen und wir erleben nicht selten ganze Tage, in denen sie außerordentlich bockig und bösartig sein kann. Doch dann gibt es wieder diese Momente, in denen wir uns beispielsweise spontan Fahrräder ausleihen und Alejandra sich so darüber freut, dass sie uns wild umarmt und uns sagt, wie lieb sie uns hat. Dann fahren wir gemeinsam zu den „Pupu Springs“, den klarsten Quellen der Welt, oder besuchen den Abel Tasman National Park bei strahlendem Sonnenschein. Alle Dramen sind dabei schnell vergessen und wir erleben Bilderbuch-Familienfeeling.

Im „Kiwiana“-Hostel lernen wir übrigens Anne kennen, eine ganz liebe Wwooferin aus Deutschland, in die sich Alejandra bis über beide Ohren verliebt. Ganz besonders dankbar sind wir ihr für ihre selbstlosen Babysitterdienste an einem schönen lauen Sommerabend, an dem wir uns die Bikes schnappen, und alleine zum Meer radeln.

Das kann auch helfen, um mal wieder durchzuatmen. Oder wie wir es nennen: Batterien aufladen und Rüsten für die nächste Schlacht 🙂

Julian cyclet in den Sonnenuntergang, Takaka, Neuseeland 2014

Ein Kommentar zu „The Terrible Twos! Oder: Der normale Reisealltag mit einer Zweijährigen

    tabolinz2013 sagte:
    Januar 26, 2014 um 10:24 am

    😄 seid versichert, das ist ganz „normal“ und lief mit unserem 5-jährigen manchmal zum kleinen Terroristen mutierten Mitreisenden nicht anders. Ihr macht das aber genau richtig, sich kleine Auszeiten zu nehmen, hilft. Aber das wisst ihr ja selbst.😄

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