Warum uns Neuseeland zu besseren Menschen macht

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Alejandra und Sarah am Strand von Paekakariki, Neuseeland 2013In den letzten Wochen ist etwas mit uns passiert. Etwas, was bereits bei unseren letzten beiden Neuseeland-Aufenthalten mit uns passiert ist, nur weniger nachhaltig – vermutlich, weil unsere Reisezeiten überschaubar waren und das Kiwi-Lebensgefühl nicht mit unserem Leben in Deutschland kompatibel ist: Wir sind zu besseren Menschen geworden.

Leider vergisst man bei kürzeren Reisen schnell wieder, was man währenddessen an neuen Erkenntnissen und Haltungen gewonnen hat. Der Alltag holt einen zu schnell wieder ein und man kann sich irgendwann nur noch wage daran erinnern, mit welchem Gefühl man von der letzten Reise nach Hause gekommen ist. Uns war es zumindest nach den letzten beiden Malen nicht möglich, das Kiwi-Lebensgefühl im wuseligen und schnelllebigen Deutschland aufrecht zu erhalten.

Kiwi-Lebensgefühl, was ist das? Die Menschen hier leben wesentlich entspannter und weniger konkurrenzorientiert als in Deutschland. Das bedeutet nicht, dass sie faul sind und den ganzen Tag mit einem Grashalm im Mund auf der Schafsweide liegen. Auch die Neuseeländer gehen geregelten Arbeiten nach, auch wenn ihr Ziel nicht ist, vierzig Jahre lang derselben Lohnquelle nachzujagen. Abwechselung ist gefragt, Branchenwechsel nicht unüblich, oft laufen sie parallel, und Karriereverläufe sind höchstens ein angenehmer Nebeneffekt. Die wichtigere Frage ist, Zeit für Lebensqualität übrig zu haben. Der Kiwi reist gerne und möchte am Abend Zeit für sein Rugby-Spiel im Fernsehen haben. Die Wochenenden werden mit der Familie am Strand mit BBQ und zelten verbracht. Der Lebensstandard sollte gut und dezent sein, man hebt sich nicht gerne ab. Wichtiger ist, den Nachbarn beim Namen zu kennen und sich gegenseitig auszuhelfen, wenn es nötig ist.

Warum macht uns das zu besseren Menschen? Wir sind mit einem Gefühl von Stress und gehetzt sein in Neuseeland angekommen. Dass das an uns und unserem Lebensstil liegt, konnten wir jedoch erst bewusst reflektieren, als wir uns wieder an die langsam tickenden Uhren hier gewöhnt haben. Neuseeländer begegnen einem mit einer unheimlichen Ruhe und Gelassenheit, sind dabei aber stets zuverlässig, freundlich und tolerant, wirken direkt vertraut und wie jemand, dem man unverzüglich in die Arme fallen möchte. Das hilft, selbst einen Gang runterzuschalten, und sich mal wieder auf jemand anderen zu besinnen, anstatt auf sich selbst. Sozialität ist bei vielen hier eine Art Grundprinzip. Brauchst Du noch was? Kann ich Dir helfen? Kann ich Dich irgendwohin mitnehmen? Ich kenne da jemanden, der kennt jemanden, der kennt jemanden, bei dem Du schlafen kannst – Und genau hier setzt das Schneeballprinzip ein. Wir fühlen, dass jemand etwas für uns tut und möchte, dass es uns gut geht. Und das tun die Kiwis auf eine derart selbstlose Weise, das wir zu Beginn unserer Reise noch vor schlechtem Gewissen zerflossen sind, weil wir immer das Gefühl hatten, nicht dankbar genug zu sein bzw. nicht dasselbe zurückgeben zu können. Mittlerweile haben wir verstanden, dass es nicht um geben- und zurückgeben, sondern um geben- und weitergeben geht.

Wir möchten hier übrigens nicht den Eindruck erwecken, dass Neuseeländer nur mit Heiligenschein durchs Leben gehen. Selbstverständlich gibt’s auch hier „schwarze Schafe“ (welch ein Wortwitz in anbetracht dieses schafhaltigen Landes) und auch Leute, die einen lediglich für ihren eigenen Vorteil ausnutzen. Aufgebrochene Autos, unsichere Straßenzüge und Überfälle gibt es hier genauso wie in anderen Teilen auf der Welt. Auch wenn wir davon bisher lediglich in der Zeitung gelesen haben. Ingesamt würden wir Neuseeland auf jeden Fall als ein Land bezeichnen, das dem eigenen Ego mal ganz gut tut.

Mal sehen, wie lange es dieses Mal nachwirkt.

Ein Kommentar zu „Warum uns Neuseeland zu besseren Menschen macht

    Michael sagte:
    Dezember 25, 2013 um 2:35 pm

    Also „mal ganz gut tut“, das sehe ich auch so. Aber das so mal durchhängen lassen, das wird nicht nach hier übertragbar sein. Übrigens: eine vergleichende wissenschaftliche Vergleichsstudie wäre mal sehr interessant. Gruß Apa

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