MY Skydive Adventure

Gepostet am Aktualisiert am

Skydive Taupo, Taupo, Neuseeland 2013Es wird sich nicht gedrückt!“ Das steht auf meinem Geburtstagsgeschenk von Sarah, Vera, Jan, Ludwig, Karo, Olli, Stef, Roman, Susanne, Östi, Oly, Biju und Paul. An dieser Stelle Euch allen noch mal ein herzliches DANKESCHÖN! Ich soll also aus 15000 Fuß (4.5 km) Höhe aus einem Flugzeug springen. Danach eine Minute freier Fall, bevor sich dann hoffentlich der Fallschirm öffnet und ich wieder auf dem Boden lande.

Hätte ich nur meine Klappe vor drei Jahren nicht so weit aufgerissen, als wir das erste mal in NZ waren und ich gesagt hatte: „Das würde ich auch gerne mal machen.“ Sarah merkt sich so etwas, und nach einer aufwändigen Geld- und Unterschriftensammelaktion hat sie von beidem genug beisammen, um mir den Sprung mal eben zum Geburtstag zu schenken. „Wenn wir schon mal hier sind…“

Nachdem ich also ein paar Tage hin und her überlege und mich ständig wieder umentscheide, gibt mir ein Bericht aus erster Hand von Marcus, einem unserer vielen lieben Couchsurfer-Gastgebern, den entscheidenden Kick in die richtige Richtung – ich mach´s.

Wir buchen den Fallschirm-Tandemsprung bei Skydive Taupo, einem Unternehmen mit viel Erfahrung, direkt am beeindruckenden Lake Taupo gelegen, das einem bei guten Sichtverhältnissen einen Coast-to-Coast-View verspricht, also sowohl bis zur Ost- als auch zur Westküste des Landes. Gesprungen wird natürlich nicht alleine, sondern als „Tandem“, an den Bauch eines „Instructors“ geschnallt.  Man kann einen Sprung aus 9000 Fuß (2743 m), 12.000 Fuß (3658 m) oder 15.000 Fuß (4572 m) buchen mit allen möglichen Extras wie Handycam-Video (Kamera am Handgelenk des Instructors) oder sogar einem weiteren Springer, der nur mitspringt, um den eigenen Sprung „von außen“ zu filmen.

Ich entscheide mich für die 15.000 Fuß, denn – logo – je höher man aufsteigt, umso länger dauert der freie Fall, bevor der Fallschirm geöffnet wird. Das sind immerhin 200 Stundenkilometer, mit denen man auf die Erde zurast.

Ich freue mich sehr, dass ich den Sprung zusammen mit Diana mache, die wir mit Katja in Whangarei kennengelernt haben. Gemeinsam springt es sich gleich viel leichter! Wir treffen uns morgens und fahren zusammen zum Flughafen außerhalb der Stadt. Wir versichern uns, dass wir eigentlich gar nicht so nervös sind. Warum schließe ich dann der Schlüssel in dem Spind ein, in dem ich meinen Rucksack verstaue? Vielleicht nehme ich das ja doch nicht so locker. Ist ja immerhin eine große Sache! Oder nicht? Ich sehe mich um und sehe ein geschäftiges Treiben, hier sind heute jede Menge „Skydiver“ unterwegs, es geht zu wie in einem Bienenkorb. Immerhin gehört ein solcher Sprung für viele Urlauber und Backpacker in Neuseeland zu einem „Must-do“, und Taupo ist berühmt für seine Tandemsprünge.

Also, doch keine so große Sache? Wir durchlaufen die Schleife mit Sicherheitsinstruktionen, ich darf mit Musik aussuchen, die auf meine DVD eingespielt wird (Queen, Blur und U2), dann unterschreiben wir, dass im Falle unseres vorzeitigen Ablebens das Unternehmen nicht dafür haften muss, uns schon schlüpfen wir in einen schicken blauen Overall und ich lerne Damian kennen, meinen glatzköpfigen, gutgelaunten Instructor, (Achtung: Pathos!) in dessen Hände ich mein Schicksal lege. Noch ein Kussi für Sarah und Alejandra, und schon sitze ich im kleinen rosa Flieger mit einer Horde anderer Jäger nach dem großen Kick.

Was mache ich da? Wie war das noch mal? Erst Kopf nach hinten, Hände am Körper, beim drei mal Klopfen auf die Schulter meine Arme ausbreiten und die Banane nicht vergessen (Was? Ach so – Hohlkreuz machen und sich durchbiegen wie eine Banane).

Das Wetter könnte besser nicht sein, wir starten bei Sonne und wenig Wind. Es ist laut in der kleinen Maschine. Auf halber Strecke ruft mir Damian letzte Instruktionen zu, die schwer zu verstehen sind, aber auch, welchen Berg man wo sieht und wo die Westküste zu sehen ist. Bei 12.000 Fuß kippt die Maschine zur Seite und wir verlieren die halbe Mannschaft – den ersten Schwung an Springern.

Es wird wegen der enormen Höhe Sauerstoff durch Masken gereicht. Ich hätte ja nicht gedacht, dass ich mal in einem Flugzeug sitze und eine Sauerstoffmaske aufsitzen habe, wie man das aus den Sicherheitsvideos von Fluglinien für den Katastrophenfall kennt.

Und dann geht alles ganz schnell: Maske runter, Sichtschutz auf, plötzlich sitzen wir an der Türschwelle und unter mir klafft der endlose Abgrund. Damian drückt meinen Kopf an seine Schulter, und was dann folgt, ist das absurdeste Gefühl, dass man sich nur vorstellen kann. Man rast mit unvorstellbarer Geschwindigkeit in das Nichts herab. Es ist sehr kalt, meine Ohren rauschen und knacken, die Luft pfeift durch alle Löcher in meinem Gesicht und pustet mich ordentlich durch. Ich versuche, alles aufzusaugen, die Eindrücke, das Gefühl. Dabei mache ich ein paar Faxen in die Kamera an Damians Handgelenk, denn man will, dass das Ganze im Erinnerungs-Video auch lustig aussieht.

Und dann reißt es mich gewaltig hoch, nun schweben wir gemütlich über die wunderbare Landschaft. Erleichterung macht sich bei mir breit – der Fallschirm hat sich geöffnet, wie er sollte, jetzt ist ja alles im grünern Bereich! Damian verschafft mir mit ein paar wilden Drehungen Achterbahn-Gefühle, bis wir schließlich nach einigen Minuten wieder auf unseren Hintern landen. Wow – das war wirklich unglaublich!

Ich fühle mich wie ein Riese, als ich zum Gebäude zurücklaufe und meine Lieben in die Arme nehme. Danke an alle, die mir ein so wunderbares Geschenk zu meinem Geburtstag gemacht haben!

Ich weiß nicht, ob ich jemals so etwas wieder tun werde. Im Moment denke ich, eher nicht, auch wenn es wirklich eines der schönsten und intensivsten Erlebnisse meines Lebens war.

Viele haben mir anschließend geschrieben: „Wow, das würde ich mich nie trauen, da hätte ich viel zu viel Angst!“ Ich frage mich, ob das Ganze wirklich so gefährlich ist. Wenn man etwas recherchiert (was ich erst NACH dem Sprung gemacht habe), trifft man bei verschiedenen Quellen auf recht ähnliche Zahlen über das Risiko eines tödlichen Unfalls. Gemessen an der Anzahl der Sprünge und der fatalen Zwischenfälle ist das Risiko in etwa 1 zu 100.000, tödlich zu verunglücken, wenn man einmal pro Jahr springt. Wie ist das mit Auto fahren? Fährt man im Schnitt z.B. 8.000 km pro Jahr, ist das Risiko eines tödlichen Unfalls 1 zu 12.000 (Statistik mit Daten aus den USA)

 Also? Ich war sicherer als in einem Auto! 😉

 Die Neuseeländer scheinen ihre ganz eigene Einstellung zu Extremsportarten und ihrem Risiko zu haben. Hier springt so ziemlich jeder von allem herunter, was aussieht wie eine Brücke, ein Berg, ein Felsvorsprung oder eben ein Flugzeug.

Es ist DAS Land der Extremsportarten. Kein Wunder also, dass AJ Hackett hier 1986 den ersten Bungee-Sprung absolvierte und als Pionier diesen Sport 1988 kommerziell machte. In Queenstown kann man immer noch von der Kawarau-Brücke in 43 Meter Tiefe den originalen Bungee-Sprung machen. Wer es weniger authentisch, dafür aber höher mag, kann sich auch in Quennstown mit dem Nevis Jump 134 Meter in den Abgrund stürzen. Das ist aber noch nicht mal nahe dran am Weltrekord: Von der Royal Gorge Bridge in Colorado, USA, kann man sich 321 Meter in die Tiefe stürzen!!

Die Liste an wilden Sachen, die man hier treiben kann, könnte ich jetzt endlos fortsetzen und doch nie vervollständigen.

Vielleicht noch ein paar interessante Aktivitäten, die es so nicht überall gibt:

  • ZORB: In einer durchsichtigen, aufblasbaren Kugel mit zwei Schichten, lässt man sich einen Berg hinunterkugeln. Klingt komisch, ist es auch!
  • Sandboarding: Wem normales Surfen zu nass ist, reitet mit dem Board in einem Affenzahn eine Sanddüne hinunter.

von Julian

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Ein Kommentar zu „MY Skydive Adventure

    Bauer sagte:
    Dezember 10, 2013 um 8:09 pm

    Da haben wir ja Glück gehabt, dass alle Zaehne drin geblieben sind. Alle wusstenn es, nur wir nicht……… please never do it again. TROTZDEM, Glückwunsch,
    GRUSS Ama

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