Im Westen nichts Neues

Gepostet am Aktualisiert am

Julian am Geburtstags-e-mail-checken im Schooner Café, Omapere, Neuseeland 2013Der Norden der Nordinsel ist ein heiteres Fleckchen Erde. Hier gibt es das hippe Whangarei, welches hervorragend als Aufgangspunkt für allerlei Naturhighlights in der Umgebung wie die Abbey Caves oder die Whangarei Heads genutzt werden kann. Weiter nördlich liegen die unvergesslichen Bay of Islands, die zum segeln einladen. Und noch ein Stückchen höher kann man das Cape Reinga mit seinem großen Leuchtturm und seinen unberührten Landschaften bestaunen.

All diese Orte liegen (süd-)östlich am oder am Rande des State Highway 1. Bisher sind wir diesem Pfad brav gefolgt. Als wir uns jedoch überlegen, welche Route wir wieder Richtung Süden nehmen, entscheiden wir uns spontan für den Westen. Denn wenn wir ehrlich sind, wissen wir nichts von dieser Region, außer, dass es da viele der berühmten Kauribäume gibt. Und wenn wir noch ehrlicher sind, haben uns diese Kauribäume nie wirklich interessiert.

Trotzdem haben wir große Lust, uns diesen Teil der Nordinsel anzusehen und seine Menschen kennenzulernen. Denn im Gegensatz zur Ostseite kommen hier nur wenige Touristen an. Fast alle Backpacker-Unterkünfte, die man nebenbei bemerkt an einer Hand abzählen kann, sind BBH-Mitglieder. Warum, fragen wir Sue, die freundliche Gastgeberin unseres Hostels „Globetrekkers Backpackers“ in Omapere. „Die Westseite ist touristisch viel unattraktiver als die Ostküste. Ein Hostel nach dem anderen schließt hier, weil kaum Besucher kommen. Die meisten machen nur eine Stippvisite. Guckt Euch nur mal den Wetterbericht an. Da wird auf der interaktiven Karte niemals eine Stadt an der Westküste erwähnt. Um also überhaupt auf sich aufmerksam zu machen, muss man BBH-Member sein!“ Sie lacht und guckt unsere Alejandra an: „Und Kinder haben wir sowieso selten als Gäste.“ Wir schmunzeln, denn es ist nicht nur an der Westküste so. Während unserer gesamten Zeit haben wir erst eine einzige reisende Familie getroffen.

Wir fragen Sue nach einem Internetzugang. Denn gäbe es leider hier nicht, versichert sie uns mitleidig – die bedröppelten Gesicher der Backpacker, die sich bei dieser Frage einen Wifi-Code erhofft haben, kennt sie wohl schon. Sie rät uns, das Schooner Café am South Highway 12 aufzusuchen, da dieses Internet anbieten würde. Gleichzeitig beginnt sie uns zu erklären, dass das Internetzeitalter in Neuseeland, insbesondere an der Westküste, noch in den Kinderschuhen steckt. Volumenlimitiertes Internet sei hier normal, da die Nachfrage nach Broadband nicht ausreichend wäre. Neuseeland hätte eben nur vier Millionen Einwohner – davon seien vielleicht eine Millionen Menschen zu alt, zu jung, zu krank oder im Gefängnis, und haben deswegen kein Interesse am Internet. Sue bietet uns allerdings an, für 2$ pro halbe Stunde an ihren PC zu gehen. Für uns ist das Steinzeitalter 2.0!

In Omapere ist wirklich nicht viel los. Die meisten Häuser stehen zum Verkauf und es gibt hier nur eine Gas Station und einen winzigen Gemischtwarenladen. Wir sehen einige, als Zombies verkleidete Kinder auf der Straße, denn es ist Halloween. „Trick  or Treat“ rufen sie uns zu. Artig geben wir einige unserer Süßigkeiten ab, was wiederum zu lautstarkem Protest von Alejandra führt. Ich schnappe mir also mein Kind und packe sie, notdürftig verkleidet, in unseren Carrier, um auch auf Candyjagd zu gehen. Das klappt sogar: Alejandra lernt schnell, dass sie nur „Trick or Treat“ sagen muss und schon hat sie einen Lolli oder Schokolade in der Hand.
Als wir in eine Maori-Siedlung einbiegen, müssen wir allerdings unsere gesamte Ausbeute wieder abgeben. Die Kinder kommen neugierig aus den Häusern gestürmt und bestaunen unser Vorhaben. Sie fragen uns, woher wir kommen und warum wir ausgerechnet hier in Omapere Halloween zelebrieren. Während ich von Alejandra und unseren Reisen erzähle, verspeisen sie alles, was wir gesammelt haben und bieten uns wiederum ihre Süßigkeiten an. Obwohl es zwischendurch höllisch anfängt zu regnen, stehen wir eine Dreiviertelstunde zusammen und unterhalten uns. Gott sei Dank, denke ich, gibt es hier kein Internet Access. Ansonsten wäre ich, besonders bei dem Schmuddelwetter, nicht vor die Tür gegangen, wäre hinter dem PC versunken und hätte niemals diese netten Menschen kennengelernt.

Unser Internet bekommen wir aber trotzdem noch. Am nächsten Tag, es ist Julians Geburtstag, mampfen wir ein leckeres Stück Kuchen im Kaffee Schooner bei Kaiserwetter. Nebenbei wird Facebook und Whats app gecheckt. Im Westen gibt es zwar nichts neues, doch dafür haben wir ein umso höheres Bedürfnis zu erfahren, was im Rest der Welt passiert.

5 Kommentare zu „Im Westen nichts Neues

    Jenny sagte:
    November 12, 2013 um 9:11 am

    „Gott sei Dank, denke ich, gibt es hier kein Internet Access.“
    Das hast du wunderschön auf den Punkt gebracht, Sarah – die ständige Erreichbarkeit des Digital Nomad hat eben auch ihre Schattenseiten, und dass NZ in großen Teilen noch eine Internetwüste ist, hat für Reisende offenbar durchaus seine Vorteile!

    little kingstown sagte:
    November 12, 2013 um 10:59 am

    Wie schön, daß Ihr in eine gewisse Ruhephase gekommen seid und Euch einfach treiben lassen könnt, ohne Zeitdruck.
    Hier hatten wir die erste Frostnacht, morgens 0,5 plus,aber sonnig. Winterbereift warten wir nun auf den ersten Schnee, während Ihr dem Sommer entgegen fahrt. Auf der kleinen Terrasse auf der grünen Wiese würde ich jetzt auch gern sitzen. Alles Liebe von der Ama

    Michael sagte:
    November 12, 2013 um 11:52 am

    Hallo, immer schön mit der Ruhe und geniessen. Wir bewundern immer wieder Alejandra, die das alles so mitmacht und sich freut. Jane und ich „rheumatisieren“ so vor uns hin, bei dem Wetter. Vielleicht wäre es auf NZ derzeit besser für uns??

    Gruß Paaaaaaaaaaaa

    MaOmi sagte:
    November 15, 2013 um 11:52 am

    Ohhhhh- das gefällt mir guuuuuut!!!! Aber so richtig! Kussi, MaOmi

    MY Skydive Adventure | Familie Bauer auf Weltreise sagte:
    Dezember 7, 2013 um 8:58 pm

    […] Sandboarding: Wem normales Surfen zu nass ist, reitet mit dem Board in einem Affenzahn eine Sanddüne hinunter. […]

Hinterlasse uns ein Kommentar!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s