Road to nowhere

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Abendspaziergang am Uretiti Beach, Waipu, Neuseeland 2013Als wir noch in Deutschland waren, wurden wir oft nach einer Reiseroute gefragt, die wir für Neuseeland geplant hätten. „Ihr habt doch eine geplant, oder?“ – „Nein, denn das ist ja der Gag der ganzen Reise – nichts groß zu planen“, entgegneten wir immer wieder.

Dies ist tatsächlich unsere erste Reise, in der wir keine Route planen. Wir hatten vorher einfach nicht ausreichend Zeitkapazitäten, um planlos zu sein. Das klingt erstmal grotesk. Wenn man „nur“ ein paar Wochen Reisezeit hat, plant man eben genauer, was man gerne sehen möchte. Doch gleichzeitig wird Reisen dann genauso durchorganisiert wie das Alltagsleben zuhause. Wir haben das als stressig empfunden. Und freuen uns jetzt, mal auf eine ganz neue Art durch Neuseeland zu reisen.

Unser Resümee? Es ist einfach fantastisch. Ich glaube, ich habe mich noch nie so frei gefühlt. Oder ich habe vergessen, wie es ist, morgens einfach aufzuwachen und nicht mehr auf die Uhr zu gucken. Anziehen. Waschen. Frühstück machen. Und dann die Frage: Gehen wir an den Strand, Sandburgen bauen und Eisverkaufen spielen? Oder packen wir Alejandra in den Carrier und laufen zum 8km entfernten Supermarkt, weil man dabei so schön spazieren kann und wir auch noch frische Früchte brauchen? Das Zeitgefühl spielt auf jeden Fall überhaupt keine Rolle mehr, denn die Zeit gibt nicht mehr den Takt an.

Die Orte, an denen wir bleiben, suchen wir uns spontan über unseren Lonely Planet aus. Manchmal entdecken wir ein interessant klingendes Hostel. Dann rechnen wir nach, ob wir noch ausreichend Geld für diesen Monat haben, um eine Nacht in einem Hostel schlafen zu können. Alternativ dazu suchen wir uns irgendeinen Platz mit Free-Wifi (vorzugsweise – auch als Vegetarier – Mc Donalds oder öffentliche Einkaufsplätze, denn dort gibt es immer kostenloses Internet) und suchen schöne Plätze zum schlafen am Strand im Netz oder schreiben Couchsurfer an.

Die letzten Tage haben wir uns Waiheke Island als Zwischenstation ausgesucht. Die Insel liegt im Hauraki Gulf, 35 km von Auckland entfernt. Wir lassen Moana Klümmel am Hafen stehen und fahren mit der Fähre zum Matiatia Wharf. Von dort aus erreichen wir mit einem Bus unser Hostel „Kinas Backpackers“, das direkt über dem Onetangi Beach auf einem erhabenen Hügel verweilt. Im Hostel sind alle sehr nett und vor allen Dingen suuuper entspannt. Man kann nur ahnen, dass die Insel neben Weinfetischisten und Künstlern nach wie vor von Althippies besiedelt wird. Die Atmosphäre ist ganz anders als beispielsweise in unserem Hostel in Auckland. Dort waren die Leute zwar auch freundlich, aber vergleichsweise eher distanziert und konnten das gar nicht so richtig fassen, dass da eben jetzt auch eine zweijährige Pippi Langstrumpf zwischen ihren youth-backpacker-feelings herumhüpft. Im „Kinas“ erleben wir es anders. Die Hosts haben selbst drei kleine Kinder, die alle zwischen den Backpackern rumwuseln und mit ihnen spielen. Wir treffen auch noch eine weitere Reisefamilie aus den USA, die mit ihrem vierjährigen Sohn Artrea schon drei Jahre auf Reisen sind. Alejandra freut sich an den anderen Kindern. Die Sprachbarriere ist beim spielen kein Problem. Mittlerweile beginnt sie selbst, ein paar Brocken Englisch zu reden.

Wir verbringen eine tolle Zeit auf Waiheke Island und dürfen pure Gastfreundschaft erleben. Wenn wir mit Alejandra unterwegs sind, werden wir von fremden Menschen im Auto aufgegabelt, die uns zum nächsten Supermarkt mitnehmen und uns anschließend noch auf einen Kaffee zu sich nach Hause einladen. Wir kommen ins Gespräch. „Ach, ihr sucht noch einen Schlafplatz? Ihr könnt hier wohnen!“

Oftmals drehen sich Julians und meine Gespräche – und wir haben viel Zeit zum reden hier – um die Frage, warum die Menschen in Neuseeland so viel offener und herzlicher erscheinen als die Menschen in Deutschland. Habt ihr eine Antwort? Liegt hier was in der Luft?  Ist es die immer weitläufige Sicht auf den Horizont, die einem das Gefühl von Platz und Raum gibt? Wir wissen es nicht. Wir haben einfach nur die Gewissheit, am richtigen Ort zu sein, egal, an welchen wir uns gerade befinden.

3 Kommentare zu „Road to nowhere

    MaOmi sagte:
    Oktober 20, 2013 um 6:04 pm

    Mannomann seht Ihr drei entspannt aus, das tut Euch allen sehr gut- und dann bin ich auch glücklich! Dem Hl. Antonius hab ich auch schon Danke gesagt, wegen der Gitarre..:). Also ich glaube Entspannung kommt dadurch, daß man nicht verhungert und einen großen Himmel über sich hat UND das man das überhaupt mal bemerkt- vielleicht merken das die Neuseeländer einfach eher.Ganz sicher kommen sie mir überhaupt nicht gierig vor. Der Kölner sagt ja : Jönne könne. Also nicht gieren, sonderm jedem das seine lassen. Isch jönn üsch daaat un leeve üsch, die Mam

    luiju65 sagte:
    Oktober 20, 2013 um 7:25 pm

    Ihr seht richtig nach Sonne und Seeluft aus. Wieder tolle Bilder. Die Maus sieht sehr happy und suess aus. Wann berichtet Ihr ueber die Naechte in M.K. LIEBE GRUESSE VON AMA

    Annette Roos sagte:
    Oktober 21, 2013 um 1:14 pm

    Liebe Bauers,
    wir haben es leider verpaßt euch eine gute Reise zu wünschen, so wie die Urlaubspostkarte, die man im Koffer mit nach Hause bringt ist das:
    Wir haben die restlichen Brombeeren und die Trauben gegessen und sind alle drei in Gedanken bei euch.Bleibt gesund.Auf jeden Fall senden wir euch die Bilder vom ersten Schnne hier in good old gemany. Felix,Annette und Martin

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