Kulturschock

Gepostet am Aktualisiert am

Lampions in Chinatown, San Francisco, USA 2013Wir sind nicht die ersten und werden nicht die letzten sein, die über ihren USA-Aufenthalt bloggen. Aber wir dachten, wir wären die letzten, die sich in den USA wie in einer anderen Welt fühlen. USA, so dachten wir, ist westlicher als westlich und uns gar nicht mal so unähnlich. Objektiv betrachtet ist das wohl auch so: überall Kaufhaus-Ketten, Mc Donalds und Hochhäuser, die an klassische Business-Metropolen erinnern. Aber die kulturellen Unterschiede, zumindest hier in San Francisco und in der Umgebung – wir haben keine Vergleichsmöglichkeiten -, sind enorm.

In den deutschen Medien las man in den vergangenen Wochen, vor allem im Zuge des politischen Wahlkampfes, dass die Schere zwischen arm und reich immer weiter auseinander geht. Uns ist hier zum ersten Mal bewusst geworden, wie breit diese Schere sein kann. Entweder, wir begegnen auf der Straße jungen, hippen und coolen Menschen, die mit Coffee-to-go zur Uni (Berkeley) oder zum Büro eilen, und dabei ziemlich gut gestylt sind. Oder uns laufen sehr arme, teilweise auf der Straße lebenden und oftmals sehr verwirrte Menschen über den Weg, die gar nichts mehr haben, mitten auf der Straße aus dem Kassengestell-Rollstuhl fallen, offensichtlich wochenlang nicht geduscht haben, und an denen die hippen, jungen und coolen Business-Uni-Menschen einfach vorbeilaufen, ohne ihnen aufzuhelfen. Vielleicht ist das ein Automatismus, in den man hier gerät, um sich selbst von der sozialen Unterschicht abzugrenzen. Oder angesprochen zu werden. Zum Beispiel von jemandem, der offensichtlich auf Drogen ist und das nicht zu knapp und Dir erzählt, dass er im zweiten Monat schwanger ist, damit Du Mitleid hast und ihm Geld gibst. Der Kontrast ist wahnsinnig stark, viel stärker als in Deutschland.

Das soll jedoch nicht den Eindruck erwecken, dass wir uns hier in einer Gemeinschaft voller Egoisten aufhalten, in der jeder sein eigenes Süppchen kocht. Wir selbst erfahren sehr viel Hilfsbereitschaft, beispielsweise, wenn wir uns mit dem Bus verfahren haben und uns der Busfahrer kostenlos an unsere Haltestelle zurückfährt und Sätze sagt wie:“ We do this together!“ Das tut gut. Auch wenn wir es immer noch gewöhnungsbedürftig finden, wenn der Busfahrer eine Knarre am Halfter hängen hat. Aber vielleicht ist das hier einfach so. Und wir sind die Grünschnäbel aus einer kleinen Stadt nahe Frankfurt, die mal aus dem Nest rausgeschmissen werden und Realitätsluft schnuppern.

Wir lernen auch viel Alltagstaugliches über das Leben in den USA. Wenn man beispielsweise über die Straße geht und die Ampel die Sekunden anzeigt, die die Fußgänger noch zum überqueren der Straße übrig haben, ist es ziemlich uncool, die letzten Sekunden „einen Zahn zuzulegen“, um schnell auf die andere Seite zu kommen. Damit outet man sich als Tourist. Oder, dass man sich entweder als Tourist oder asiatischer Ramschladen-Verkäufer in Chinatown aufhält – übrigens trotzdem ein wahnsinnig spannender Ort, wenn man Pagoden und viele Lampions sehen und nette Gespräche mit Verkäufern führen möchte. Ein Verkäufer hielt unsere Alejandra übrigens für einen siebenjährigen Jungen und konnte es nicht glauben, dass sie mit ihren zwei Jahren doppelt so groß war wie sein zweijähriger Sohn.

Alles in allem fühlen wir uns wohl hier in San Francisco bzw. Kensington, wo wir bei unserem Freund Patrick wohnen. Einen besseren Gastgeber muss man erst mal finden. Uns fehlt es hier an nichts, weder an XXL-Mega-Super-Size-Eispackungen mit Marshmellows und Schokolade, noch an frischem Obst, welches er selbst in den späten Abendstunden noch für uns organisiert. Wir freuen uns auf unsere verbleibenden Tage, die wir heute mit einem Roadtrip Richtung Süden einleiten.

4 Kommentare zu „Kulturschock

    little kingstown sagte:
    Oktober 4, 2013 um 5:06 pm

    Wir lesen, sehen und staunen…….Eure Ama und Apa

    Michael sagte:
    Oktober 4, 2013 um 5:20 pm

    Hallo Ihr Lieben, ältere Inhabitants werden sich an mich erinnern, war ich doch 1980 da. – Ich bin auch mit dem Greyhound nach Süden gefahren worden, mit 17-miles-drive und Endziel Monterey (Cannary Row) – Ja-da war ich nicht dabei- 1849 kamen die Goldgräber und der Dichter sagt: In 49 the miners came, the whores in 51, and that what they produced, that was the native son.

    Viele Grüße Paaaaa

    Moni sagte:
    Oktober 4, 2013 um 6:07 pm

    San Francisco ist schon eine sehr besondere Stadt und auch uns hat es in Chinatown besonders gut gefallen- wir haben dort die weltbesten Nudeln gegessen ! Wir sind schon sehr gespannt wie es weiter geht !

    Michael sagte:
    Oktober 5, 2013 um 8:13 am

    Hallo, an der Pazifikküste stehend könnt Ihr nicht bis an das Ende der Welt sehen wegen: N e b e l. Der sehr kalte Pazifik trifft sich mit der warmen-feuchten Luft, kühlt diese ab und weiter als bis zur 3. Brandungswelle kann man nicht sehen. Deswegen ist die Bay auch erst spät entdeckt worden.
    Gruß Paaa

Hinterlasse uns ein Kommentar!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s