Meet us, don’t eat us!

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Alejandra muss eine Schwimmweste tragen. Whale Watching Faxaflói Bay, Island 2012Ein Morgen in Budir, Snæfellsness: Alle sind ganz aufgeregt – eine große Gruppe mit Sturmgepäck und Geländewagen, die sich wohl zu einer Expedition auf den Snaffellsjökull aufmachen (vielleicht suchen sie UFOs?), und wir drei, weil wir endlich mal nach Reykjavik kommen.

Nach einem kurzen Abstecher über Olafsvik, wo wir nebenbei an der Tanke erfahren, das Ben Stiller hier vor kurzem eine ganze Zeit gewohnt hat, um seinen neuesten Film zu drehen (aber keiner weiß so genau, wie der heißt oder wann der kommt – Egal), geht es endlich mit unserem Touran und guter Laune in die Hauptstadt Islands. Reykjavik heißt übersetzt „Rauchbucht“, mittlerweile leben hier 120.000 Menschen, also jeder dritte Isländer, und die Tendenz ist auch hier steigend, denn auch in Island gibt es Landflucht, ist doch diese Region die einzige so richtig städtische in diesem Land.

Wir sind gespannt auf die nördlichste Hauptstadt Europas. Die höchste hier je gemessene Temperatur war 24,8°C (2004), selten wird es über 20°C. Und nach ein paar Tagen Vulkangestein, Pferde, Schafe, Höfe und Meer satt ist es schon befremdlich, plötzlich wieder auf einer zweispurigen Strasse zu Fahren. Plötzlich ist da eine Ampel! Und Blitzer, jede Menge, wir trauen unseren Augen nicht. Und ein Baumarkt (Bauhaus!) und Mietshäuser und Yuppies und Mode und was in Städten halt so gibt. Ein richtiger Kulturschock!

Wir checken in unserem neuen Hotel ein, das wie alle bisherigen Unterkünfte einen ganz eigenen, gehobenen Charme hat, und machen uns zu Fuss auf in die Altstadt. Dabei lassen wir einmal Revur passieren, was hier alles so typisch für Land und Leute ist:

Familie Bauers 1 x 1 der Isländer:

  • Die Frauen haben blonde oder blondierte Haare mit gezupften und dunkel angemalten (oder gefärbten?) Augenbrauen. Hier wohl Pflichtprogramm…
  • Touristen laufen bei ca. 5 °C wie dick eingepackte Schneemänner und mit Islandpullover herum, während die Isländer Flip Flops, kurze Hosen oder Tops tragen
  • Das Wasser in den Duschen riecht immer nach abgebrannten Feuerwerkskörpern. Und der Schwefel im Wasser greift unsere Silbersachen an und färbt sie dunkel. Besonders traurig: Julians Ehering und Sarahs Lieblings-Neuseeland-Halskette von Jane 😦
  • Es gibt hier mehr Unisex-Toiletten als getrennte, stille Männlein-Weiblein-Örtchen
  • Die Jugend, auch im Dienstleistungssektor, hat keine Höflichkeitsfloskeln drauf. Auch sonst wirken die Isländer auf den ersten Blick oft sehr verkniffen. Auf den zweiten Blick sind wie aber gaaaaaaanz lieb 🙂
  • Die Marke 66° North verdient sich hauptsächlich an den doofen Touris (wie z.B. Uns) eine goldene Nase. Merke: Vertraue nie der Wettervorhersage für Island, die Temperaturen sinken sowieso unter 0°C.
  • Fast jeder hat in seinem Hinterhof eine „Hot Tub“, also einen Pool oder eine Badeaanne mit direktem Zufluss aus einer heißen Quelle, also ohne künstlich erzeugte Hitze.
  • Hier gibt´s keinen McDonalds. Dafür gibt es Walfleisch auf den Restaurant-Karten, hauptsächlich für die Touris. Also liebe Islandbesucher: Kein Walfleisch mehr essen, dann gibt es auch kein Walfleisch mehr im Angebot.

Wahrscheinlich ist die Liste noch lange nicht vollständig.

Auf dem Weg zum Hafen sehen wir die ersten eindrucksvollen Bauwerke, hoch über der Stadt etwa „Perlan“ mit den 6 großen Warmwasserspeichern, aus denen die ganze Stadt mit warmem Wasser versorgt wird. Im Winter werden hierüber sogar die Gehwege geheizt (!). Und die gesamte Stromversorgung Islands basiert auf erneuerbaren Energien!

Ein Tank von Perlan ist trockengelegt und beherbergt nun ein Saga-Museum. Am Hafen haben wir dann den Blick auf das Konzerthaus Harpa und von weitem die beeindruckende große Kirche, die Hallgrimskirkja. Und plötzlich stehen wir vor einem großen Segler mit drei Masten, einer Bark mit grünem Rumpf, und auf den Rahen stehen jede Menge Matrosen. Es ist die Alexander von Humboldt II, der Nachfolger der Alexander von Humboldt (die mit den grünen Segeln), die wie ihre Vorgängerin ein Ausbildungsschiff ist und vor nicht mal einem Jahr erst in Bremerhaven getauft wurde. Wenn das der Commodore in Königstein sehen könnte!

Reykjavik ist weniger eine Metropole, dafür fehlt es an bombastischen Bauten oder Millionen wuselnder Geschäftsleute, sondern besticht durch unprätentiösem Charme mit bunten Hausfassaden und ausgefallenen Geschäften und Cafés.

Wir lassen und durch die Gassen und Geschäfte treiben und landen schließlich in einem schnuckeligen Café, wo wir etwas zu Essen bestellen. Während Alejandra in Tiefschlaf verfällt, machen wir eine schockierende Entdeckung: Hier kann man ein Walsteak bestellen –  Minkwahl auf der Speisekarte. Wir erfahren später, das man in sehr vielen Restaurants in der Stadt Walfleisch bekommt, hauptsächlich wegen der Touristen, die das mal probieren wollen. Allein deswegen wird hier wohl noch hauptsächlich Walfang betrieben. Das macht uns traurig. 😦

Auf dem Heimweg fängt es dann noch an zu regnen. Im Hotel beschließen wir, für den nächsten Tag eine Whale Watching Tour in der Faxaflói Bay zu buchen und suchen das Unternehmen Elding raus, das die Sache aus der Sicht der Meeres-Säuger auf den Punkt bringt: Meet us, don´t eat us!
Auf der Tour sehen wir übrigens Minkwale, Weißschnauzendelfine und Schweinswale. Alejandra ist auch mit dabei und ist etwas unleidlich wegen der großen Schwimmweste, die sie tragen muss. Wirklich bescheuert – in unserem Carrier wäre sie wahrscheinlich zehn Mal sicherer gewesen.

5 Kommentare zu „Meet us, don’t eat us!

    Vera Pohl sagte:
    September 3, 2012 um 3:30 pm

    Die kleine Seemannsbraut wird bestimmt mal die größte Walbeschützerin der Welt!!!!! Hab Euch lie, viel Spaß!!!!, MaOmi

    Vera Pohl sagte:
    September 3, 2012 um 3:31 pm

    B vergegessen: HAB EUCH LIEBBBBBB!!!!

    Bauer sagte:
    September 4, 2012 um 8:53 am

    Hallo Ihr drei Meenzer, Ihr seid imstande und schafft das geplante Einborden für die Rückfahrt. Da könnt Ihr Euch dann mal drei Tage erholen. Das Gute am Blog ist, daß man Gegenden kennen lernt, von denen man noch nie etwas gehört hatte.
    Aber eines ist klar: Weder die Landschaft, noch die Wasserschaft oder Walschaft, der absolute Star ist die kleine >Maus, die alles durchschaut. – Hoffen wir weiter, dass Mensch und Material durchhalten und heil auch die letzte Etappe schaffen.
    Viele Grüße Paaaaaaaaaaaaaaaaaa

    Julian sagte:
    September 4, 2012 um 12:19 pm

    Hallo Vera! Wie haben Dich auch lieeeBBBB!

    Hallo Königsteiner: Ja, unsere kleine Maus ist hier wirklich der Star, macht Euch keine Sorgen, wir kommen schon wieder heile an. 🙂

    RAM254 sagte:
    März 30, 2016 um 8:04 am

    Hallo 🙂
    Sehr cool! Island ist schon ene Sache für sich.
    Bei der Liste kann ich noch ein paar Sachen hinzufügen aus eigener Erfahrung: https://ram254.wordpress.com/2016/02/01/wechselhaftes-island/
    LG

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