„If there is a Doctor on Board, please come to reception NOW!”

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Unser Schiff setzt die Segel! Hirtshals, Dänemark 2012Mit Sauwetter sind wir am Samstagmorgen nach Hamburg gestartet. Brrr, ich erinnere mich wieder daran, was es heißt zu frieren. 13°C!

Wir fahren Richtung dänische Grenze. Vorher tanken wir noch und hauen uns den Bauch am Frühstücksbuffet irgendwo im Nirgendwo voll. Daran könnten wir uns gewöhnen!

In Dänemark ändert sich landschaftlich außer der „Achtung Hirsch“-Schilder nicht viel. Auch nicht das Wetter. Wir kommen in einen derart fiesen Platzregen, dass auf der Autobahn nur noch mit 30 km/h geschlichen wird. Julian und Alejandra verschlafen die knallende Freiluftdusche und ich versuche, nicht in Aquaplaning zu geraten. Der Regen ist so laut, dass nicht mal mehr der Gesang von Michael Hutchens zu hören ist. INXS entwickelt sich übrigens aus irgendeinem Grund zu einer Art Reisesoundtrack bei uns. Schon bei den Vorbereitungen für die Reise lief immer nur INXS. Ähnlich wie Röyksopp und La Gomera. Aber das ist eine andere Geschichte.

Irgendwann haben wir aber auch das miese Wetter hinter uns gelassen und die Luft erwärmt sich zunehmend. 20°C sind es dann plötzlich oberhalb von Kolping und wir haben wieder einen Grund, etwas Frischluft ins Auto zu lassen. Alejandra und Julian sind derweil auch wieder wach und es gibt Essen. Alejandra bekommt dank unseres tragbaren Minikochers ein leckeres, warmes Hipp-Gläschen auf dem Rücksitz spendiert. Für Julian und mich gibt es Gummibärchen und Vollkornkekse, also alles sehr kulinarisch.

Am Nachmittag haben wir es dann geschafft. Wären wir noch weiter gefahren, wären wir wohl in die Nordsee geplumpst. Aber in Hirtshals, ein kleiner Ort an der dänischen Küste, legt schließlich unser Schiff Richtung Faröer Inseln und Island ab.

Alles läuft problemlos. Wir dürfen uns direkt in die Autoschlange stellen, ohne dass etwas kontrolliert wird. Theoretisch hätten wir noch ein paar blinde Passagiere einladen können, es wäre keinem aufgefallen. Nach einer Stunde Warten und viel rennen mit Alejandra fahren wir dann in den riesigen Schiffsbauch hinein. Da waren wir schon ein wenig beeindruckt. Ganz zu schweigen von Alejandra, die immer nur „OOOOHHH“ und „DAAAA“ rief.

Zackig, zackig geht es weiter. Auto parken, raus mit dem Gepäck, ab in die Kabine und … STAUNEN! Wir haben eine Viererkabine mit Außenblick und sind überrascht, wie viel Platz wir dann doch zur Verfügung haben. Richtig gemütlich ist es und wir richten uns rasch ein. Wir verpassen dennoch die Abfahrt. Das Schiff gleitet so sanft übers Wasser, dass man überhaupt nichts davon mitbekommt. „Na ja, die Nordsee ist halt doch eine Badewanne“ stelle ich fest, während der Kapitän die Durchsage macht dass es spätestens ab der Höhe Großbritanniens ziemlich wild werden wird mit Wellen bis zu 3 m. AHOI!

Am frühen Morgen werden wir von einer Durchsage geweckt: „If there is a Doctor on Board, please come to reception NOW!” Julian springt hastig auf und düst los. Für Alejandra und mich bleiben nur Milchfläschchen und Pumuckel, doch was sollen wir machen – Papa muss sogar im Urlaub arbeiten. Aber es lohnt sich. Als Dankeschön für seine Mühen bekommt er einen Dinner-Gutschein. Sehr gut, das Dinner hier an Board ist nämlich so teuer, dass wir uns lieber von Keksen und Müsliriegeln ernähern. P.S.: Der Einsatz war glücklicherweise für den Patienten angenehmer als für Julian. Während dieser schnell wieder fit war, kämpfte Julian mit der Entwicklung des hohen Seegangs. So ging es leider den meisten Menschen hier an Board. Überall sahen wir Frauen oder Männer, die ihren seekranken Partnern kleine Frühstückstabletts aufgeladen mit Banane und Weißbrot in die Kabine brachten. So mussten das Alejandra und ich dann heute Morgen auch machen und sind erst einmal alleine frühstücken gegangen. Doch dank Alejandras unermüdlichen Charme und ihrem Bedürfnis, mit allen Leuten ein Gespräch anzufangen, war ich erfreulicherweise nicht lange allein am Tisch 🙂

Mittlerweile geht es Julian aber wieder besser. Als wir an den Shetland Inseln vorbei vorbeikommen, ist die See ruhiger. Und wir begeistert! Die Shetland Inseln erstrahlen im saftigen grün und steilen Steinklippen. Wir kommen an einer Insel vorbei, wo angeblich nur 60 Menschen leben. Wir haben eine Frage an die Welt: Wer lebt auf den Shetland Inseln? Sie sind WOW, ATEMBERAUBEND und WOOOOW, aber wer lebt dort? Vielleicht bekommen wir hier ja ein paar Antworten 🙂

Gegen Nachmittag testen wir dann auch den schiffseigenen Pool und die Sauna. Es hat auch seine Vorteile, wenn das halbe Crew-Personal und die Gäste kotzend in der Kabine liegen – wir haben den ganzen Aquabereich für uns alleine. Der Pool erzeugt durch die Schaukelei ganz natürliche Wellen und wir haben unseren Spaß. Und in einer Sauna zu liegen, die bewegliche Böden und Wände hat, liegt man ja auch nicht alle Tage. Und es gibt große Fässer mit warmem Wasser, in denen 2-3 Leute sitzen können. Alejandra sitzt mit Papa in einem und winkt der Mama, die im Fass nebenan entspannt.

Und wie geht es unserer Alejandra sonst? Der macht das Gewackel gar nichts aus. Sie liebt es, auf den langen Fluren laufen zu üben oder im Kinderspielbereich herumzutoben. Freunde hat sie auch schon gefunden. Gestern beim Abendbrot haben wir den 7-Monate-alten Aspion kennengelernt, der mit seinen Mamas eine 15-Tage-Tour durch Island macht. Außerdem ist hier eine riesige Gruppe Kinder von einer dänischen Schule aus Deutschland auf Klassenfahrt mit dem Ziel Färör Inseln. Die können so schnell laufen und laut toben, das findet sie noch viiiel aufregender.

Mittlerweile erholt sie sich wieder bei einem Nachmittagsschläfchen von den ganzen Eindrücken, die ja sooo müde machen…

4 Kommentare zu „„If there is a Doctor on Board, please come to reception NOW!”

    Kathrin. sagte:
    August 28, 2012 um 9:06 pm

    Oh wie schön 🙂 Es scheint Euch gut zu gehen! Auf den Shetland-Inseln – Leben da nicht Ponys??? 🙂

    Kathrin. sagte:
    August 28, 2012 um 9:07 pm

    Auch und den Satz mit dem „Doktor“ – das kommt mir schon irgendwie bekannt vor… kommt das jetzt auf jeder zweiten Reise 😉

    Familie Bauer auf Weltreise sagte:
    August 28, 2012 um 10:49 pm

    Ja Kathrin, da hast Du nicht unrecht… immerhin hat er uns das Abendessen verdient 😀

    MaOmi sagte:
    August 29, 2012 um 8:43 am

    Hab ich richtig geschaut, Alejandra steht sogar auf dem Schiff alleine, kann sie auch schon laufen? Aber ich finde sie sieht etwas müde aus. Das Shetlandpony ladet ihr dann sicher auf der Rückfahrt ein. Es kann ja hinten neben Alejandra und dem Inslandpferd sitzen.Liebe Grüße, MaOmi

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