Vom Sternenhimmel bis zum Meeresboden, von der Urzeit bis Heute – Wellington knows!

Gepostet am Aktualisiert am

Familie Bauer im Te Papa! Wellington, Neuseeland 2012

Seit dem 27.02. haben wir uns in Wellington niedergelassen und genießen die Pause vom Autofahren. Rumreisen macht zwar super viel Spaß aber es bereitet zumindest genauso viel Freude, sich in der Umgebung ohne Zeitdruck etwas umsehen zu können. Und das taten wir bisher auch ausgiebig.

Gestern stand erst mal ein Ausflug zum botanischen Garten und dem nahe liegenden Observatorium an. Vorher stärkten wir uns mit einem kleinen Frühstück in der Gemeinschaftsküche unseres Backpacker „Nomads Capital“. Man oh man, sind da sau hippe, coole junge Leute – zum guten Ton gehört aber weder Spülen noch irgendeine andere Art von Sauberkeit. Es scheint bei manchen Backpackern zu einem gewissen Lebensstil zu gehören, so auszusehen, als könnte man sich morgens weder anziehen noch duschen oder die Haare kämmen. Natürlich tun sie das alles trotzdem, aber es soll eben einfach so aussehen. Und zum Lodderlook gehört eben auch, sich wie eine Wutz in der Küche zu verhalten. Da merken wir dann doch, dass wir keine Reise nach dem Abi unternehmen, ohne den Hauch von Verantwortung spüren zu wollen oder dem Gefühl, ganz genau zu wissen, wie die Welt funktioniert. Wir spülen unser Geschirr immer ordentlich und wischen danach sogar noch die Arbeitsfläche ab! Aber keine Sorge, nicht alle Backpacker sind coole Wutzis. Besonders in den ländlichen Gegenden haben wir immer ziemlich gute Erfahrungen gemacht.

Zurück zum botanischen Garten: Über die Victoria Street kamen wir zu einer Cable Car-Station. Die zog einen direkt hinauf zum botanischen Garten (in Wellington ist einfach alles „rauf“ oder „runter“). Wir landeten in einer 25 Hektar großen Gartenanlage mit tollem Blick über die Stadt und den Hafen. Der botanische Garten ist bereits seit 1844 für die Öffentlichkeit zugänglich und beheimatet die ältesten exotischen Pflanzen Neuseelands. Er ist liebevoll „eingerichtet“ – viele verschiedene Wege führen wie ein Labyrinth wieder hinab in die City. Ganz oben auf einem Hügel befindet sich das Carter Observatorium. Dort wollten wir uns das Ganzkuppelplanetarium ansehen, in dem man eine virtuelle Reise durch das Universum unternehmen kann.

Es war einfach toll! Unter einem riiiiesigen Sternenzelt wurde uns alles über Sternenbilder, die Geschichte der Astronomie und der Entwicklung der Teleskope erklärt. Alejandra staunte nicht schlecht! Aber sie machte die gesamten 45 Minuten des Films keinen Mucks und schlief irgendwann unterm Sternenhimmel ein. Im Anschluss besuchten wir noch eine Ausstellung zum „Big Bang“, dem Urknall. Wir fühlten uns wie Astronauten im Space.
Später gingen wir wieder zu Fuß bei herrlichem Wetter in die Stadt zurück. Dass ist das tolle an der Meeresnähe: Am Vormittag hatte es noch wie aus Eimern gegossen und nun schien die Sonne wärmend auf unsere Nasen. Das Wetter ist hier einfach unberechenbar – da kann auch wetter.com nicht mithalten.

Am Abend fiel uns zum ersten Mal bewusst auf, dass Alejandras Haare richtig anfangen zu wachsen. Is there something in the water??? Ach, wir haben so ein Supermädchen! Das war nach dem Tag gestern richtig müde. Mit aller Kraft versuchte sie sich wachzuhalten, sah aber dabei doch nur aus wie ein Besoffener, der noch versucht, zu tanzen. Vielleicht lags auch an Papas neuer Frisur? Der hat sich nämlich in Wellington die Matte gekürzt.

Heute Morgen machten wir uns schon früh fertig. Wir mussten das Zimmer wechseln und räumten unser gesamtes Gepäck erst mal in eine Kammer, um es später umzuräumen. Dann gings los zur Bushaltestelle Richtung Mount Victoria. Hier fährt die Busnummer #20 und leider nur einmal in der Stunde. Also schnell noch einen Café-to-go geholt (wie jeden Morgen, pfui Instant-Kaffee!!!) und ab in den Wackelbus steil den Berg herauf. Der Mount Victoria ist 196 m hoch und der Ausblick hier ist noch mal schöner als vom botanischen Garten. Wir konnten sogar den Weg Richtung Südinsel sehen und bekamen langsam das Feeling, dass unsere Zeit auf der Nordinsel dem Ende zugeht.

Auf dem Rückweg stiegen wir beim „Te Papa“ aus – DEM Museum Neuseelands. Das Ding ist riesengroß und bietet die Geschichte zur Entstehung Neuseelands, alles zur Kultur der Maori und viele weitere Ausstellungen. Der Eintritt ist frei, das kann man sich gar nicht vorstellen. Das Museum ist mit Abstand das außergewöhnlichste Museum, in dem wir je gewesen sind (Verstaatlichung ist eben doch was Feines).

Auf sechs Etagen bekommt man einiges zu bieten. Wir besuchten erst mal die Entstehung Neuseelands. Vor etwa 130 Mio. Jahren spaltete sich eine Landmasse von dem Superkontinent Gondwana ab und begann 45 Mio. Jahre später, aufgeteilt in die Landblöcke Antarktis, Australien und Neuseeland, auseinander zu driften. Nach weiteren 15 Mio. Jahren, Neuseelands Landmasse war seinerzeit weitaus größer als die heutige, begann ein langsamer Erosionsprozess, der nach 35 Mio. Jahren 60 % der heutigen Landfläche unter den Meeresspiegel befördert hatte. Neuseeland wäre fast verschwunden, wenn nicht ein Verformungsprozess in Form von Aufwerfungen, der durch das Aufeinandertreffen der Pazifischen Platte auf die Australische verursacht wurde und vor etwa 26 Mio. Jahren begann, Neuseeland neu gebildet hätte, wobei dieser Prozess bei weitem noch nicht abgeschlossen ist. Die meisten Bergformationen hatten sich durch tektonische Verschiebungen bereits vor 5 Mio. Jahren gebildet, andere Berge und Landschaften entstanden durch vulkanische Aktivitäten. Neuseeland ist erheblich geprägt durch diese geologischen Prozesse der Erde und zählt auch heute noch zu den erdbebenreichsten Ländern der Erde. Aus diesem Grund gab es dort auch einen Erbebensimulator in Form eines einfachen Hauses. Alejandra machte große Augen, als alles anfing zu wackeln!

Bei der nächsten Station ging es um Neuseelands Unterwassertierwelt. Hier ist sogar ein echter Riesenkalmar, in einem Chemikalienbad konserviert, ausgestellt. Er wurde 2007 vor der Küste der Antarktis aufgefischt. Es ist eine der wenigen Kalmare, die überhaupt je gesichtet wurden.

In einem Tiefseesimulator tauchte ich (Sari) dann noch in Neuseelands Unterwasserwelt ab und ließ mich ordentlich durchschütteln. Julian und Alejandra mussten draußen bleiben – für Babys, Schwangere, Epileptiker, Rollstuhlfahrer, Rentner mit Gebrechen und für Leute mit Nacken- und Rückenproblemen ist Betreten verboten (also für die Hälfte der Menschheit, oder???).

Zuletzt besuchten wir noch eine Ausstellung der Geschichte der Maori, die Alejandra bereits verpennte. Ob schlafend oder wach – alle paar Minuten blieb jemand an ihr stehen und prabbelte was von „cutie“ und bewunderte ihre tollen Schuhe (Danke, MaOmi!). Die Geschichte vom Mainzer Weihnachtsmarkt wurde hier also schon einige Male erzählt.

Ab morgen geht es weiter auf die Südinsel. Je nach Internetzugang berichten wir weiter von unseren täglichen Abenteuern. Manchmal ist es soviel, dass wir gar nicht wissen, wo wir anfangen sollen.

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