Jede Zelle meines Körpers ist glücklich

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Familie Bauer im Paradies! East Cape, Neuseeland 2012

We’ve been leaving Whakatane. Früh am morgen ging es bei schönstem Wetter los Richtung East Cape. Vorher mussten wir aber noch unseren letzten Eintrag bloggen und suchten ein Internetcafé auf. Das „All Good Music“ war gleichzeitig auch ein Musik- und CD-Laden und Julian verstand sich gleich prächtig mit dem Besitzer. Der wollte uns direkt einen Song vorspielen, den er auf youtube entdeckt hat und all seinen Besuchern vorspielt. Und was lief da? „Jede Zelle meines Körpers ist glücklich…“ – ihr kennt das ja. Das sei der erste Song, den er mit Deutschen assoziieren würde und wir wären ja schließlich Deutsche, sagte er. Aha. Ausgerechnet dieses unfreiwillig komische Lied von einem Guru wird mit deutscher Musik hier assoziiert. Die Dorfjugend könne das sogar mitsingen! Julian spielte ihm einen Song von seiner Band WAYKE auf youtube vor und stieß auf Verwunderung. „You’re singing in English? But you’re germans?!“ Anscheinend ist es hier völlig unvorstellbar, dass die meisten Songs bei uns in Deutschland selbst von deutschsprachigen Gruppen auf Englisch gesungen werden. Wieder was gelernt. Außerdem zeigte uns der nette Mann noch seinen äußerst musikalischen Sohn auf youtube. Guckt euch mal an, was Gareth Perkins mit der Gitarre macht. Da könnte sich manch einer von The Voice, DSDS und wie der ganze Schmonsens heißt, noch ne Scheibe abschneiden.

Jetzt aber weiter Richtung East Cape! Auf dem Pacific Coast Highway SH35 gelangt man in eine andere Welt. Auf absolut einsamen, malerischen Straßen durchs Gebirge, an Seen und Vulkanen vorbei (aus der Ferne sieht man sogar den kettenrauchenden Vulkan Whakaari, der noch aktiv ist), Wäldern und wieder am karibischblauen Meer entlang ist man als Naturfan praktisch gedopt. Es erinnerte uns etwas an die „Road to Hana/Heaven“ auf Maui/Hawaii, die uns mit ähnlichen Aussichten verwöhnte.
Unser heutiges Ziel hieß „Eastender Backpackers“ bei Tikitiki. Unser Auto war natürlich ausreichend präpariert für the middle of nowhere. Alejandra spielte die ganze Zeit mit ihrem Jako-O-Handschuh und zerbiss das Pixibuch „Reisen mit Rosinante“, dass MaOmi ihr am Flughafen gekauft hatte (nur liebgewonnene Sachen werden zerbissen).

Das East Cape ist so was wie ein kleiner Schatz der Nordinsel. Es wird in seiner Abgeschiedenheit gern übersehen, wenn erst noch Auckland, Rotorua oder die Bay of Islands rufen. Es gibt kaum städtische Zivilisation, einfach alle paar Kilometer (und Kilometer sind laaaang in Neuseeland) ein Dörfchen mit alten Mikrowellen als Briefkasten. Hier haben sich die Maori noch ein ganzes Stück Kultur bewahrt. Überall sieht man „marae“ (Gemeinschaftshäuser) und typische Schnitzereien. Die wichtigsten iwi (Stämme) in der Region sind die Te Whanau-a-Apanui, die Ngati Porou, die Ngati Kahungunu und die Tuhoe.

Am Ende des Tages kamen wir dann in unserem Backpacker an. Es lag wirklich einfach mitten im Nichts. Zwischen freilaufenden Pferden, Kühen und Schafen und einem ausgezeichneten Wachhund (er verteidigte Haus und Hof gegen unser Monsterauto) lagen ein paar kleine Holzhütten mit Lagerfeuerplatz und eine Gemeinschaftskochküche. Leider waren wir die einzigen Backpacker mitten in den Bergen. Etwas unheimlich war es schon. Und die Besitzer waren auch nicht da, nur eine Message, in welcher Lodge wir untergebracht waren. Aber wir brauchten ja nur ein Bett für eine Nacht. Wir suchten uns den Gemeinschaftsraum aus, weil da keine einzige Spinne zu sehen war (keine Sorge, Spinnen- und Flugangst sind Saris einzige Neurosen ). Ich (Sari) ging mit Alejandra ins Hochbett und Papa Julian schlief unten drunter. Wir fühlten uns wie im Zeltlager.

Der nächste Morgen war toll. Aufzustehen und einfach in dieNatur hinaus zu schlappen hat schon was. Alejandra bestaunte noch im Schlafanzug die Schafe und wurde unter freiem Himmel am Esstisch gefüttert. Dann ging es auch schon weiter. Das East Cape runter Richtung Mahia Peninsula, die wir uns als heutiges Domizil ausgesucht hatten. Auf der Reise kamen wir mal wieder an allerhand Auenland vorbei und konnten immer wieder nachvollziehen, warum Peter Jackson seine Herr der Ringe-Trilogie hier gedreht hat. Zwischendurch kreuzten ständig Schafe und Kühe unseren Weg, was unsere Weiterfahrt etwas verlangsamte.

Wir kamen aber auch an allerhand heruntergekommenen und verschlafenen Dörfern vorbei, in der die Landschaft und vor allem das Meer zwar wunderbar zu bestaunen waren, man aber die wirtschaftliche Not der Menschen förmlich spürte. Wir können nur erahnen, dass diese Region von hoher Arbeitslosigkeit und nur sporadischem Wohlstand geprägt ist. In der Tokomaru Bay trafen wir beispielsweise zwei Neuseeländer, die mit Sack und Pack nach Gisborne unterwegs waren, um dort „eine bessere Zukunft“ aufzubauen. Sie kamen ebenfalls von der East Coast und erzählten, dass sie dort in ärmlichen Verhältnissen lebten.

In Gisborne („Gizzy“) legten wir eine kleine Pause zum Mittagessen ein. Hier wollten wir eigentlich planmäßig unser Nachtlager aufschlagen, aber der Zauber der Mahia Peninsula hatte uns dank unseres Lonely Planet gepackt. Wir waren auch ganz froh, da die Stadt doch weit weniger Charme versprühte, als wir dachten. Wahrscheinlich waren die vielen Straßen, Geschäfte und Take-Away-Restaurants doch zu viel für uns nach so viel Naturpur. Obwohl wir einen Endsechziger-Hippie trafen, der uns erzählte, dass Gisborne „full of spirit“ sei, da man hier die Sonne als erstes sieht, wenn man in NZ den neuen Tag beginnt. Außerdem verläuft die Überlappung der pazifischen unter der australischen Platte nur 50 km unterhalb von Gisborne. Wir sollten unbedingt die Energie „aufsaugen“. Aber auch er konnte uns nicht davon abhalten, unsere Reise fortzusetzen.

Mahia Peninsula ist ein wahr gewordener Traum. Das Meer strahlt hier in einem Blau, welches wir sonst nur aus Kaikoura kennen. Die Halbinsel erinnerte uns auch an die Coromandel Peninsula im Norden der Insel, ist aber wesentlich kleiner und feiner. Die heutige Nacht wollten wir in der Cappamore Lodge verbringen. Der Lonley Planet erzählte uns von einem schrulligen Holzhaus im skandinavischen Stil. Klang ja ganz einladend.


Freundlich wurden wir von den Besitzern Margaret und Bill empfangen, die uns sogar mit ein paar Worten Deutsch begrüßten. Bill war 1953 mal in Deutschland gewesen. Das ist auch ein Hinweis auf sein Alter. Die beiden sind bereits siebzehnfache Großeltern und 9 ½fache Urgroßeltern (Nummer 10 ist unterwegs).

So nett die zwei auch waren und das Haus wirklich wunderschön aussah (vor allem der View!!!), innen kehrte es mir die Fußnägel hoch. Überall, wirklich überall Spinnen, Spinnen, Spinnen. Das ging einfach nicht. Ich spielte schon mit dem Gedanken, mir im Auto ein Nachtlager aufzuschlagen, da ergriff der erfahrene Julian das Kommando und schleppte Spinnenphobikerin Sarah Richtung Auto. Kurzerhand suchte er eine neue Unterkunft aus dem Lonely Planet und fuhr mit uns dahin. Im „Sea Shores“ begrüßte uns Marie Preddey, die vollstes Verständnis für mich hatte. Obwohl sie nichts frei hatte, bot sie mir einen Raum an. Als sie aber unsere kleine Familie näher kennenlernte, bot sie uns gleich allen an, hier zu schlafen. Ach, wie herzlich! Trotzdem tat es uns so sehr Leid um das alte Ehepaar der Cappamore Lodge. Morgen früh fahren wir hin, als wäre nichts gewesen. Tja, wir können halt nicht anders.

Nun liegen wir in einer kleinen, sehr sauberen und spinnenfreien Unterkunft happy im Bett, können frei Internet nutzen (!!!) und freuen uns einfach des Lebens. Unserem Pupsi geht es übrigens super. Sie wird von Papi in den Schlaf gesummt…

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